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Sascha Karolin Aulepp

17.09.2024 Sitzungen 21/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben gerade wieder eine Debatte gehört, die in Teilen unter dem Motto „und im Übrigen muss Karthago zerstört werden“ geführt wurde, deswegen würde ich gern noch einmal zum aktuellen Anlass zurückkommen! Ja, in der Schule an der Borchshöhe ist in den Sommerferien ein Wasserschaden aufgetreten, und ja, solche Situationen – Wasserschäden, wir haben es gehört, Starkregenereignisse – werden uns, fürchte ich, häufiger ereilen, sind aber glücklicherweise, wie auch Brände, die auch ab und zu an Schulgebäuden auftreten, selten, aber es sind immer schlimme Situationen, die sich auf die Beschulung in diesen Räumen auswirken. Mal geht es einfacher, das zu beheben, mal wird es schwieriger, und im konkreten Fall reden wir leider über einen schwierigeren Fall, weil die konkrete Unbenutzbarkeit des Erdgeschosses und die Unsicherheit, ob man denn eigentlich dieses Gebäude noch betreten kann oder nicht und ob da möglicherweise insgesamt eine Gesundheitsgefahr besteht, dazu geführt hat, dass nach den Sommerferien nicht wie geplant gestartet werden konnte. Dass das für die Schüler:innen, für die Kolleginnen und Kollegen und auch für die Familien der Schüler:innen große Schwierigkeiten mit sich gebracht hat, ist hier schon deutlich geworden, und ich finde es nicht unbotmäßig, dass die dafür zuständige Senatorin, auch, wenn es ein Wasserschaden ist, den ich nicht verursacht habe, an dieser Stelle um Entschuldigung bittet, aber es scheint, das wird in diesem Haus auch anders gesehen. Ich finde das angemessen und menschlich. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Den Vorwurf der Planlosigkeit möchte ich hier aber insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen an der betroffenen Schule und an den Schulen, die da mit aller Kraft geholfen haben, und auch für die Kolleginnen und Kollegen in meinem Ressort entschieden zurückweisen! Ich kann verstehen, dass man sich von Fakten eine schöne Geschichte so ungern kaputt machen lässt, aber an dieser Stelle muss ich doch deutlich sagen, wir haben jetzt in dieser Situation sechs Wochen nach Start des Schuljahres den Unterrichtsbetrieb nach Stundentafel wieder aufgenommen. Ja, sechs Wochen sind lang, insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die auf einen Abschluss hinarbeiten, aber wir haben es geschafft, und es ist eben auch dem planvollen Handeln und dem Nachdruck der Kolleginnen und Kollegen und insbesondere auch der Kolleginnen und Kollegen an den Schulen zu verdanken, dass wir da jetzt seit gestern wieder eine vernünftige Lösung haben, wo die Schülerinnen und Schüler Unterricht bekommen. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Ja, auch bis zur Oberschule Blumenthal ist es ein ordentliches Stück Weg, den man zurücklegen muss, in Bremen ist eine halbe Stunde Schulweg mit dem ÖPNV unüblich, das stimmt. Das ist zu bewältigen, das kann ich aus eigener Erfahrung der Beschulung ab der fünften Klasse – also praktisch genau dasselbe in Kassel – sagen. Da musste ich auch eine halbe Stunde mit dem Bus fahren, aber natürlich ist das nicht das, was wir anstreben. Deswegen ist es gut und richtig, dass wir mit Nachdruck an dem Umzug in das eigentliche Schulgebäude arbeiten und hoffen, dass wir das nach den Herbstferien so hinbekommen, dass dort auch wieder die Beschulung insgesamt stattfinden kann. Trotzdem mir und meiner Behörde aber natürlich bewusst, dass das eine enorme Belastung für die Kollegien, für die Eltern und insbesondere auch für die betroffenen Schülerinnen und Schüler bedeutet hat, und auch an dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich nicht nur beim Kollegium der Oberschule Borchshöhe, sondern auch beim Kollegium der Oberschule Blumenthal bedanken, die das möglich gemacht haben. Die hoch engagierte Schulleitung – und auch die Oberschule Blumenthal ist ja gerade neu gestartet – steht vor riesigen Herausforderungen, und da möchte ich stellvertretend für das Kollegium auch Herrn Leykauf, dem dortigen Schulleiter, einen herzlichen Dank aussprechen. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Ja, dass zunächst das Zwei-Schicht-Modell realisiert werden musste, weil die Räume nicht ausgereicht haben, das war die bestmögliche Lösung, aber es war keine gute Lösung, und deswegen ist es ja logischerweise auch keine Lösung auf Dauer, wie man jetzt Sie: Sechs Wochen, und seitdem ist es kein Zwei-Schicht-Modell mehr. Deswegen ist es auch richtig und gut, dass die Schule mit Unterstützung meiner Behörde daran arbeitet, wie der verpasste Unterrichtsstoff konzeptionell aufgeholt werden kann, und das natürlich insbesondere für die Schülerinnen und Schüler, die am Ende dieses Schuljahres, also im nächsten Sommer, einen Abschluss machen. Ich weiß aber – und das haben auch die Coronajahre gezeigt –, dass den Kolleginnen und Kollegen in den Bremer Schulen der Abschluss und das gute Abschneiden ihrer Schülerinnen und Schüler am Herzen liegt und dass sie da richtig viel investieren und auch in dieser Zeit des Zwei-SchichtModells zusätzliche Angebote gemacht haben, mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt standen und sie da unterstützt haben. Deswegen: Ja, Frau Hornhues, diese Unterstützung wird es geben, da werden wir gemeinsam mit der Schule daran arbeiten, damit diese Schülerinnen und Schüler den bestmöglichen Abschluss machen. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Vielleicht ein Wort noch zu der Frage, in welchen Räumen wird denn jetzt eigentlich beschult: Das ist die Oberschule Blumenthal, das habe ich schon erwähnt, aber auch an der Oberschule Lerchenstraße. Auch hier ein herzlicher Dank an das Kollegium, an die Schulleitung Frau AddicksFitschen hier stellvertretend für alle der Dank, dass das möglich gemacht werden konnte! Zu sagen, warum konnten die Schülerinnen und Schüler nicht einfach in der Strandlust beschult werden: Es ist eben etwas anderes, ob man ein stillgelegtes Veranstaltungszentrum hat oder 270 Schülerinnen und Schüler beschulen will. Das hat etwas mit Brandschutz zu tun, das hat etwas mit Rettungswegen zu tun, und da muss man einfach eine Lösung finden, die den Kindern adäquat ist. (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: So etwas gab es in der Strandlust natürlich nicht!) In der Strandlust sind nicht 270 Schülerinnen und Schüler beschult worden, so einfach ist das! Das ist einfach ein Unterschied. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE – Zuruf Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]) Das kann man jetzt ignorieren, aber man kann auch zur Kenntnis nehmen, dass es einfach nicht funktioniert hätte! (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Sie haben es doch gar nicht geprüft! – Zurufe) Natürlich haben wir das geprüft! Das war genau die Frage. Natürlich haben wir das geprüft. Wir haben uns Räumlichkeiten angesehen, und Sie können sicher sein, wenn uns Eltern, wenn uns Kollegien, wenn uns Lehrkräfte und auch, wenn uns Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft sagen, könnt ihr nicht vielleicht diese Lösung in Betracht ziehen, dass wir das in Betracht ziehen, weil wir jede gute Lösung prüfen, und wenn sie tatsächlich umsetzbar ist, dann setzen wir sie auch um. Ich würde gern am Ende der Debatte auch noch einmal ein bisschen grundsätzlicher werden: Erstens ist auch in der Debatte schon deutlich geworden, Wenn wir stetig steigende und rasant steigende Zahlen von Schüler:innen haben, dann sind die räumlichen Qualitäten zunehmend erschöpft, es bleibt wenig Raum für Flexibilität. Ich bin allen Schulen sehr dankbar, dass die wenige Flexibilität jetzt genutzt werden konnte und weiter genutzt wird, um nicht dazu zu kommen, dass Schule komplett ausfallen muss, aber es zeigt eben auch, dass wir unsere Kapazitäten großzügiger bemessen müssen, um auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben, und dass wir da auch nicht nachlassen dürfen. Eine Bemerkung noch, zu Ihnen Herr Voigt: Die Bezugnahme darauf, wie viele Container im Hafen bewegt werden, zeigt hoffentlich nicht profunde Unkenntnis darüber, wie Mobilbauten aussehen, in denen Schülerinnen und Schüler beschult werden. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie wollen, dass Unterricht in Hafencontainern stattfindet, aber auch da gilt vielleicht, dass man für ein schönes Bild auch bereit ist, da nicht so sehr darauf zu schauen, ob das wirklich eine Lösung wäre. Ein zweiter Punkt den ich gern noch sagen würde: Ja, auch in Bremen ist, wie im gesamten Bundesgebiet, die Unterrichtsversorgung angesichts des Fachkräftemangels auf Kante genäht. Wir haben insgesamt eine knappe Personaldecke, und ja, wir haben in diesem Schuljahr deutlich stärker zentral gesteuert und umverteilt und dadurch auch insbesondere die Schulen im Bremer Norden berücksichtigt, aber das schafft eben kein zusätzliches Personal, sondern nur, aber immerhin, eine gerechtere Verteilung. Deswegen kommt es auch an Schulen in Bremen zu Unterrichtsausfall, ohne dass da ein Wasserschaden auftritt, und deswegen müssen wir an dieser Stelle mit Nachdruck arbeiten. Wir haben alle Referendarinnen und Referendare aufgenommen, die bei uns ihre Ausbildung machen wollen, wenn wir Ausbildungsschulen finden, und wir gehen hier auch kreative Wege. Die unterrichten im Doppelpack, auch das ist in der Bildungsdeputation ja breit diskutiert worden. Wir haben Programme für Quer- und Seiteneinstieg aufgelegt, haben „Back to School“ entworfen und zu einer Erfolgsgeschichte gemacht, weil wir auf allen Wegen ausreichend Personal für unsere Schulen gewinnen müssen, und ich freue mich, wenn ich das auch weiterhin tun darf mit der breiten Unterstützung des Parlaments. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Alle Reden von Sascha Karolin Aulepp Protokoll (PDF) ↗