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Katrin Steinhülb-Joos

SPD 01.07.2021 Sitzungen 17/8

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Titel des Antrags der AfD lautet: „Schulbetrieb normalisieren und ausweiten“. Dies wünschen sich langfristig sicherlich alle Betroffenen. Ob das jedoch mit den unter diesen Titel gefassten Fragen und Forderungen möglich ist, bezweifle ich. Die SPD-Fraktion wird den beiden Beschlussteilen dieses Antrags nicht zustimmen. Es brauchte allein schon fünf Minuten, um zu erklären, warum die in diesem Antrag gestellten Fragen nicht zur Bewältigung der Coronapandemie an den Schulen beitragen. Denn das Prinzip, die Augen zu verschließen in der Hoffnung „Ich werde nicht mehr gesehen“, bringt uns hier nicht weiter. (Beifall) Es brauchte aber auch mindestens fünf Minuten, um zu erklären, warum auch die Antworten der Landesregierung auf diese Fragen nicht zur Bewältigung der Coronapandemie an den Schulen beitragen. (Beifall) Ich habe nur ein Mal fünf Minuten Redezeit, und die möchte ich nutzen, um zu erklären, was den Schulen helfen würde. Bis zu meiner Wahl in den Landtag war ich Schulleiterin einer Stuttgarter Gemeinschaftsschule. Seit März 2020 erlebte ich einige frustrierende Momente bei der Lektüre der Verordnungen des Kultusministeriums. Milde ausgedrückt: Diese waren nicht immer mit der Realität vor Ort in Einklang zu bringen. Ich möchte nur auf die Stundenpläne hinweisen. Die Schulen waren teilweise dazu genötigt, bis zu acht Stundenpläne für ein Schuljahr zu erstellen. Und Sie wissen, wie viel Arbeit das ist. periode – 8. Sitzung – Donnerstag, 1. Juli 2021 Falls die Infektionslage im Herbst Präsenzunterricht unmöglich macht, wünschen sich die Kollegen – das ist jetzt ein Originalzitat aus dem Kollegium – einen durchgängigen Wechselunterricht, anstatt irgendwann nur noch online zu unterrichten und die Kinder über mehrere Wochen und Monate nicht zu sehen. (Beifall) Unbestritten ist aber, dass die Lehrkräfte dem Präsenzunterricht natürlich oberste Priorität beimessen. Um das zu erreichen, brauchen die Schulgemeinschaften mehr, bessere und konkrete Unterstützung aus dem Kultusministerium. Das gilt für Verordnungen, die rechtzeitig da sein müssen und nicht erst an einem Freitagabend vorliegen dürfen, (Beifall) für Testkits, die vollständig sein müssen – es dürfen nicht die Flüssigkeiten fehlen, wie es vorgekommen ist und was wertvolle Unterrichtszeit gekostet hat –, für Luftfiltergeräte, die finanziert werden müssen – übrigens hätte man dazu, glaube ich, ca. anderthalb Jahre Zeit gehabt –, (Beifall) und auch für Impfungen, die angeboten werden. Das ist es, was jetzt organisiert werden muss, damit das Ganze nach den Sommerferien funktioniert. Entscheidend ist die Frage, was es für die Zukunft braucht, damit die Schulen gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. In erster Linie braucht es mehr Zeit für die Schülerinnen und Schüler, mehr individuell einsetzbare Stunden, mehr Poolstunden, Klassenlehrerstunden, Förderstunden, Ergänzungsstunden. Das heißt, wir brauchen mehr Lehrkräfte, mehr unterstützendes Personal in den Klassenräumen, pädagogische Assistentinnen und Assistenten sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter. Die Lehrkräfte müssen Spielräume bekommen, um individuell auf einzelne oder auch kleine Gruppen von Schülerinnen und Schülern eingehen zu können, sie coachen zu können. Dafür sind Stunden nötig, die im Kontingent verankert sein müssen. Und zwar muss dies allen Schularten zur Verfügung gestellt werden. (Beifall) Mit der Bereitstellung von mehr Stunden für die Lehrkräfte könnte die Landesregierung gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Bewältigung der Pandemie und die so wichtige Weiterentwicklung der Schule. Mittlerweile muss es der Landesregierung doch dämmern, dass die Konzentration auf Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen auch in Zeiten der Pandemie nicht ausreicht. Der soziale Aspekt von Schule hat in den letzten Monaten enorm gelitten und zeigt bei den Schülerinnen und Schülern auch Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung. Ich bin überzeugt davon, dass wir das noch in zwei, drei Jahren zu spüren bekommen werden. Daher braucht es ein auf mindestens drei Jahre ausgelegtes Postcorona-Aufbauprogramm für die Schulen, und es braucht schulpsychologische Unterstützung. (Beifall) (Katrin Steinhülb-Joos) Auch in diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf die zwei Papiere unserer SPD-Fraktion hinweisen – „Das krisenfeste Klassenzimmer“ –, die hier wunderbare Angebote machen, wie es denn weitergehen könnte. Angesichts der Tatsache, dass Corona die Defizite in unserem Schulsystem offen hat zutage treten lassen, frage ich mich, zu welcher Normalität wir eigentlich zurückkommen wollen. Einfach nur anknüpfen an die Zeit vor Corona, als ob nichts gewesen wäre? Nein, das kann nicht sein, und das darf nicht sein. (Beifall) Herr Poreski, Sie sprachen heute Morgen von ganzheitlicher Bildung. Ja, absolut! Den Kollegien müssen ausreichende Zeitfenster gegeben werden, um sich auf einen intensiven pädagogischen Weg zu machen mit dem Ziel, Schulen aus der Pandemie zu führen und die Schülerinnen und Schüler zunächst sozial und dann fachlich für die Zukunft zu rüsten und resilient zu machen.

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