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Antje Grotheer

17.09.2024 Sitzungen 21/17

Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Cord Degenhard. Abgeordneter Cord Degenhard (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Es gibt – durchaus lobenswert für Bremen! – eine Starkregenkarte sowie ein Starkregen-Vorsorgeportal mit dem Angebot einer Analyse und Beratung für Hausbesitzer. Man ist sich des Problems durchaus bewusst, keine Frage, doch wenn der Starkregen, wie zuletzt am 4. September, zuschlägt, ist das alles nur noch Papier, und das ist bekanntlich geduldig. 450 Feuerwehreinsätze und 60 Liter Regen pro Quadratmeter sprechen eine beredte Sprache und führen uns vor Augen, dass größere konzeptionelle Lösungen erforderlich sind. (Beifall Bündnis Deutschland) Am Horizont einer umfassenden „Was ist zu tun?“-Fragestellung erscheint geradezu unübersehbar das Bild einer Schwammstadt. Eine Schwammstadt ist ein innovatives Konzept in der modernen Stadtplanung, das darauf abzielt, urbanen Lebensraum widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen, insbesondere gegen starke Regenfälle und Überschwemmungen. Grundlage hierfür ist eine sogenannte blau-grüne Infrastruktur. Blaue Infrastruktur hat zum Ziel, Regenwasser zurückzuhalten, statt abzuleiten. So kann es verdunsten und dadurch die Umgebung kühlen oder langsam versickern, Pflanzen wässern und zur Grundwasserneubildung beitragen. Es wird Wasser gespeichert oder versickert, sodass – und das ist das Wesentliche – bestehende Gewässer und Kanäle nicht zusätzlich belastet und im besten Fall sogar entlastet werden. Grüne Infrastruktur nutzt die Potenziale von Dach- und Fassadengrün, stärkt mit strukturreichen Lebensräumen die Artenvielfalt auch innerorts und ermöglicht, multifunktionale Freiflächen zu gestalten und Frischluftschneisen wirksam zu halten. (Vizepräsidentin Sahhanim Görgü-Philipp übernimmt den Vorsitz.) Die Gestaltung vom blau-grüner Infrastruktur ist somit nicht nur eine aktive Klimaanpassung, sondern stärkt gleichzeitig die Lebens- und Aufenthaltsqualität vor Ort durch attraktive Grün- und Wasserräume sowie die Biodiversität. Der hier vorliegende Antrag der Koalitionsfraktionen stellt für Bremen die Weichen für den Weg zu einer solchen Schwammstadt. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass es sich bei dieser Idee der Schwammstadt um einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel handelt, und der Weg dahin wird kein leichter sein. Über einige Dinge, die den Weg dahin durchaus steinig machen können, sollten wir uns durchaus im Klaren sein: Erstens, die Umsetzung der umfangreichen Maßnahmen wird erhebliche Kosten verursachen. Es besteht das Risiko, dass Fördermittel nicht ausreichen, um alle geplanten, erforderlichen oder gewünschten Projekte abzudecken. Zweitens, die umfassende Planung und Umsetzung der Maßnahmen erfordert einen immensen organisatorischen und bürokratischen Aufwand und eine enge Abstimmung zwischen verschiedenen städtischen Akteuren, was die Prozesse verlangsamen könnte. Drittens, Veränderungen im städtischen Umfeld, insbesondere bei Bau- und Umbauvorhaben, könnten auf Widerstand stoßen, insbesondere, wenn sie mit Einschränkungen oder Unannehmlichkeiten für die Anwohner verbunden sind, und viertens, die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen, insbesondere der Pilotprojekte, könnte erst nach vielen Jahren sichtbar werden, was es schwierig macht, den unmittelbaren Nutzen der Investitionen in Bremerhaven und Bremen zu vermitteln und zu bewerten. Dennoch: Die Umstrukturierung zu einer blau-grünen städtischen Infrastruktur ist weitgehend alternativlos. Der Antrag der Koalition ist richtig und wichtig. Wir stimmen ihm zu. – Ich danke Ihnen! (Beifall Bündnis Deutschland)

Alle Reden von Antje Grotheer Protokoll (PDF) ↗