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Antje Grotheer

17.09.2024 Sitzungen 21/17

Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Dr. Franziska Tell. Abgeordnete Dr. Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Ich muss sagen, ich weiß gar nicht genau, wo ich jetzt am besten ansetzen soll, weil in dieser Debatte doch sehr verschiedene Punkte angebracht wurden, die mehr oder minder mit dem Thema zu tun haben. Ich möchte darum einmal damit starten, zu sagen: Natürlich stellt es uns nicht zufrieden, wenn die Schüler:innen weniger Unterricht haben, (Zuruf Abgeordnete Bettina Hornhues [CDU]) als ihnen eigentlich zusteht. Natürlich ist es nicht gut, wenn Unterricht ausfällt. Natürlich es nicht gut, wenn Schüler:innen weniger Unterricht haben. Natürlich ist es ein Problem, gerade, wenn das längerfristig der Fall ist. Und ich denke, das sieht auch niemand anders. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Es ist aber eben auch so, dass manchmal Situationen entstehen, in denen wir nichts dagegen tun können, mein Kollege hat ja gerade sehr ausführlich erklärt, wie die Situation an der Schule war. Über das Thema Starkregenereignisse werden wir gleich auch noch einmal ein bisschen ausführlicher debattieren, und es zeigt einfach, es gibt manchmal Situationen, da ist der akute Fall da, und ich bin schon froh, dass die Schüler:innen sozusagen trotzdem nahtlos nach dem Ende der Sommerferien überhaupt wieder ein Beschulungsangebot erhalten konnten, denn ich weiß auch, dass es Situationen gibt – und zwar nicht jetzt konkrete Fälle in Bremen, aber in der Vergangenheit auch aus meiner Schulerfahrung –, in denen Schulen komplett schließen müssen wegen Bränden, wegen sonstigen Notfällen, und dann erst einmal gar keine Beschulung zur Verfügung steht. Von daher ist es ja schon einmal gut, dass es ein Angebot gibt, und zwar ein tägliches und ein regelmäßiges Angebot. Das reicht aber natürlich nicht, und dieses tägliche und regelmäßige Angebot muss verstärkt werden. Darum glaube ich auch, dass wir uns noch einmal dringend anschauen müssen: Welche Möglichkeiten haben wir eigentlich durch das, was durch die Digitalisierung während der Pandemie ermöglicht wurde/angeschafft wurde? Welche Möglichkeiten gibt es denn eigentlich, die Digitalisierung in solchen akuten Fällen besser zu nutzen? Welche Möglichkeiten gibt es vielleicht auch durch andere Angebote, durch außerschulische Lernorte, die besser genutzt werden können? Ich glaube, dieser jetzige Fall zeigt relativ klar, dass wir uns noch einmal besser überlegen müssen: Wie können Schulen trotz der engen Situation, trotz der fehlenden Raumalternativen, weil alle Schulen jetzt schon extrem voll und eng besetzt sind, weil wir so viele Schüler:innen in Bremen haben, dass wir nicht einmal eben Ausweichräume zur Verfügung haben, eine Resilienz schaffen, damit die Schulen trotzdem eine Beschulung sicherstellen können, selbst wenn das an bestimmten Standorten kurzfristig in den normalen Klassenräumen nicht möglich ist? Ich glaube aber, dass es ein bisschen weit hergeholt ist, diese Debatte über die Situation an einer konkreten Schule wegen eines konkreten Notfalls jetzt irgendwie aufzubauschen zu einer Debatte über die Frage, ob uns eigentlich das Thema Bildungspolitik in Bremen wichtig ist und ob wir eigentlich genug für die Kinder und Jugendlichen tun oder dass wir irgendwie völlig hinten herunterfallen lassen, dass Armut mit der Bildungssituation zusammenhängt. (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Ein Puzzleteil!) Natürlich ist uns das bewusst, und natürlich ist klar, dass wir das angehen müssen, aber zu behaupten, Bildung wäre uns nicht wichtig, weil an einer Schule ein Wasserschaden entstanden ist und es nicht möglich war, sofort eine volle komplette Beschulung zu ermöglichen, ist, finde ich, doch etwas weit hergeholt. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Darum möchte ich noch einmal betonen: Es ist nicht gut, wenn die Schüler:innen nicht ausreichend Unterricht erhalten können, und es ist wichtig, dass weiter daran gearbeitet wird. Es ist gut, dass es jetzt schon Angebote gibt, es ist gut, dass die Alternativen geprüft werden und dass es dann hoffentlich auch spätestens nach den Herbstferien wieder zu einer ganz regulären Beschulung kommen kann, damit die Schüler:innen entsprechend weiter auf den weiteren Alltag vorbereitet werden können. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Eine kurze Randnotiz kann ich mir nicht sparen: Es wurde jetzt viel über das Thema Schulweg gesprochen. Ich muss sagen, als jemand, der im Bremer Umland auf dem Dorf groß geworden ist und jeden Tag sehr weite Strecken zur Schule gefahren ist, finde ich es ein bisschen befremdlich, wenn immer wieder darüber gesprochen wird, dass man Schüler:innen – und wir reden hier nicht von Grundschüler:innen, wir reden hier von Schüler:innen, die mindestens in der fünften Klasse sind – nicht zumuten kann, auch einmal vier Kilometer irgendwohin zu fahren. (Zuruf Abgeordnete Bettina Hornhues [CDU]) Ich glaube, das ist möglich. – Ich sehe das Nicken auch bei Kollegen, von denen ich weiß, dass sie denselben Fahrtweg zur Schule hatten. Das ist natürlich nicht ideal, (Zuruf Abgeordnete Bettina Hornhues [CDU]) aber es ist durchaus zumutbar, auch einmal länger als einen Kilometer zur Schule zu fahren, und ich glaube, diese Alternativen müssen wir eben auch als Möglichkeiten ansehen und nicht gleich sagen, das geht aber alles nicht. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE) Mit dieser kleinen Randbemerkung möchte ich meinen Beitrag auch beenden. Ich möchte noch einmal betonen: Uns ist die Bildungspolitik in Bremen wichtig, es wird intensiv daran gearbeitet, auch diese Schüler:innen zu unterstützen und ihnen wieder ein gutes Angebot zu machen. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)

Alle Reden von Antje Grotheer Protokoll (PDF) ↗