Kai Stührenberg
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Für den Senat beantworte ich die Anfrage wie folgt: Zu Frage 1: Verkehrsluftfahrzeuge benötigen aufgrund der verwendeten Antriebstechnologie einen Flugkraftstoff auf Kohlenwasserstoffbasis. Der konventionelle Kraftstoff soll perspektivisch durch SAF, sogenanntes Biofuel, ersetzt werden. Am Verkehrsflughafen Bremen werden Hydroprocessed Esters and Fatty Acids, also HEFA-Kraftstoffe, als SAF eingesetzt, da mit ihnen das maximale Mischungsverhältnis von 50 zu 50 als konventioneller Kraftstoff zertifiziert werden kann. Vom 11. Mai 2022 bis zum 22. November 2023 wurden am Verkehrsflughafen Bremen insgesamt circa 1 300 000 Liter SAF ausgeliefert. Im Verhältnis zum konventionellem Kraftstoff beträgt der SAFAnteil 2,53 Prozent des Gesamtabsatzes am Bremer Flughafen. Damit hat der Verkehrsflughafen Bremen die höchste SAF-Quote aller deutschen Flughäfen. In absoluten Zahlen steht der Flughafen Bremen nach dem Verkehrsflughafen Frankfurt und dem Airbus-Werk Finkenwerder an dritter Stelle beim Absatz von SAF. Größter Kunde am Bremer Flughafen ist die Airbus Group. Die Lufthansa Aviation Training GmbH betankt nach dem Abschluss eines Projektes zum Betrieb von Flugkolbenmotoren mit SAF ihre Trainingsflugzeuge in Bremen ebenfalls mit SAF. Damit wird die Lufthansa Aviation Training GmbH nach der Airbus Group der zweite Dauerkunde für das weniger klimaschädliche SAF. Alle weiteren SAF-Kunden in Bremen sind Gelegenheitskunden. Seit Beginn des SAF-Projektes konnte die Beimischrate von 30 Prozent auf zunächst 36 Prozent und später auf 39 Prozent gesteigert werden. Das Projekt „Green Fuel – Biokerosin Tanklager“ der Flughafen Bremen GmbH wurde im Rahmen des Senatsbeschlusses Handlungsfeld Klimaschutz 2021 der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau bei der Umsetzung unterstützt. Unter der Richtlinie zur Förderung von Investitionen am Flughafen Bremen konnte das Projekt mittels einer Projektförderung Zuwendungen in Höhe von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, insgesamt 371 516,86 Euro, erhalten. Zu Frage 2: Die Treibstoffproduzenten nutzen die HEFA-Technologie zur Herstellung von Kraftstoff, der die ASTM 7566 – das ist die Standardspezifikation für Flugturbinenkraftstoff – erfüllt. Das technologische Verfahren zur Herstellung von HEFA-Kraftstoffen ist aufwendig, und die notwendigen technischen Anlagen stehen europaweit nur begrenzt zur Verfügung. Im Bundesland Bremen existieren keine Produktionsanlagen für konventionelle Luftfahrtkraftstoffe oder SAF. Am Verkehrsflughafen Bremen zur Betankung eingesetztes SAF wird vom derzeitigen Marktführer, dem Unternehmen Neste MY, hergestellt und aus Gent, Belgien, angeliefert. Größere Liefermengen sind von Neste MY in den letzten Monaten nicht zu erhalten, da Neste MY und alle weiteren Anbieter in Europa große Lieferschwierigkeiten hatten. Die Hersteller haben in den vergangenen Monaten mehr SAF verkauft, als deren maximale technische Herstellungskapazität beträgt. Ab 2024 soll die Lage am Markt wieder stabilisiert sein. Die Hersteller arbeiten an einer Erhöhung ihrer Kapazitäten. Zu Frage 3: Die Einführung oder Nutzung von SAF-ähnlichen Kraftstoffen oder Technologien in der Stadt Bremen wird perspektivisch im maritimen Umfeld und damit in den Häfen erwartet. Als zukünftiger maritimer Kraftstoff wird vor allem der Einsatz von grünem Methanol erwartet. Dieser könnte in den Häfen umgeschlagen und gegebenenfalls auch bebunkert werden. Konkrete Planungen zum Einsatz dieses Kraftstoffs in der Stadt Bremen sind nicht bekannt. Derzeit wird lediglich in Bremerhaven das neue Forschungsschiff Uthörn II mit Methanol betrieben. Der Senat plant, Investitionen in Anlagen und Maschinen, die aus grünem Wasserstoff gewonnene Brennstoffe herstellen oder nutzen, als Fördergegenstand in die überarbeitete Wasserstoffrichtlinie aufzunehmen. Damit sollen bei Unternehmen Anreize geschaffen werden, unter anderem Vorhaben zur Nutzung von erneuerbarem Wasserstoff und dessen Derivaten wie Methanol umzusetzen und damit einen Beitrag zum Erreichen der bremischen Klimaschutzziele zu leisten. – So weit die Antwort des Senats!
