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Mark Rackles

17.03.2026 Sitzungen 21/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Gemeinhin wird ja angenommen, dass die größte Sorge der Bildungssenator:innen fehlende Ressourcen oder stinkende Klos sind, dem ist jedoch nicht so. Meine größte Sorge – und ich glaube, das teile ich mit anderen Senatoren und Ministern in Bezug auf das deutsche Bildungssystem – liegt eher in den gesellschaftlichen Tiefenströmungen, die sich in den letzten Jahren massiv verändert haben. Dazu gehört das Gefühl einer abnehmenden Erziehungskompetenz aufseiten der Eltern – sicher nicht aller, aber vieler, das ist vorhin angesprochen worden –, dazu gehören mediale Verhaltensmuster von teils schon sehr jungen Kindern, die übermäßig viel in den vermeintlich sozialen Medien unterwegs sind, die zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten im Kita- und Schulbereich bei Kindern bis hin zur starken Zunahme neurodivergenter Störungen. Das hat vermutlich auch damit etwas zu tun. Dazu gehört aber drittens auch, worüber wir heute reden, der anhaltende Trend zu weniger Bewegung im Alltagsverhalten der Kinder. Hier mag der erwähnte Medienkonsum eine zentrale Rolle spielen, aber unabhängig von der Ursache ist das Phänomen eindeutig beschreibbar: Eine Erhebung aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen innerhalb von 15 Jahren um 64 Prozent angestiegen ist. Wesentlicher Grund ist der Bewegungsmangel. Etwa 15 Prozent der Kinder in Deutschland leiden unter Übergewicht und Adipositas. Nur etwa jedes zehnte Mädchen und jeder fünfte Junge bewegen sich mindestens 60 Minuten am Tag, das ist vorhin erwähnt worden, so wie es die WHO empfiehlt. Besonders betroffen sind Kinder mit chronischen Erkrankungen und sozial benachteiligte Gruppen. Das ist nicht neu, und viele Schulen arbeiten gezielt und ausdrücklich dagegen an, Schulen und Kitas, mit Schulsport, Bewegungspausen, bewegungsorientierten Angeboten im schulischen Ganztag. Hier ist auch unser steter Kampf gegen die Elterntaxis zu nennen, gesund in die Schule bedeutet auch zu Fuß in die Schule. Der vorliegende Antrag der Koalition legt den Fokus auf die Kitakinder und stellt den Zusammenhang zwischen Bewegung und Lernfähigkeit her. Bewegung macht schlau, das ist völlig richtig, und das vorgeschlagene Instrument des Bewegungspasses ist ein geeignetes zusätzliches Instrument, um mehr Bewegung in den Kitaalltag zu bekommen. Ich begrüße daher für den Senator für Kinder und Bildung und den Senat die Initiative ausdrücklich, die die Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke zur Einführung des Bewegungspasses nach dem Vorbild der erprobten Stuttgarter Praxis hier vorlegen. Zu den Erfolgsbedingungen gehören sicherlich Gespräche mit den Trägereinrichtungen sowie der Ansatz einer stufenweisen Einführung, die mit den Kitas der sogenannten Indexlagen beginnt. Es gibt wie immer in Deutschland einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Lage, Gesundheit und dem Bildungserfolg. Zu den Erfolgsbedingungen gehören aber auch die in Ziffer 2 formulierte Partnerschaft mit den gesetzlichen Krankenkassen und die in Ziffer 3 erwähnte Fortbildung von Erzieher:innen im Bereich Bewegung, Spiel und Sport. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass die Bewegungsförderung bei Kindern nur in sozialräumlicher Abstimmung mit einer Vielzahl von Akteuren erfolgreich stattfinden kann. Bewegungsförderung für Kinder ist ein Querschnittsthema der Ressorts Kinder und Bildung, Soziales und Jugend, Sport sowie Gesundheit und daher Teil einer gemeinsamen Strategie zum Aufbau von Präventionsketten in der Stadtgemeinde Bremen. Die Initiative „Bewegungspass für Kinder“ kann dazu beitragen, die Bewegungsförderung in der Kita, im Elternhaus und in der Freizeit der Kinder zu aktivieren und zu verstärken und vorhandene Initiativen und Projekte – es sind mehrere genannt worden – noch besser zu vernetzen. Das Projekt muss daher als gemeinsames Vorhaben aller angesprochenen Ressorts verstanden werden. Wir als Senator für Kinder und Bildung sind jedenfalls gern auch federführend dabei, denn Bewegung macht schlau, und für „schlau“ sind wir bekanntlich zuständig. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Mark Rackles Protokoll (PDF) ↗