Derik Eicke
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste! Die jüngsten Starkregenereignisse in Bremen, aber auch aktuell in Bayern, Sachsen und in Teilen Mittel- und Osteuropas führen uns sehr deutlich vor Augen, wie verletzlich unsere Städte, unsere Dörfer und unsere Infrastruktur gegenüber extremen Wetterlagen sind: Keller stehen unter Wasser, Straßen sind überflutet, Infrastruktur ist nicht nutzbar, wird beschädigt oder sogar zerstört. Viele Bürgerinnen und Bürger haben mit erheblichen Schäden zu kämpfen und bangen um ihre Existenz und, wie wir leider ja auch in den Nachrichten sehen müssen, auch um ihr Leben. Um es deutlich zu sagen: Diese Ereignisse sind kein Zufall. Der Klimawandel zeigt sich bei uns auch immer stärker, und daraus lässt sich auch die Verantwortung für uns Abgeordnete ableiten, dass wir uns diesen Herausforderungen entschlossen entgegenstellen. Wir leben in einer Zeit mit großen Herausforderungen, und eine davon ist der Klimawandel mit auf der einen Seite, wie eben schon beschrieben, dem Starkregen, den Überschwemmungen und dem Hochwasser und auf der anderen Seite mit den Hitzeperioden und der Dürre. Wir haben also das Problem, dass wir einerseits entweder viel zu viel Wasser in der Stadt haben, oder wir haben zu wenig Wasser. Diese einschneidenden Veränderungen beeinflussen uns bereits jetzt in Bremen, und man muss es ganz deutlich sagen: Es wird ja nicht besser mit dem Klimawandel. Es wird zukünftig darum gehen, dass wir in Teilen unserer Stadt noch gut leben können. In Bremen ist uns das Thema Wasser nicht neu: In den letzten Jahren vielen Stellen mit dem sensiblen Umgang mit Wasser befasst. So finden sich zum Beispiel in Bremer Standards Regelungen zum Wassermanagement oder zur Begrünung von Dächern, und auch in Bauleitplänen spielt der Umgang mit Niederschlagswasser eine große Rolle. Auch – das können wir ja sehen – in neu gestalteten Quartieren wie dem Ellener Hof finden sich schon praktische Umsetzungen solcher Maßnahmen. Speziell, und es wurde gerade eben schon angesprochen, im Bereich des Starkregens gibt es eine digitale Vorsorgeplattform der Behörde mit detaillierten Karten, Detailauskünften, für jedes Grundstück und auch für das eigene eine kostenlose Beratung vor Ort, um das Haus zu schützen. Es gibt bei der Bremer Aufbau-Bank das Förderprogramm „Wasser nach Plan“. Hier werden Maßnahmen gefördert, wenn ich als Eigentümer zum Beispiel den Schutz vor Kanalrückstau oder eine Sanierung der privaten Abwasserleitung und den Schutz vor Oberflächenwasser machen möchte. Um all diese Anstrengungen des Senats fortzuschreiben und zu verstärken, sammelt richtige und wichtige ergriffene Maßnahmen und verdeutlicht das Ziel, dass die Schwammstadt ein zentrales Leitbild der Stadtentwicklung und Stadtplanung werden muss. Eine Schwammstadt ist dabei viel mehr als ein Konzept eines städtischen Designs, sondern sie ist die Antwort auf die großen Herausforderungen des Klimawandels. Stellen wir uns gemeinsam Bremen vor: Ja, Bremen ist eine Stadt, die auf die Herausforderungen reagieren kann, ohne ausgeliefert zu sein. Eine Schwammstadt tut genau das: Sie ist darauf ausgelegt, Regenwasser effektiv zu managen, indem sie Regenwasser aufnimmt, speichert und wiederverwendet, und dies führt zu einer ganzen Reihe von Vorteilen: Erstens verbessert die Schwammstadt das städtische Mikroklima. Durch die Integration von Grünflächen und auch Wasserflächen kühlt sich die Temperatur der Stadt herunter, grüne Dächer und Fassaden tragen zur Kühlung bei und erhöhen damit die Lebensqualität der Bremerinnen und Bremer. Ein zweiter großer Vorteil ist die erhebliche Reduzierung der Hochwassergefahr. Normalerweise wird Regenwasser immer sofort abgeleitet in die Kanalisation, was bei starken Regenfällen aber zu einer Überlastung des Systems führt, Überschwemmungen, und teilweise kommt es dann auch zur Einleitung von ungeklärtem Abwasser in das Oberflächenwasser. Eine Schwammstadt hingegen nimmt dieses Wasser auf, speichert es und gibt es langsam wieder ab. Das mindert die Gefahr der Überschwemmungen erheblich. Darüber hinaus fördert die Schwammstadt drittens die Wassereffizienz. Gesammeltes Regenwasser kann für verschiedene Zwecke genutzt werden, zum Beispiel zur Bewässerung der Grünflächen oder auch als Industrie- und Produktionswasser. Dies ist wichtig, denn es schont unsere wichtigen Trinkwasserressourcen. Viertens fördert die Schwammstadt die Biodiversität. Durch die Schaffung von natürlichen Lebensräumen mitten in der Stadt bieten wir Pflanzen und Tieren weiteren Lebensraum, und die Biodiversität kann sich entwickeln. Schließlich, was sehr wichtig ist, fördert eine Schwammstadt das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bremerinnen und Bremer, einerseits durch die angesprochene Abkühlung der Stadt, und andererseits bieten natürlich mehr Grünflächen, entsiegelte Bereiche und Wasserflächen die Möglichkeit für Freizeit und Erholung im Freien. Bei all diesen aufgezählten Aspekten und Vorteilen ist es für uns als SPD besonders wichtig, dass neue Grünbereiche in den besonders stark versiegelten, eng bebauten und vom Klimawandel betroffenen Quartieren entstehen. Hier ist die Bedrohung für die Menschen am größten, und hier müssen wir am schnellsten handeln. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, lassen Sie mich noch einmal einen letzten Gedanken zu den Starkregenereignissen der letzten Wochen, aber auch der letzten Tage sagen, der mich stark beschäftigt: Die starken Regenfälle im Herbst/Winter 2023 waren ja nicht nur lokale Starkregenphänomene in Bremen und Niedersachsen, sondern sie addierten sich auf zu einer großen bedrohlichen Hochwassergefahr an unseren Bremer Deichen. Die Deiche haben gehalten dank der Hilfe vieler Helferinnen und Helfer, denen ich hier auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich danken möchte. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Hochwasserschutz ist Schutz für Leib und Leben und hat für uns als SPD oberste Priorität, und die Schwammstadt ist dafür ein wichtiger Baustein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, zusammengefasst ist die Schwammstadt ein umfassendes Konzept, das ökologische, ökonomische und soziale Vorteile vereint. Sie bietet eine zukunftsfähige Lösung für viele der Klimaherausforderungen, vor denen Bremen steht. Ich bitte Sie daher um Zustimmung zu unserem Antrag. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)
