Ute Reimers-Bruns
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen, sehr geehrte Gäste! Schön, dass Sie sich so amüsieren bei diesem sehr, sehr ernsten Thema! Wir beschäftigen uns in dieser Debatte mit der falschen Befundung von Gewebeproben einer Pathologin am Klinikum Bremen-Mitte. Die Fehldiagnosen bei 34 betroffenen Frauen haben dazu geführt, dass nicht die passende Therapie, sondern eine viel stärkere, gravierendere Therapieform, eine Antikörpertherapie oder eine Chemotherapie gewählt wurde – eine Therapieform, die mit erheblichen Nebenwirkungen und nicht absehbaren möglichen Langzeitfolgen verbunden ist. Eine betroffene Patientin äußerte sich dazu: Die Therapie war sehr belastend und war für mich ein sehr großer Leidensweg. Es ist schrecklich und eine Katastrophe, dass die betroffenen Frauen aufgrund einer Fehldiagnose diesen Leidensweg gehen mussten und noch weiter gehen müssen. Ich möchte bereits an dieser Stelle den betroffenen Frauen versichern, dass die SPD-Fraktion ihnen viel Kraft für die Bewältigung dieser traumatischen Erfahrungen wünscht (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Das wird sie ungemein beruhigen!) und die Hoffnung hat, dass sie weiterhin für die Überwindung ihrer Krankheit kämpfen. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Für viele mag das vielleicht ein Einstieg sein, „ach, das habe ich ja hundertmal gehört“, aber ich finde, diese Debatte und das ganze Thema sind so ernst, und heute hat oftmals die Pflicht, dass die Abgeordneten viel eher hätten informiert werden müssen, einen viel höheren Stellenwert bekommen als das, worum es hier eigentlich geht: dass Menschen eine Gesundheitsgefährdung erfahren haben, obwohl sie ja gedacht hatten, dass ihnen diese Therapie hilft, ihre Krankheit zu überwinden. Das, finde ich nämlich, passt nicht zusammen. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Wie soll ein derartig großer Vertrauensverlust in die Medizin verarbeitet werden? Oder wie soll das verloren gegangene Vertrauen wiedererlangt werden? Zuerst einmal ist festzustellen, dass nach der Entdeckung der Fehldiagnosen sämtliche eingeleiteten Maßnahmen zum Abstellen der Fehldiagnosen und zur Aufklärung der betroffenen Frauen sofort und umfassend vonseiten der GeNo ergriffen wurden. Die für die Fehlbefundung verantwortliche Pathologin wurde von der Arbeit freigestellt, die Patientinnen in Einzelgesprächen mit ihren behandelnden Ärztinnen über die Fehlbefundung und die damit verbundene sogenannte Übertherapie – es wurde eben schon erklärt, das ist ein medizinisch feststehender Begriff – aufgeklärt und ihnen Unterstützung in vielfältiger Form angeboten. Ebenfalls wurden die nicht zum Klinikverbund gehörenden Krankenhäuser unmittelbar über die Fehldiagnosen unterrichtet, damit diese ihre betroffenen Patientinnen ebenfalls schnellstmöglich informieren konnten. Senatorin Bernhard hat unmittelbar, nachdem sie über die Fehldiagnosen in Kenntnis gesetzt worden ist, eine umfassende Aufklärung gefordert und sich über die Situation im KBM informiert. Sicher ist eine gewisse Zeit verstrichen von dem Feststellen der Fehldiagnosen, der Information der Senatorin. Dann, dass wir – die Wichtigsten ja überhaupt – nicht sofort auch gleich im Anschluss weiterhin informiert worden sind, sondern dass dazwischen der wichtigste Teil meiner Einschätzung nach, dass diese betroffenen Frauen und ihre Familien, die Ärztinnen, die Krankenhäuser, danach sofort informiert worden sind, das, fand ich, ist der richtige Weg. Nachgeordnet ist dann die Frage, wann wir informiert worden sind, (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Nein, die Frage ist nicht wann, sondern wie! Uns wurde nicht die Wahrheit gesagt!) denn an diesem Faktum ist nichts zu ändern. (Zuruf Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]) Sie sind nun mal wirklich übertherapiert worden. Falsch diagnostiziert wurde ihre Erkrankung, und auch die Therapie war falsch. Dann ist es sozusagen nachgeordnet, wann Abgeordnete darüber informiert werden. Das ist meine feste Überzeugung. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke – Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Darum geht es doch gar nicht!) Natürlich geht es darum! Sie wollen doch – –. (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Nein, es wurde nur informiert, als der Druck aus der Öffentlichkeit so hoch geworden ist! Und nur deswegen wurde auch erst die Aufsichtsrätin informiert! – Zuruf Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]) Ja, genau! Das ist Ihre Feststellung. Sie malen sich auch die Welt, wie sie Ihnen gefällt! (Zurufe) Ich male mir die Welt nicht, wie sie mir gefällt, sondern ich stelle fest, dass hier dann eine wirklich gute und inhaltliche Informationspolitik gelaufen ist, (Zurufe) dass wir als Abgeordnete auch einbezogen worden sind und dass dann auch alle anderen, die sich dazu bereit erklärt haben, mitzuarbeiten, informiert worden sind. Ich finde trotzdem – und meine Zeit läuft ja leider in dieser Form jetzt hier auch ab, da ist bestimmt wieder etwas manipuliert worden, wie Herr Bensch ja schon sagte –, dass die Wege, die jetzt beschritten worden sind, die richtigen sind, und ich denke auch nicht, dass es nur ein Versagen einer einzelnen Person ist, sondern dass es ein Konglomerat ist. Was ich nicht in Ordnung finde, ist, dass man einmal auf der einen Seite der Senatorin die Schuld zuschiebt oder auch nur der GeNo. Ich finde es wichtig, dass wir jetzt alle zusammen daran arbeiten, eine Lösung zu finden, und dass man hier in Bremen mittelfristig ein neues Pathologisches Institut bekommt, finde ich den richtigen Weg. Bis dahin werden wir uns über Kooperationen zu helfen wissen. (Glocke) Ich denke, wir sind da auf dem richtigen Weg, aber das Wichtigste ist jetzt überhaupt, dass die Patientinnen vernünftig versorgt werden, auch Beratung erhalten für möglicherweise anstehende Rechtsstreitigkeiten. Ja, das ist die SPD, und das ist genau richtig, wie die SPD ist: Wir bekennen uns nämlich auch zu einem kommunalen Klinikverbund, und hier schwingt immer wieder die Privatisierung mit hinein, und dagegen sind wir auf jeden Fall. – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)
