Maike Frese
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Erst einmal freue ich mich, dass das Thema des Antrags fraktionsübergreifend inhaltlich eine so breite Zustimmung findet. Das Handwerk ist das Rückgrat unserer Wirtschaft, wir haben in Bremen mit knapp 5 500 Betrieben und rund 23 000 Beschäftigten im Land und einem Jahresumsatz von rund 3,2 Milliarden Euro eine ganz, ganz wichtige Stütze innerhalb der Wirtschaft. Das Handwerk schafft qualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze und ist auch für Verbraucherinnen und Verbraucher ein verlässlicher Partner. Die Mehrzahl der Menschen möchte natürlich seine Handwerker am liebsten direkt um die Ecke haben, um einerseits Probleme schnell lösen zu können, und oftmals sind diese Handwerksbetriebe traditionell auch Vertrauensbetriebe oder Vertrauenspersonen. Das Handwerk übernimmt auch eine wichtige Aufgabe, ganz aktuell beim Gelingen der sozialökologischen Transformation. Wir brauchen Fachfrauen und -männer, um energetisch zu sanieren, Solaranlagen auf das Dach zu bekommen, Wärmepumpen an das und ins Haus zu bringen. Gleichzeitig geht es aber auch – und das ist schon mehrfach angesprochen worden – um eine stadtentwicklungspolitische Komponente. Wir brauchen lebendige Stadtteile mit einer Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungen, Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Reine Schlafstadtteile, wie wir sie früher zu anderen Zeiten entwickelt haben, sind heute eigentlich nicht mehr wünschenswert und in einem urbanen Umfeld auch nicht richtig. Die Stadt der kurzen Wege wurde angesprochen: schnell und direkt von den Anbietern von Waren und Dienstleistungen hin zum Kunden! Unser Ziel ist es auch da, das Handwerk in seiner Vielfältigkeit und Leistungsbereitschaft in Bremen zu erhalten und zu fördern und dort, wo möglich, auch wohnortnah anzusiedeln. Klar ist – und das haben wir an dieser Stelle schon häufig diskutiert, das wurde ja eben auch noch einmal genannt –: In einem Stadtstaat sind Flächen endlich. Gleichzeitig treffen wir auf eine hohe Nachfrage für kleinteilige Gewerbeflächen, gerade im innerstädtischen Bereich. Unser Haus ist zu diesem Thema schon seit vielen Jahren im intensiven Austausch, unter anderem mit der Handwerkskammer, aber auch der Kreishandwerkerschaft und natürlich mit der WFB. Das Strategiepapier „Roter Teppich für goldenen Boden“ ist vor sieben Jahren entstanden, das ist hier auch schon mehrfach erwähnt worden. Ich möchte darauf hinweisen, dass wir auch mittlerweile eine Handwerkslotsin als zentrale Ansprechpartnerin für die Zielgruppe aus dem Bereich der Handwerkerschaft bei der WFB etabliert haben. Es konnten außerdem 16 Grundstücke an Handwerksbetriebe und handwerksnahe Unternehmen veräußert werden, zusätzlich wurden mit unserer Unterstützung fünf Grundstücke an Investoren veräußert, die dort Gewerbehöfe entwickeln. Wir gehen davon aus, dass circa 100 Einheiten errichtet und damit Platz für 75 Gewerbebetriebe geschaffen werden können. Daraus ergeben sich insgesamt rund 6,8 Hektar gewerbliche Fläche für kleinteiliges Gewerbe und Handwerk, und das sind rund 21 Millionen Euro an Investitionen, die damit angestoßen werden. Es passiert also etwas, und unsere Hausaufgaben machen wir. Mit der Handlungsstrategie zu den neuen Orten der produktiven Stadt werden die Flächenbedarfe für das Handwerk auch immer mitgedacht. Die Transformation von ungenutzten Flächen hin zu einer Mischnutzung bietet die Chance auf eine lebenswerte und auch attraktive Stadt für das Handwerk und die Kunden. Im Gewerbegebiet Reedeich haben wir beispielsweise einen Gewerbe- und Handwerkerhof mit circa 5 500 Quadratmetern, und darüber hinaus sehen wir noch 11 bis 15 Flächen für kleinteiliges Gewerbe und Handwerk vor; ebenso in Nußhorn, das wurde auch schon erwähnt, da sind wir im Bauleitverfahren für kleinteilige Erschließung der insgesamt 2,5 Hektar großen Fläche, und auch hier prüfen wir die Ansiedlung eines Handwerkerhofs. Das Gleiche im Kämmereiquartier, wo wir gerade eine Potenzialanalyse für einen Handwerkerhof erstellen: Da ist unsere Idee, dass wir kleinere Einheiten mit modularen Räumlichkeiten zur Miete anbieten. Allerdings muss man hier auch sagen, und das fiel auch schon: Handwerker wollen häufig Eigentum. Ein Punkt, der uns wie auch den Antragstellenden sehr am Herzen liegt, sind die sogenannten Gewerbeschutzgebiete. Vor dem Hintergrund, dass wir uns gemeinsam in Richtung einer Flächenkreislaufwirtschaft aufgemacht haben, ist es umso wichtiger, kleine Gewerbeinseln zu schützen und auch als Gewerbeflächen nutzbar zu machen. Dieser Prozess ist in der Konkretisierung allerdings oftmals sehr kleinteilig und aufwendig und erfordert an vielen Stellen die zwingende Einbindung der Stadtteilpolitik, und natürlich wollen wir hier auch vernünftige Partizipationsprozesse. Wir freuen uns daher, dass der Antrag der Koalition hier eine eindeutige Haltung zum Schutz von Gewerbeinseln zeigt, aber wir wissen auch, dass es konkret in der Auseinandersetzung oft ein bisschen schwierig wird, denn dann geht es darum, geteilte Anliegen auch gegeneinander abzuwägen. Wir haben natürlich nicht nur störende Handwerksbetriebe, sondern vielfach sind es auch Betriebe, die einfach eine Lagerfläche brauchen, die dort ihr Büro haben als Ansprechpartner für die Nachbarschaft; aber gleichwohl ist dieser Prozess nicht ganz einfach. Klar ist auch, dass wir uns für diesen umfangreichen Prozess hin zu einem Handlungskonzept für Gewerbeschutzgebiete externe Unterstützung holen wollen und auch müssen. Dazu stimmen wir ressortseitig gerade einen ersten Gliederungsentwurf ab und bereiten eine Leistungsbeschreibung vor. (Glocke) Ich komme gleich zum Schluss! Uns alle eint das Ziel, das Handwerk in Bremen zu stärken und eine multifunktionale Stadt der kurzen Wege weiterhin möglich zu machen und dem Handwerk in Bremen gute Zukunftschancen und Umsätze zu bescheren. Deshalb freuen wir uns als Ressort über diesen Antrag. – Ich bedanke mich! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)
