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Kristina Vogt

25.08.2026 Sitzungen 21/39

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Abgeordnete! Für den Senat beantworte ich die Anfrage wie folgt: Vorbemerkung des Senats: Die Bremer Innenstadt steht vor der größten Transformation seit der Nachkriegszeit. In Anlehnung an den Aktionsplan „Centrum Bremen 2030+“ werden mehrere Großprojekte wie der Umbau des Karstadt-, des C&A- und des ehemaligen Horten-Gebäudes, der Abriss und Neubau auf dem Areal des Parkhauses Mitte sowie die Ertüchtigung des Konzerthauses „Die Glocke“ und Neuentwicklung des Balgequartiers den mehrjährigen Umbau des Zentrums prägen. Das historische Sparkassengebäude am Brill wird auch neu entwickelt. Hinzu kommen weitere Bauvorhaben zur Klimaanpassung, Digitalisierung sowie der Ausbau des Fernwärmenetzes, die Umwandlung von Gewerbe in Wohnraum sowie weitere, kleinere Bauvorhaben in zentraler Lage. Ziel ist die Umwandlung von reinem Einzelhandel in einen lebendigen Stadtraum, der ergänzt wird um Wohnen, Kultur, Gastronomie sowie neue Wegebeziehungen. Dies wird als Chance verstanden, um die Innenstadt für die Herausforderungen der kommenden Jahre weiterzuentwickeln. Zu Frage 1: In der durch den Senat Ende 2021 beschlossenen Strategie „Bremen Centrum 2030+“ wird im Handlungsfeld 3 „Nutzen und Erleben“ die Entwicklung neuer Handelskonzepte und -lagen aufgeführt. Dies soll unter anderem durch die Aktivierung leerstehender Immobilien für gewerbliche Concept-Stores, Pop-up-Stores et cetera erfolgen. Hiermit soll auch der Nutzungsmix gefördert werden. Die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH (WFB) verfügt über ein professionelles Ansiedlungsmanagement, mit dem sie den Kontakt zu Betreibern von sowohl filialbetriebenen als auch inhabergeführten Konzepten sucht und eine Ansiedlung in Bremen beziehungsweise der Bremer Innenstadt aktiv unterstützt. Des Weiteren ergänzten temporäre Nutzungen insbesondere während der Coronazeit die klassischen Sortimente der Innenstadt. Hier hatte die WFB mit Pop-Up-Store-Wettbewerben agiert, unter anderem, um das Thema Zwischennutzung langfristig zu etablieren. Durch das von der WFB betriebene Leerstandsmanagement werden Leerstände gefüllt und belebt. Der Ansatz war und ist in erster Linie die Impulsfunktion und eine möglichst nachhaltige Entwicklung. Es wird insbesondere darauf geachtet, dass es sich um wirtschaftliche Konzepte handelt, aber auch um neue, innovative Ansätze, die das Potenzial haben, sich zu etablieren. Dazu zählen zum Beispiel das Konzept Contemporary Crafts Studio, eine zweijährige Nutzung einer Fläche mit Kreativschaffenden und Nutzungen, die neue Zielgruppen und Akteur:innen in die Innenstadt holen. Zudem wurden in der Vergangenheit Akteur:innen bei der Umsetzung neuer innerstädtischer Nutzungsformen auch durch Bundesmittel finanziell unterstützt, indem sie für einen begrenzten Zeitraum eine vergünstigte Miete – Herleitung auf Basis der Ladenfläche pro Quadratmeter – innerstädtischer Immobilien angeboten bekamen. Die Maßnahmen der letzten Jahre wurden unter anderem finanziert über das Aktionsprogramm Innenstadt (API) 2020/2021, den Zukunftsfonds Innenstadt (ZFI) 2021-2023 und das Bundesprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ) 2023-2025. Die Anschubfinanzierung soll auch weiterhin im Rahmen einer Richtlinienförderung im Auftrag von SWHT durch die WFB umgesetzt werden. Die Förderung wird als Anschubfinanzierung für Investitionskosten konzipiert, um Ansiedlungshürden in der kritischen Anfangsphase zu mindern und weiterhin Anreize für die Neueröffnung beziehungsweise Neuansiedlung von Einzelhandelsgeschäften, Gastronomie-, Handwerks- oder kundenorientierter Dienstleistungsbetriebe in der Bremer Innenstadt zu schaffen. Ziel ist es, die neue Fördergrundlage im Herbst 2026 zu veröffentlichen. Neben den Aktivitäten der WFB haben sich Immobilieneigentümer:innen der Gebiete Ansgarikirchhof, Sögestraße, Hanseatenhof und Balgequartier dazu entschieden, ihre Quartiere auch mit eigenen Mitteln aufzuwerten. Durch das Instrument der BIDs (Business Improvement Districts) wird aus diesen privaten Mitteln von insgesamt knapp 4 Millionen Euro den Besucher:innen unter anderem mehr Sauberkeit, eine höhere Aufenthaltsqualität sowie ein besseres Sicherheitsgefühl geboten. Nicht zuletzt erfolgt derzeit die Sanierung und Aufwertung des Ansgarikirchhofs mit LuKIFG-Mitteln im Auftrag der SWHT, umgesetzt durch die WFB. Mehr Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und Infrastruktur für verschiedenste Veranstaltungen werden dem Einzelhandel und der Innenstadt zugutekommen. Zu Frage 2: Durch finanzielle Unterstützung konnten seit 2023 die folgenden Filialen für die Bremer Innenstadt gewonnen werden: Motel a Miio, Cinnamood, tepeMen, Rooks & Rocks, HiFi Klubben und Pincho Nation. Ebenfalls durch finanzielle Unterstützung konnten die folgenden inhabergeführten Betriebe in der City angesiedelt werden: Sebastian Fahrrad, ROSA PINK, (Con)temporary Crafts Studio (CCS), Innovations- und Kreativkontor von syniotec (mit Farsø), Gastrobetrieb Frölichs (VHS), Café Vinyl (Am Wall). Durch Unterstützung der WFB, die bei der Vermittlung geeigneter Flächen behilflich ist oder ihre Lotsenfunktion in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Behörden übernimmt beziehungsweise Hilfen bei Genehmigungsverfahren anbietet, konnten Filialen von NEW YORKER (Umzug an den Ansgarikirchhof), TK Maxx und Søstrene Grene in der Bremer Innenstadt angesiedelt beziehungsweise gehalten werden. Darüber hinaus hat die WFB in den vergangenen Jahren auch Bestandskunden-Wettbewerbe durchgeführt, die sich gezielt an die inhabergeführten Geschäfte der Bremer Innenstadt gerichtet haben. Insgesamt konnten drei Wettbewerbe durchführt und dabei fünfzehn Unternehmen gefördert werden. Beim jüngsten Wettbewerb konnten dann allerdings mangels Beteiligung nicht mehr alle Preise vergeben werden, sodass dieses Instrument zunächst nicht fortgeführt wurde und derzeit analysiert wird. Zu den Bestandskunden-Gewinnern der letzten Jahre zählten unter anderem (Auszug): Made in Bremen (damals noch an der Stadtwaage), HUDDY (Bischofsnadel), Ristedt (Ansgarikirchhof), Schnitträume (Am Wall) und Café Minkens. Das ist, glaube ich, hier im Katharinenklosterhof? Zu Frage 3: Unter den neu angesiedelten Einzelhandelsunternehmen erfolgte beim Unternehmen tepeMen inzwischen eine Schließung. Durch die weiterhin auf dem Markt herrschende Dynamik im Einzelhandel ist der Bedarf für die Beratung durch die WFB sowie die Nutzung von Ansiedlungsinstrumenten weiter groß. Das Interesse an Bremen und der Innenstadt ist seitens Einzelhandels- und Gastronomiefilialisten weiterhin hoch. Dies wird auch durch die sehr gute Akzeptanz der Veranstaltungsformate der WFB belegt. Hier sind insbesondere der regelmäßig stattfindende Immobilienwirtschaftliche Dialog als Austauschformat mit Immobilieneigentümer:innen der Innenstadt sowie das ebenfalls regelmäßig stattfindende Expansionsleiter:innentreffen hervorzuheben. Letzteres enthält einen Rundgang durch die Innenstadt, die Präsentation von aktuell leerstehenden Flächen sowie der aktuell in Planung befindlichen Bauvorhaben, Fachvorträge sowie das anschließende Networking mit den Expansionsleiter:innen. Durch die Anschubfinanzierungen der vergangenen Jahre konnte die Innenstadt mit neuen Angeboten belebt werden. Dieses Instrument für innovative Handelskonzepte wird aufgrund anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten auch weiterhin für die im Umbau befindliche Innenstadt benötigt. Das Förderinstrument stellt zwar keinen Garanten dar, dass jegliche Konzepte dauerhaft verwirklicht werden können, dennoch haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass mit den Beratungs- und Vermarktungsbemühungen der WFB passende und innovative Nutzungen gewonnen und unterstützt werden konnten, die überwiegend nachhaltig Bestand haben. – So weit die Antwort des Senats!

Alle Reden von Kristina Vogt Protokoll (PDF) ↗