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Dr. Maike Schaefer

GRÜNE 17.03.2026 Sitzungen 21/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wenn es um digitale Kompetenzen geht, dann kommt mein Sohn ganz oft und sagt: Du bist ja aus dem letzten Jahrtausend. Und das stimmt auch ehrlicherweise, und wenn man sich zurückerinnert, zumindest ich an meine Kindheit, dann war es normal, dass wir alle nachmittags draußen gespielt haben, dass man eigentlich gar keine Lust hatte, abends reinzugehen. Wie die meisten war ich beim Kinderturnen, wir waren Mitglied im Sportverein – sogar im Eiskunstlaufverein, das war nur mit mäßigem Erfolg gekrönt –, in Schwimmkursen, wir waren Skateboard fahren, Rollschuhlaufen. Also Sport und Bewegung waren damals als Kind Alltag und normal und nicht nur beim Schulsport oder im Kindergarten. Allerdings muss man auch dazusagen, ich bin 1971 geboren, das Fernsehprogramm startete um 17:00 Uhr, es gab drei Programme, es gab kein Internet, keine Playstation, kein Social Media oder Handy. Also meine Kindheit war glücklich. (Beifall CDU) Wie sieht es heute aus? Viele Kinder, das hatten wir jetzt schon gehört, bewegen sich zu wenig im Alltag. Kinder können nicht mehr so einfach auf der Straße spielen oder dort Rollschuhlaufen oder skaten, weil das einfach zu gefährlich ist. Viele Kinder verbringen den Großteil des Tages sitzend – Elf- bis Siebzehnjährige fast acht Stunden täglich, besagt eine Studie –, und das führt zu Bewegungsmangel. Die Gründe für den Bewegungsmangel: langes Sitzen in der Schule plus Hausaufgaben, manche haben keinen eigenen Garten, wo sie einmal hinausgehen können zum Spielen, es gibt viel zu viele Bildschirmaktivitäten, ob am Computer gedaddelt wird oder am Handy abgehangen wird, und das führt zu Gesundheitsproblemen – einmal zu Übergewicht, Adipositas, damit auch verbunden oft Diabetes, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs übrigens auch, oder zu motorischen Entwicklungsstörungen. Das heißt, dass körperliche Leistungsfähigkeit im Alltag verbessert werden kann durch mehr Bewegung. Mehr Ausdauer ist eines der Ergebnisse, aber auch eine positive Auswirkung auf das Wohlbefinden, auf die Stimmung, aber auch auf die Konzentrationsfähigkeit. Also insofern hat das schon auch irgendetwas Positives mit auch Schlauheit oder Bildung zu tun und führt auch zu mehr Stressabbau. Deswegen war die Empfehlung, Frau Kretschmann hat es gesagt, mindestens eine Stunde Bewegung am Tag. Jetzt gibt es diverse Studien, die uns einfach noch einmal zeigen: Während und auch nach der Coronapandemie gab es eine deutliche Abnahme der Bewegungszeiten bei Kindern und Jugendlichen. Die Gefahr besteht, dass die Verhaltensregeln, die man sich in dieser Zeit der Lockdowns angewöhnt hat, aus der Pandemie dauerhaft beibehalten werden, und das hat auch langfristige Folgen für die Gesundheit. Die Kinder im Alter von acht bis zwölf sind am stärksten betroffen, und, meine Damen und Herren, wir müssen dafür sorgen, dass Sport und Bewegung, Spielen im Freien, Schwimmen und Turnen wieder fester Bestandteil im Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Ein Baustein dafür soll der Bewegungspass werden. Frau Kretschmann hat ihn jetzt genug vorgestellt, ich muss das, glaube ich, nicht alles wiederholen, aber es ist gut, in Kitas diesen Bewegungspass einzuführen, denn je früher Kinder lernen, dass sie sich regelmäßig bewegen müssen, desto besser ist es, und desto eher wird es auch später in ihrem Verhalten verankert sein. Ich finde es richtig, den Bewegungspass erst einmal in Stadtteilen mit einem hohen Sozialindex einzuführen. Familien können sich dort oft nicht Sportvereine, Schwimmkurse und so weiter leisten oder haben keinen eigenen Garten. Insofern ist es gut, wenn diese Kinder besonders gefördert werden. Der Bewegungspass ermöglicht es pädagogischen Fachkräften, Bewegungsförderung gezielt spielerisch und ohne großen Aufwand im Kitaalltag zu integrieren. Es braucht eine Zertifizierung, und neben motorischen Grundfertigkeiten werden auch kognitive, sprachliche, persönliche und soziale Fähigkeiten gefördert. Es ist diese Materialtasche, die auch unaufwendig angewendet werden kann. Aber, deswegen bin ich ganz froh, dass der Bildungssenator und die Sportsenatorin – und ich kann Sie gut sehen, Herr Rackles – hier zusammensitzen: Neben der Einführung des Bewegungspasses brauchen wir noch andere Bausteine. Dazu gehört für mich, dass der Sportunterricht in den Schulen gewährleistet werden muss und nicht ausfallen darf. Wir brauchen ausreichende Freizeitangebote, Sporthallen, ausreichende Schwimmflächen, wir brauchen echte Spielstraßen, in der sich Autofahrer auch an die Schrittgeschwindigkeit halten, damit dort auch Kinder spielen können, (Glocke) und die Sportangebote müssen unabhängig vom Portemonnaie der Eltern sein. Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss! Je früher und je mehr sich die Kinder bewegen, desto gesünder wachsen sie auf. Das ist Gesundheitsprävention und eine Investition in die Zukunft. Der Bewegungspass ist ein Baustein, und daher unterstützen wir diesen Antrag. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke)

Alle Reden von Dr. Maike Schaefer Protokoll (PDF) ↗