Olaf Bull
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Der Zeitpunkt für unsere Debatte könnte kaum besser sein. Die Sonne strahlt draußen, die Bremer strömen früh morgens bis abends in die Freibäder, das kühle Nass unserer Bäder schreibt Rekorde und das Kultbad Stadionbad feiert 100 Jahre. Die Antworten des Senats sind eine gute Basis für die Debatte über die Bäderlandschaft und über die dafür eingerichtete Gesellschaft. Aber die Antworten sind leider schon ein bisschen überholt. Lassen Sie mich gerne aus Sicht des Sportressorts die Lage und die anstehenden Schritte noch mal kurz skizzieren. Man kann es nicht häufig genug sagen: Wir haben heute zehn Bäder in Bremen: sechs Hallenbäder – Süd, Tenever, Huchting, Vegesack, Vitalbad, Unibad –, zwei Kombibäder – Horn, Sebaldsbrück – und zwei reine Freibäder – Blumenthal und Stadionbad. Die Nachfrage ist nicht nur in den Freibädern ungebrochen. Die Besuchszahlen in den Hallenbädern liegen aktuell rund 70 000 Besucher über dem Vorjahresniveau, zugleich ist es nicht überfüllt. Der Senat bewertet das aktuelle Angebot an Schwimmflächen in Bremen hanseatisch bescheiden als „ausreichend“. Ein Vergleich mit anderen deutschen Großstädten – Herr Tokmak hat ihn schon gezogen – zeigt jedoch, dass Bremen hinsichtlich der verfügbaren Wasserflächen sogar auf einem ähnlichen Niveau ist mit den prosperierenden Kommunen wie Düsseldorf, Leipzig, Nürnberg. Aber der Senat scheut sich auch nicht, den Sanierungsbedarf aufzuzeigen. Auch und gerade deshalb haben Aufsichtsrat und Interimsgeschäftsführer im Frühjahr 2024 dieses „Gutachten Bäderkonzept“ bei Professor Franke in Auftrag gegeben. Da gab es verschiedene Analyseteile. Zum einen die Zahlenerhebung im Vergleich mit den anderen Kommunen, das Standortkonzept, speziell auch zu Klima und Barrierefreiheit, wobei dann die Sanierungskosten mit einem hohen Millionenbetrag beziffert wurden. Wir haben auch eine Kundenbefragung durchführen lassen mit einem gemischten Ergebnis. Das Personal, die Beschäftigten wurden als sehr freundlich, zugewandt bewertet, aber der Zustand einiger Bäder ist nicht hervorragend. Es gab auch den Teil „Organisationsuntersuchung“. Dort wurden Defizite im Betrieb aufgezeigt. Insbesondere die Digitalisierung kann noch ausgebaut werden. Wir haben jetzt immerhin endlich die OnlineKursbuchung. Das Konzept gibt im Kern zwei strategische Empfehlungen, denen sich der Landesschwimmverband, der Landessportbund, der Senat und auch die Sportdeputation angeschlossen haben. Das ist zum Ersten der Nutzungsmix. Es bleibt dabei: 50 Prozent für Schulschwimmen – die Bedeutung des Schulschwimmens wurde hier schon hervorgehoben –, 20 Prozent für die Schwimmvereine und 20 Prozent für die Öffentlichkeit. Das heißt, wir machen keine Spaßbäder in Bremen. Wir konzentrieren uns auf Daseinsvorsorge. Holger Münch hat das mal „Simply swimming“ genannt. Zweiter wesentlicher Punkt aus dem Bäderkonzept ist die Strategie „Fokussieren hinsichtlich des Angebots“. Das bedeutet im Kern, dass wir die Bäderlandschaft sukzessive neu bauen. Das sind hohe Millionenbeträge, aber wir können das natürlich nicht Knall auf Fall tun. Jedes Bad, das angefasst wird, muss energetisch klug geplant werden und muss eben auch hinsichtlich der Flächen ein Stück weit verdichtet werden. Da sind wir beim Stichwort Wasserflächenmanagement. Die reine Größe der Wasserfläche ist nicht entscheidend, sondern wie effizient sie gestaltet und genutzt wird. Konkret heißt das: Planung multifunktionaler Bäder, Bedarfe gezielt abdecken, wir brauchen bessere Absprachen mit den Schwimmvereinen und dem Landeschwimmverband und die Stadtteilbäder, die sukzessive neu zu errichten sind, sollen sich an die Schulstandorte anschmiegen. Das schafft Synergien, die Bustransfers sind dann im Wesentlichen nicht mehr nötig. Welche konkreten Effekte stehen für die Wasserflächen nun an? Das ist einmal die Außerbetriebnahme des Unibads, die wurde erwähnt. Der Sportsenator hat das Bad vorübergehend gerettet. Ich glaube, dass eine Nachfolge des Sportsenators sich auch nicht mit der Wissenschaftssenatorin anlegen würde und das Bad noch weiter notbeatmen würde. Dieses Bad ist einfach abgängig. Dafür werden wir aber das multifunktionale Westbad, plus 1, in Betrieb nehmen, und ich rede eher von Anfang 2026 und nicht Ende 2026. Das hanseWasser Hallenbad steht zur Disposition, aber erst, wenn wir Ausweichflächen für Vereine und Schulschwimmen gefunden haben. Hier könnte minus 1 zu Buche schlagen. Dann, es wurde hervorgehoben, die Inbetriebnahme von Vegesack: Das Jahr dafür ist ungewiss, wir müssen die Planungen jetzt im Senat antreiben. Plus 1 steht hier in Aussicht. Vegesack ist das heißeste Eisen und wir müssen die Planung jetzt im Senat vorantreiben. Das alles steht auch im Zusammenhang mit dem Antrag der FDP, denn wir wechseln die Kubatur, die Planung auf dem Grundstück, Maike Schaefer hat es herausgearbeitet: Wir wollen das Bad so bauen, dass temporär gar keine Kompensation von Flächen erforderlich ist. Das Schulschwimmen soll immer dort stattfinden können. Vegesack steht im Norden aber nicht zusammenhanglos. Wir haben nächste Woche eine Runde mit dem Bremen-Nord-Beauftragten des Senats, dem Ortsamtsleiter und den Beiratssprechern. Wir müssen da regional denken, für den Norden. Das Freibad Blumenthal steht mit im Zusammenhang und eben auch die privat vorangetriebene Fliegerhalle. (Glocke) Ein kleiner Miniblick in die Geschäftsführung: Wir müssen natürlich Eigenleistungen vorantreiben. Die Geschäftsführung will genauer auf die Personalkosten gucken. Ich muss mit dem Kollegen vom Bildungsressort über die Vollkostenrechnung für das Schulschwimmen intensiv debattieren. Im Ergebnis ist uns allen klar: Es ist viel zu tun. Wir können das auch gerne wieder debattieren. Wir müssen uns nicht verstecken mit der Fläche, die wir haben für Wasser und für Sport und Schwimmenlernen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)
