Andre Folkert Minne
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Besucher, werte Kollegen! Es hat den Anschein, als wenn bei den Bremer Schwimmbädern nach dem Motto „auf gut Glück“ gehandelt wird. Die Situation und der Sanierungsbedarf sind bekannt. Es wird auch nach und nach angegangen. Aber die strategische Ausrichtung sieht so aus, dass im Falle aufkommender Probleme in einem Bad, die zu einer Schließung führen könnten, das ganze Konzept nicht aufrechterhalten werden kann. Es darf also kein Bad ausfallen. Welch ein Konzept! Der Bremer Schwimmverband beklagt bereits fehlende Wasserzeiten, 20 Vereine sind laut Landesschwimmverband von Montag bis Freitag betroffen. Der Unmut ist groß, doch die Bremer Regierungskoalition tut: nichts. Allgemein muss darauf hingewiesen werden, dass Bremen früher mal ein Austragungsort wichtiger sportlicher Wettbewerbe im Schwimmen war – eine Hochburg gar in diesem Sport. Davon ist nichts übriggeblieben, (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) bis vielleicht auf die Erwähnung, dass der für Magdeburg startende Florian Wellbrock, ein absoluter Spitzenschwimmer, ein gebürtiger Bremer ist. Besonders blamabel war es im Jahr 2023. Da waren es gleich zwei sportliche Ereignisse, die abgebrochen werden mussten. Bremen war europaweit blamiert. Letztmals sind ein erfolgreiches Event die deutschen Schwimmmeisterschaften 2017 gewesen. Auch der Schulsport leidet unter der Situation der Bremer Bäder. Derzeit werden nur acht Bäder in Bremen für den Schwimmunterricht genutzt. Man muss darauf hinweisen, das Schwimmen ein Sport ist, der verbindet. Er ist gesellschaftlich wichtig. Nicht nur ältere Menschen wollen sich durch Schwimmen bewegen. Die sportliche Betätigung im Wasser fällt vielen leichter als zum Beispiel Laufen oder Fahrradfahren. Wenn viele Bäder geschlossen werden oder sanierungsbedürftig sind, dann leidet der ganz normale Bürger. Der Sanierungsbedarf ist hoch, das Risiko eines Ausfalls logischerweise nicht gerade gering. Wenn man das Alter der Bremer Bäder bedenkt, kein Wunder. Gut aufgestellt ist dagegen der Bremer Osten. Wir schauen mal auf das Westbad. Dort ist das einzige in diesem Bereich, in unserer Stadt, das noch nicht wieder in Betrieb ist. Bricht diese Region weg, leidet auch der Schulsport. Vielleicht sollten wir die Schwimmbäder von Hotels und Sportstätten für die Schulen heranziehen. Für erste Schwimmübungen ist das sicherlich relativ einfach möglich. Über Mieten wird man sich bestimmt einig. Ich habe selber schon in den Siebzigerjahren im Hotel „Zur Post“ das Schwimmen gelernt. Allgemein ist klar festzustellen: Es fehlt Personal, es ist aber nicht zu erkennen, was vonseiten der Bädergesellschaft unternommen wird, um diesen Zustand zu beenden. Ohne Personal kann ein Bad nicht betrieben werden. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Die Empfehlung lautet, dass nicht nur Personal gesucht werden muss. Es muss auch was getan werden, um die Auslastung einzelner Bäder zu erhöhen. Kommen wir zu den Schwimmcontainern. Dafür spricht: Schwimmcontainer sind eine Option, damit wieder mehr Kinder Schwimmen lernen und sich überhaupt an das Element Wasser gewöhnen können. Gerade die maroden Bremer Bäder sorgen bezüglich des Schwimmunterrichts für Einschränkungen, lassen sich diese doch durch die mobilen Schwimmcontainer leicht umgehen. Sie sind nicht zum Spaß gedacht wie eine Welle in der Martinistraße. Aber es spricht auch etwas dagegen. Es gibt möglicherweise Gründe, warum bisher nur Nordrhein-Westfalen auf diese Möglichkeit zurückgegriffen hat. Rheinland-Pfalz hat es ganz abgelehnt, weil es zwar zur Wassergewöhnung der Kinder hilfreich ist, aber keinen richtigen Schwimmunterricht ersetzen kann – Herr Humpich hatte es, glaube ich, auch schon erwähnt –, und natürlich mit zusätzlichen Kosten – –. Mobile Schwimmcontainer werden also keine Bäder ersetzen. Ja, punktuell und zeitlich begrenzt kann es sein, dass sinnvoll ist, solche Container aufzustellen. Es darf aber kein Grund sein, die maroden Bäder nicht wieder auf die Beine zu stellen. Es ist wichtig, dass ein geregeltes Schwimmenlernen im Schulunterricht zu gewährleisten ist. Wir haben genug von den Horrormeldungen von ertrunkenen Kindern in unseren Badeseen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND)
