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Andre Folkert Minne

BÜNDNIS DEUTSCHLAND 17.03.2026 Sitzungen 21/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Kinder- und Jugendfarmen sind kein dekoratives Beiwerk städtischer Freizeitpolitik. Sie sind Orte, an denen Kinder Verantwortung lernen, an denen junge Menschen reale Erfahrungen mit Tieren, Natur, Arbeit und Regeln machen, also genau das, was in einer zunehmend digitalen und entgrenzten Alltagswelt immer seltener wird. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Insofern ist es richtig, dass die Große Anfrage und die Antwort des Senats das Thema aufrufen, aber wenn man sich anschaut, was der Senat hier vorlegt, dann bleibt am Ende vor allen Dingen ein Eindruck: viel wohlklingende Beschreibung, wenig Steuerung, kaum Transparenz und eine Finanzierung, die eher von Zufällen als von verlässlicher Planung abhängt. Der Senat beschreibt die Aufgaben der Farmen breit: Umwelt- und Klimabildung, offene Kinder- und Jugendarbeit, Demokratiebildung, Partizipation, informelles Lernen, Freizeitangebote, Ausflugsziel für Familien. Das alles ist nicht falsch, aber genau hier beginnt das Problem. Wenn alles Zweck ist, ist am Ende nichts priorisiert. Wer Einrichtungen dauerhaft sichern will, dem muss man sagen, was der Kernauftrag ist, welche Leistungen erwartet werden und wie man Wirksamkeit überprüft. Genau diese Klarheit fehlt, denn gleichzeitig räumt der Senat ein, dass zentrale Daten schlicht nicht vorliegen. Die Nutzung der Farmen wird im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit zahlenmäßig nicht erfasst, eine Zählung sei schwer, und das entspreche der Fachpraxis. Das kann man als bequeme Ausrede lesen. Wir reden hier über die Einrichtungen, die aus mehreren Ressorts und Quellen öffentliche Mittel erhalten, deren Finanzierung laut Anfrage sogar als prekär beschrieben wird. In so einer Lage – das ist nicht akzeptabel – kann das Land nicht einmal belastbar sagen, wie viele junge Menschen erreicht werden, wie stark welche Angebote nachgefragt werden und wo tatsächlich Bedarfe liegen, welche Mittel verantwortet, muss man auch daran die Wirkung messen, nicht nur Absichten formulieren. Noch deutlicher wird diese Schieflage beim Thema Schule: Der Senat erklärt zwar, alle Farmen arbeiten mit Schulen zusammen, aber gleichzeitig gebe es keine statistische Auswertung, und Veranstaltungen würden nicht dokumentiert, weil es sich um einzelne Besucher handelt. Das ist nicht trivial, denn wenn Schulen die Farmen als Lernorte benutzen sollen, dann braucht es für ein planbares Zeitfenster klare Ansprechpartner und dokumentierte Kooperation. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Es erzeugt Reibungsverluste, Unklarheiten am Ende, wenn die Bildung und Umwelt, teils arbeitsmarktbezogene Komponenten, hin- und hergeschoben werden. – Kürzungen an falscher Stelle! Es braucht eine klare Federführung zwischen verbindlichen Vereinbarungen der Ressorts. Es braucht Transparenz und Mindeststandards. Niemand verlangt eine Bürokratieorgie, aber eine schlanke und einheitliche Berichterstattung zu Kernindikatoren wie Besucherströme ist eine sinnvolle Form: Anzahl und Art der pädagogischen Formate, die Schul- und Kitakooperationen, die Personalausstattung, Tierhaltung, Sicherheits- und Hygieneanforderungen, das ist zumutbar. Ohne diese Basis bleibt jede Debatte über Wirksamkeit reine Behauptung, und genau das macht der Senat hier. Finanzierung muss verlässlich sein, aber nicht bedingungslos. Wer dauerhaft öffentliche Mittel erhält, muss seine Leistungen nachvollziehbar machen und zugleich Anreize haben, zusätzliches privates Engagement zu mobilisieren. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Meine Damen und Herren, Kinder- und Jugendfarmen, das passt gut zu Bremen, aber nicht zu einer Politik, die Verantwortung hinter Prozessen versteckt. Wenn Bremen ernsthaft will, dass junge Menschen Verantwortung lernen, dann muss die Politik bei sich selbst anfangen: Verantwortung für Steuerung, Verantwortung für Haushaltswahrheiten und Verantwortung für verlässliche Strukturen – alles andere sind gute Worte ohne Wirkung. – Danke! (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND)

Alle Reden von Andre Folkert Minne Protokoll (PDF) ↗