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Falko Bries

SPD 23.09.2026 Sitzungen 21/37

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, liebe Gäste! Worüber sprechen wir heute? Über die Ergebnisse des nun 23. Bildungsmonitors, der alle 16 Bundesländer anhand von 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern vergleicht, betrachten wir unter anderem Schulqualität, Bildungsarmut, Integration, Betreuungsbedingungen, Digitalisierung, berufliche Bildung, Hochschulen, Bildungsausgaben und Zeiteffizienz. Ziel dieser arbeitgebernahen Studie ist ausdrücklich eine bildungsökonomische Bewertung, der Beitrag des Bildungssystems zu Wohlstand, Aufstiegschancen und gesellschaftlicher Teilhabe. Das macht die Ergebnisse nicht falsch, sollte aber bei der Interpretation sehr wohl beachtet werden. Vor allem dürfen wir den Bildungsmonitor nicht als aktuelle Zustandsbeschreibung des Bremer Schulsystems missverstehen. Denn der Bildungsmonitor fragt nicht einfach, wie gut die Bremer Schulen sind, sondern er bildet einen Index aus unterschiedlichen Größen. In einzelnen Bereichen schneidet Bremen sehr gut ab: Platz 1 etwa bei den Betreuungsbedingungen, Platz 2 bei Hochschulen, MINT oder Platz 4 bei der Digitalisierung. Aber was sagt uns das, wenn lediglich 13 Handlungsfelder zu einem Gesamtranking verdichtet werden, auch wenn sie sehr unterschiedliche Dinge bemessen? Viele der verwendeten Daten stammen zudem aus früheren Jahren. Die Ergebnisse sind also nicht wirklich neu, und teilweise haben wir auch erheblich aufgeholt. Im laufenden Schuljahr arbeiten mit 6 642 Lehrkräften so viele wie seit Jahren nicht. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der Vertretungspool wurde zudem massiv ausgebaut. Das nicht unterrichtende Personal stieg seit dem Schuljahr 2024 von 941 auf 1 067 Personen, die Schulsozialarbeit von 176 auf 189 Stellen. Mit dem Startchancen-Programm stehen in Bremen mehr Mittel zur Verfügung, um Schulen mit Herausforderungen noch besser zu unterstützen. Besonders interessant ist die Entwicklung bei Kita- und Sprachförderung. Die Betreuungsquote ist im Jahr 2026 auf 90,8 Prozent gestiegen, nach 87,5 Prozent im Vorjahr. Bei den Drei- bis Vierjährigen stieg sie von 74 auf 87 Prozent. Wir haben so viele grundständig ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher wie noch nie. Nach Jahren des quantitativen Aufholens können wir uns endlich wieder verstärkt um die Kitaqualität kümmern. Die Ausgaben für die Sprachförderung wurden in den letzten 5 Jahren von 2,9 Millionen Euro auf 7,7 Millionen erhöht. Bei festgestelltem Sprachförderbedarf wird die Förderung spätestens zwölf Monate vor der Einschulung verbindlich werden. Diese Vorgaben werden wir bis Ende des Jahres auch gesetzlich verankern. Was unternimmt Bremen? Ganz klar ist: Von zentraler Bedeutung für gesellschaftliche Teilhabe wie gesellschaftlichen Wohlstand sind die Basiskompetenzen. Sie stehen in der Bildungsoffensive unseres Bildungssenators ganz oben auf der schulpolitischen Agenda. Der Landesrahmen Schulqualität ist seit diesem Jahr die verbindliche Rahmenvergabe und stellt die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen in den Mittelpunkt der vorschulischen Förderung beziehungsweise der Unterrichtsentwicklung. Analog zum Landesprogramm Sprachbildung werden erfolgreiche Programme wie „Mathe sicher können“ oder „QuaMath“ zu einem Qualitätsprogramm in allen Bereichen mathematischer Bildung zusammengelegt. Ganz wichtig ist auch ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien. Denn für das schlechte Abschneiden der Schülerinnen und Schüler, nicht nur in Bremen, sondern bundesweit, werden von der Wissenschaft unter anderem hohe Bildschirmzeiten und veränderte soziale Nutzung verantwortlich gemacht. Mark Rackles hat für die kommenden Jahre konkrete, messbare Ziele formuliert, die mit der Bildungsoffensive erreicht werden sollen, unter anderem weniger Schülerinnen und Schüler unterhalb des Mindeststandards und weniger Schulabgänge ohne Abschluss. Ganz aktuell hat die Bildungsministerin, Frau Prien, die Bildungsoffensive gelobt und gesagt, Bremen sei auf dem richtigen Weg. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Die Bildungsoffensive geht weit über die Einzelmaßnahmen hinaus. Sie verbindet frühe Bildung, Unterrichtsqualität, mehr wirksame Lernzeit und individuelle Förderung. Keine Weiterentwicklung über isolierte Einzelmaßnahmen, sondern eine strategische, ganzheitliche und systemische Herangehensweise. Das haben auch die Gutachterinnen und Gutachter des Schulkonsenses uns mit auf den Weg gegeben. Sie haben in den letzten Sitzungen der Deputation Kinder und Bildung aber auch klipp und klar gesagt: Die bisherige Ressourcenausstattung der Bremer Schulen reicht nicht aus, um unseren Schulkonsens, selbstgesetzte bildungspolitische Zielsetzungen umzusetzen. Hier komme ich zurück zum Bildungsmonitor 2026. Bremen ist demnach Schlusslicht bei Anteil der Bildungsausgaben im Vergleich zu den Gesamtausgaben. Bremen hat dem neuesten verfügbaren Ranking des Statistischen Bundesamts zufolge seine Bildungsausgaben pro Schülerin in den Jahren 2014 bis 2024 von 6 800 auf 10 900 Euro gesteigert und steht damit immerhin auf Platz 4 aller 16 Bundesländer. Bremen liegt allerdings beim Anteil der Ausgaben für Schüler am Gesamthaushalt an letzter und bei den Kita-Ausgaben an zweitletzter Stelle im Bundesländervergleich, und dieses finde ich durchaus bedenklich, da wir in Bremen, wie wir alle wissen, vor weitaus größeren Herausforderungen stehen als alle anderen Bundesländer, und dies sowohl, was die Sozialstruktur anbelangt, als auch die Verteilung zentraler Risikolagen für den Bildungserfolg. Als bildungspolitischer Sprecher kann ich an dieser Stelle nur sagen: Hier müssen wir besser werden und dafür gemeinsam – gemeinsam – alle an einen Strang ziehen. – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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