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Cord Degenhard

BÜNDNIS DEUTSCHLAND 17.03.2026 Sitzungen 21/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Kinder brauchen Bewegung, darüber gibt es keinen Zweifel. Die vorliegenden Studien zeigen jedoch leider deutlich, dass Ausdauer, Kraft und allgemeine Fitness vieler Kinder sich verschlechtert und dass insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien zu wenig Bewegung haben. Wenn wir es mit Chancengerechtigkeit ernst meinen, müssen wir hier früh und gezielt ansetzen. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Der Antrag der Koalition knüpft an vorhandene Strukturen in Bremen an, vom „Bildungsplan 0 bis 10“ über Bewegungskindergärten bis hin zu „Bremen bewegen“. Richtig ist aber auch: Diese Programme erreichen bislang nur einen Teil der Kinder. Gerade Kitas mit hohem Sozialindex brauchen zusätzliche Unterstützung. Der vorgeschlagene Bewegungspass kann hier ein pragmatisches Instrument sein, das sich an erfolgreichen Erfahrungen, etwa aus Baden-Württemberg, orientiert. Aus Sicht von BÜNDNIS DEUTSCHLAND ist entscheidend, dass solche Vorhaben einfach, wirksam und effizient sind. Der Bewegungspass erfüllt zumindest im Ansatz diese Kriterien: geringe materielle Kosten, klar definierte Übungen, eine eintägige Qualifizierung für pädagogische Fachkräfte. Wichtig ist uns, dass daraus kein neues bürokratisches Monster mit Berichts- und Dokumentationspflichten entsteht, sondern ein Angebot, das im Alltag der Einrichtungen tatsächlich genutzt werden kann. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Wir begrüßen, dass der Senat zunächst Gespräche mit Sportorganisationen, Kitaträgern sowie der GKV führen und Finanzierungspartner suchen soll. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Prozess auch Qualitätsstandards, Evaluation und eine klare Schwerpunktsetzung auf Kitas mit hohem Sozialindex verankert werden. Der angekündigte Bericht nach sechs Monaten ist dafür ein notwendiges Mindestmaß an Kontrolle, dem wir große Bedeutung beimessen. Aus unserer konservativen Perspektive gehört aber zu einer ehrlichen Debatte ein weiterer Punkt: die Eigenverantwortung der Familien. Weder Kita noch Staat können Eltern ersetzen. Es ist und bleibt eine Kernaufgabe von Eltern, ihren Kindern einen aktiven Lebensstil vorzuleben, (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Bewegung selbstverständlich zu machen und Grenzen beim Medienkonsum zu setzen. Wer, um nur ein Beispiel zu nennen, sein Kind mit dem Auto vor die Tür der Einrichtung fährt, darf nicht erwarten, dass der Staat alle Folgen von Bewegungsmangel kompensiert. (Abgeordnete Dr. Maike Schaefer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich dachte, Sie sind die Autopartei?) Den Eltern ist zuzumuten, und es ist von ihnen auch einzufordern, dass sie sich proaktiv dieses Themas annehmen. Anstatt zuzuschauen, wie ihr Kind stundenlang vor dem Fernseher oder PC abhängt, ich sage das ganz bewusst einmal so, sollten sie ihr Kind an die Hand nehmen, zu einem Spaziergang oder einer Radtour, zum Besuch eines Spielplatzes mit schönen Geräten oder eines Schwimmbades. – Besser noch, sie melden ihr Kind in einem Sportverein an! (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) BÜNDNIS DEUTSCHLAND wird dem Antrag zustimmen. Wir werden die Umsetzung kritisch-konstruktiv begleiten. Unser Maßstab ist: mehr Alltagssport für die Kinder, weniger Papierkram für die Erwachsenen! Wenn der Bewegungspass dazu beiträgt, dass Kinder in Bremen gesünder und leistungsfähiger aufwachsen, dann ist das eine Investition in die Zukunft unserer Stadt, die wir ausdrücklich mittragen. Das Motto „Bewegung macht schlau“ allerdings halten wir für nicht so gelungen. Es erweckt gegebenenfalls sogar falsche Hoffnungen. Bewegung hält gesund oder macht gesund. – Aber schlau? Ich sage Ihnen, was schlau macht, (Zuruf) insbesondere auch Ihnen, sehr geschätzter Herr Senator: Bessere Bildungspolitik macht schlau. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND)

Alle Reden von Cord Degenhard Protokoll (PDF) ↗