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Heike Kretschmann

SPD 17.03.2026 Sitzungen 21/34

Frau Präsidentin, liebe Abgeordnete und liebe Gäste! Der Arbeitstitel dieses Antrags lautet „Bewegung macht schlau!“ Den haben wir bewusst beibehalten, wohl wissend, dass Bewegung weder per se schlau noch intelligent noch klug macht. Das ist wissenschaftlich überhaupt nicht nachweisbar oder gar quantifizierbar, aber wir wissen alle durchaus, dass Bewegung gerade für Kinder wichtig ist und körperliche Entwicklung sowie kognitive Lernprozesse positiv beeinflussen kann. Kinder, die sich regelmäßig und viel bewegen, sind oft erfindungsreicher und auch kreativer. Sie sind häufig ausgeglichener und konzentrierter, und ihnen fällt das Lernen oftmals leichter. Fehlende Bewegung hat hingegen nicht nur negative Effekte auf den kindlichen Haltungsapparat, sondern wirkt sich unter anderem auch auf Koordinationsfähigkeit und auf Motorik negativ aus. Kinder wollen sich aber bewegen. Sie möchten entdecken, an Grenzen gehen und sich ausprobieren. Bewegung baut Stress ab, macht glücklich und vermittelt ein positives Körpergefühl. Das kennen wir hier alle. Wer von klein auf in Bewegung kommt, hat später meistens weniger gesundheitliche Probleme. Gleichzeitig wird das Selbstbewusstsein gestärkt, und durch gemeinsames Spielen und Sport treiben werden soziale Fähigkeiten gefördert. Doch im Alltag mit Schule, Kita und zunehmenden Bildschirmzeiten bleibt Bewegung oft auf der Strecke. Kinder lernen am meisten durch Nachahmung, und Eltern spielen als Vorbilder die zentrale Rolle. Doch wie sieht eigentlich die Realität aus? Viele Kinder erleben heute vor allem sitzende Erwachsene – am Schreibtisch, am Handy oder auf dem Sofa, meistens vor Bildschirmen. Bewegungsimpulse, die von den Eltern ausgehen, sind in vielen Familien kaum noch vorhanden. Untersuchungen zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zeigen sogar, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien körperlich weniger aktiv sind und seltener an Vereins- oder kommerziellen Sportangeboten teilnehmen. In einem aktuellen Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ vom 12. März dieses Jahres, also von letzter Woche, wird dargestellt, dass acht von zehn Kindern und Jugendlichen nicht auf das von der WHO empfohlene Maß von täglich 60 Minuten Bewegung kommen. Mit einem „Bewegungspass“ am Beispiel Stuttgarts, wie auch im Antrag ausführlicher beschrieben, wollen auch wir hier ansetzen und unterstützen. Das Bewegungsförderprogramm wurde 2016 vom Amt für Sport und Bewegung der Landeshauptstadt Stuttgart entwickelt und ist dort bereits flächendeckend ausgerollt. Das Programm richtet sich an Kinder im Vorschulalter und setzt auf spielerische Übungen zur Förderung motorischer Grundfähigkeiten. Kindertageseinrichtungen spielen dabei die zentrale Rolle, denn da ein Großteil der Kinder eine Kita besucht, können dort besonders viele Kinder erreicht werden. Außerdem verfügen Kitas über geschützte Spielgelände, die zur Bewegung animieren und zeigen, dass Bewegung auch im Freien jederzeit möglich ist. Der Bewegungspass ermöglicht pädagogischen Fachkräften, Bewegungsförderung gezielt, spielerisch und ohne großen Zeitaufwand in den Kitaalltag zu integrieren. Bewegungseinheiten werden damit bei entsprechender Qualifikation der Fachkräfte strukturiert, systematisch und bewusst gestaltet. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Grundannahme dabei ist, dass Kinder die Welt durch Bewegung spielerisch erkunden und begreifen. Sie haben Freude daran, stark wie eine Bärin und wendig wie eine Schlange zu sein und elementare Bewegungsformen wie Laufen, Werfen und auch Klettern zu erlernen und weiterzuentwickeln. Das Programm würde den natürlichen kindlichen Bewegungsdrang unterstützen. Im gemeinsamen Spiel werden neben motorischen Grundfähigkeiten auch kognitive, sprachliche, persönliche und soziale Fähigkeiten gefördert. Der Bewegungspass berücksichtigt dabei die individuellen Stärken jedes einzelnen Kindes und lässt den Kitas pädagogischen Freiraum in der Umsetzung. Das Konzept setzt dabei auf Motivation und Belohnung und knüpft an positive Erfolgserlebnisse an. Ich bin im Vorfeld mit Kitaleitungen, mit dem Landessportbund, mit Frau Prof. Dr. Ina Hunger, die den Sportstudiengang an der Uni Bremen leitet, im Austausch gewesen, und alle vermittelten mir – (Glocke) ich komme zum Schluss! –, dass dieser Ansatz aus Stuttgart auch für Bremen gewinnbringend und erfolgversprechend sein kann. Ich fasse kurz zusammen: Bewegung beeinflusst die Entwicklung, das Lernen und die Bildung unserer Kinder positiv und ist dabei weit mehr als nur eine bloße Aktivierung des Körpers. Lassen Sie uns von daher gemeinsam diesen Antrag auf den Weg bringen, denn eigentlich gilt ja doch: Bewegung macht schlau! – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Heike Kretschmann Protokoll (PDF) ↗