Miriam Strunge
Sehr geehrte Damen und Herren, Frau Präsidentin! Mehrere einschlägige Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen Armutslagen bei Kindern und ihrer Gesundheit gibt. Auch sehen wir in den Studien, wenn zum Beispiel im schulischen Kontext Sport-AGs angeboten werden, dass diese genauso oft von Kindern aus ärmeren Haushalten angewählt werden wie von Kindern, die in besseren finanziellen Situationen aufwachsen. Wir sehen also: Wenn der Zugang, beispielsweise durch die Schule, für alle gleich ist, wird der Armutsfaktor quasi ausgeschaltet, denn es ist nicht so, dass finanziell benachteiligte Kinder weniger gern Sport machen würden als Kinder aus Mittelstandsfamilien, jedoch sehen wir, dass es bei den außerschulischen Sportangeboten einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen der finanziellen Situation der Eltern gibt und der Häufigkeit, wie oft die Kinder in den Genuss dieser Angebote kommen. Aus diesen Erkenntnissen heraus ist es das politische Ziel, Bewegungsangebote dort zu stärken, wo die Kinder sind. Mit diesem Antrag schaut sich die Koalition ein Bewegungsangebot für Kitakinder aus Baden-Württemberg genau an. Hier wurde der Bewegungspass eingeführt. Jedes Kitakind erhält diesen Pass und bekommt besondere Bewegungsangebote wie Hüpfen, Balancieren, Klettern, Werfen und Rennen. Die Fachkräfte in den Kitas in BadenWürttemberg machen eine eintägige Qualifizierung und erhalten Materialien, um niedrigschwellig zusätzliche Bewegungsangebote in den Kitas zu schaffen. Auch in Bremen möchten wir diesen Prozess zur Einführung des Bewegungspasses starten, damit Kinder mehr Bewegungsangebote in den Kitas erhalten. Eines möchte ich aber ganz besonders deutlich machen: Ich habe sehr großen Respekt vor den Fachkräften in den Kitas, die hier natürlich schon sehr oft Bewegungsangebote machen. In vielen Kitas sind Bewegungsangebote seit Jahrzehnten komplett normal, und hier kann ich mich der Kollegin Frau Ahrens anschließen, die von Positivmeldungen und Best-Practice-Beispielen in den Bremer Kitas gesprochen hat. Durch den Bewegungspass werden die Bewegungsangebote in den Kitas aber systematisiert, und Fachkräfte erhalten neue Impulse, welche Angebote sie in einem bewegungsorientierten Kitaalltag integrieren können. Ich möchte noch einmal kurz den Blick auf die Grundschulen richten! Da wir ja wissen, dass es eine Schieflage gibt, wenn Sport- und Bewegungsangebote nur im außerschulischen Bereich angeboten werden, weil sie dann davon abhängig sind, ob die Eltern die finanziellen oder auch die zeitlichen Ressourcen für die Teilnahme ihrer Kinder am Judotraining oder Tanzkurs haben, brauchen wir verlässlichen Sportunterricht von mindestens drei Stunden in der Woche an den Schulen. (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Zwei wären schon schön!) Aktuell ist das leider aufgrund fehlender Sporthallenkapazitäten und zum Teil auch aufgrund von fehlenden Sportlehrer:innen nicht überall der Fall, und hier haben wir noch einiges zu tun, damit die Kindergesundheit nicht davon abhängig ist, welche sozialen Ressourcen die Eltern haben. Wir sollten hier noch einmal ganz besonders hinschauen. – Herzlichen Dank! (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
