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Dr. Henrike Müller

GRÜNE 25.02.2025 Sitzungen 21/22

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste! Wir kommen zu dem Thema, das auch für Bremen-Nord relevant ist, aber nicht nur, sondern für das ganze Land Bremen und für alle Quartiere. Wenn wir uns im Stadtbild der Stadt Bremen, Bremen-Nord oder Bremerhaven so umtun, dann fällt auf, dass wir in vielen Quartieren nicht mehr nur keine Post haben, keine Bank haben, keinen Nahversorger, keinen Gemüseladen – vielleicht manchmal noch einen Friseur, im Zweifel einen Handyladen oder einen Kiosk. Dann fällt zusätzlich auf, dass wir eben auch keinen Schneider, keinen Schuster, keinen Polsterer, keinen Maler und Lackierer, keinen Elektriker vor Ort haben, sondern nicht nur die Handwerker selbst sehr viel Strecke in der Stadt zurücklegen müssen, um beim Kunden/bei der Kundin zu landen, sondern auch wir als Kundinnen und Kunden sehr viel Strecke zurücklegen müssen, wenn wir auch nur einmal eine Frage haben – jetzt noch gar keinen Auftrag vergeben wollen, sondern den Maler und Lackierer einfach einmal um Hilfe bitten wollen. Diese langen Strecken in Bremen machen also sowohl für die Betriebe wirklich Schwierigkeiten, auch wirtschaftliche Schwierigkeiten, als auch für die Kundinnen und Kunden in den Quartieren, und das, obwohl in sehr vielen Quartieren in Bremen die ursprüngliche Nähe zwischen Wohnen und Handwerk noch zu spüren und zu sehen ist, weil es eben ursprünglich doch auch eine gute Idee war, das Handwerk und die Bewohnerinnen und Bewohner, also die Kundinnen und Kunden, nah beieinander zu platzieren. Manchmal sieht man es noch, wenn so verschwommen über Ladenlokalen „Maler und Lackierer“ oder „Polsterer“ steht. Das Bremer Handwerk mit seinen zahlreichen Betrieben ist ein entscheidender Faktor in der Bremer Wirtschaft, darüber haben wir hier schon sehr viele gute und wichtige Debatten geführt. Wir haben aber auch sehr viele Debatten darüber geführt, dass das Handwerk per se vor sehr vielen Herausforderungen steht, und eine der vielen Herausforderungen ist die begrenzte Verfügbarkeit von Flächen, vor allem von innenstadtnahen/stadtnahen Flächen. Es ist für die Handwerksbetriebe aber von entscheidender Bedeutung, attraktive Standorte in zentraler Lage zu finden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Besonders in einer Stadt wie Bremen ist die Nachfrage nach Gewerbeflächen in stadtnahen Gebieten zu bezahlbaren Preisen sehr hoch, und wir wollen nicht, dass Handwerks- und Produktionsbetriebe in die umliegenden Regionen ausweichen müssen. Als wesentliche Handlungsfelder für das Handwerk hat das Wirtschaftsressort deswegen schon im Jahr 2018 in einem Strategiepapier wichtige Punkte für die Standortsicherung und vor allem für die Standortentwicklung identifiziert. Das Ressort hat Flächenpotenziale gefunden für die Ansiedlung von kleinteiligem Gewerbe und Handwerksbetrieben. Die Strategie hat zum Ziel, bezahlbare Standorte im dicht besiedelten – also nicht irgendwo am Stadtrand, sondern im dicht besiedelten – Stadtgebiet zu schaffen, den Druck auf die Betriebe zu mindern und die lokale Versorgung mit Handwerksleistungen zu verbessern. Die Gebietskategorie „urbane Gebiete“ gewährleistet dabei, dass eine Nutzungsmischung zwischen Wohnen und Gewerbe, was sehr viele Jahrzehnte nicht mehr gewollt war, jetzt aber wieder möglich ist, und in diesem Sinne ist bereits viel geschehen. Wir glauben aber, da geht mehr. Was wir immer noch beobachten, leider beobachten, ist, dass in ehemals von Handwerksbetrieben geprägten Quartieren ein massiv hoher Leerstand zu verzeichnen ist, es aber gleichzeitig für Betriebe schwer ist, neue Standorte zu finden. Wir glauben, das ist jetzt keine Quadratur des Kreises, das aufzulösen, den Leerstand zu beheben und Betrieben eine Möglichkeit zu geben, neue Standorte wieder in den alten Quartieren zu finden, und deswegen glauben wir, dass es ein Koordinierungsangebot braucht, um diesen Leerstand an den Betrieb zu bringen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke – Präsidentin Antje Grotheer übernimmt den Vorsitz.) Wir wollen deshalb zum Beispiel mit denjenigen vor Ort, die am besten wissen, wo der Leerstand ist, nämlich mit den Beiräten, prüfen, wo geeignete Flächen und Orte für die Schaffung weiterer Handwerkerhöfe und Gewerbeeinheiten vorhanden sind, und wir wollen vor allem, weil wir glauben, dass das eine echte Hilfe sein kann, ein Leerstandskataster für kleine Gewerbeeinheiten in den Quartieren prüfen – erst einmal, um Transparenz zu schaffen und dann, um auch den Zugriff für geeignete Standorte zu gewährleisten. Hierfür, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, bitte ich um Ihre Unterstützung. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke)

Alle Reden von Dr. Henrike Müller Protokoll (PDF) ↗