Holger Welt
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich danke auch den Vorrednern für ihre Ausführungen. Ich freue mich, dass wir heute ein Tierschutzthema auf der Tagesordnung haben. Das gibt mir die wunderbare Gelegenheit, einmal denjenigen zu danken, die sich aktiv oder mit anderen Hilfen für den Tierschutz einsetzen. Wer Mitglied in einem Tierschutzverein ist oder sich privat oder uneigennützig engagiert oder – wie einige von uns – im Tierschutzbeirat dabei ist, weiß genau, wovon ich rede. Die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisten mit ihrer gespendeten Freizeit oder sogar mit ihrem privaten Geld einen wesentlichen Anteil, dass ausgesetzte Haustiere und auch die wild lebenden Tiere Schutz bekommen. Diese engagierten Menschen sind ein Beweis dafür, wie notwendig es ist, sich intensiv und ausdauernd für den Schutz unserer Tiere einzusetzen. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich denke, alle engagierten Tierschützer haben dies immer bewiesen. Dafür haben die Leute meinen, unseren vollen Respekt. Ich danke allen Tierschützern von ganzem Herzen, meine Damen und Herren. Danke an all die Menschen, die nicht wegsehen. Danke an all diejenigen, die stehen bleiben und helfen, wenn andere weitergehen. In der heutigen Debatte geht es aber um Wildtiere. Bremerhaven und Bremen sind tolle grüne Städte mit vielen Wiesen, einem hohen Baumbestand, die zahlreichen Wildtieren ein Zuhause bieten. Darauf können wir stolz sein, meine Damen und Herren. Trotzdem sind in unseren Städten Bremen und Bremerhaven die natürlichen Lebensräume vieler Tierarten eingeschränkt. Machen wir uns nichts vor: Die Natur steht definitiv unter Druck. Wo heute Straßen verlaufen, wo gebaut wird, wo Flächen versiegelt werden, dort verlieren Tiere ihren Lebensraum. Gerade für Wildtiere ist diese Entwicklung gefahrvoll und unfallträchtig. Immer wieder werden viele, viel zu viele Wildtiere verletzt und müssen versorgt werden. Das Aufsammeln und die Pflege verletzter und kranker Wildtiere muss aber gut überlegt sein und ist auch juristisch zu bewerten. Der Einsatz für Tiere in Not ist zwar ehrenhaft und von Tierliebe geprägt, nur dürfen dadurch für das Tier selbstverständlich kein zusätzliches Leid und Schmerz entstehen. Die Pflege muss ausdrücklich berücksichtigen, dass das Tier tatsächlich wieder ausgewildert werden sollte, um in der Natur zu überleben. Hier braucht es ganz besondere Sachkenntnisse. Aufklärung und Respekt im Umgang mit verletzten Wildtieren bedeutet oft, auch richtig zu helfen. Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht. Ein Wildtier ist kein Haustier und wird auch keines werden, sondern es braucht immer seinen natürlichen Lebensraum. Die Versorgung von Wildtieren ist komplex, sehr aufwendig und ziemlich teuer. In Bremerhaven nimmt man im Tierheim auch aus anderen nachvollziehbaren sachlichen Gründen wie der möglichen Übertragung von Krankheiten und Seuchen derzeit keine Wildtiere mehr auf. Aus der Natur entnommene Wildtiere haben keinen bekannten Gesundheitsstatus und sind regelmäßig Träger von verschiedenen Krankheiten. Wildtiere können bösartige Erreger und Parasiten tragen, welche auch für Haus- und Nutztierbestände, den Tierbestand im Tierheim oder teils auch für den Menschen ein erhebliches Risiko darstellen. Unsere SPD-Fraktion steht dazu im Austausch mit den Tierheimen in Bremen und Bremerhaven. Ute Reimers-Bruns und ich haben uns vor geraumer Zeit Infos im Tierheim Bremen geholt. Mit meiner Kollegin Sülmez Çolak war ich dazu in Bremerhaven im Tierheim. Hier wurden uns auch die Quarantänen erklärt, warum selbst einige Haustiere räumlich deutlich getrennt versorgt werden müssen. Wildtiere zu versorgen, ist dort problematisch, auch wegen fehlender Ressourcen. Wir hören selbstverständlich die lauten Klagen der Tierschutzverbände nach einer behördlichen Hilfe, gerade in dieser komplexen Thematik. Machen wir uns nichts vor: Ich denke, so ziemlich alle hier im Raum wollen in dem Bereich eine Verbesserung. Deshalb haben wir als Regierungskoalition bereits im Koalitionsvertrag verabredet, dass wir den Aufbau einer Auffangstelle für Wildtiere ermöglichen wollen. (Abgeordneter Simon Zeimke [CDU]: Ja dann machen Sie das doch im Parlament!) Wir stellen uns eine Wildtierauffangstation vor, die in der Lage ist, verletzte, geschwächte, kranke, hilflose und verwaiste Wildtiere aufzunehmen, eine medizinische Versorgung sicherzustellen, wo Tiere gepflegt und aufgepäppelt werden, bis sie schlussendlich ihren Weg zurück in die freie Wildbahn finden können. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Suche nach geeigneten Standorten, die genug Räume, darunter auch separate Quarantänebereiche für die Versorgung und Pflege der Tiere bieten. Wenn man sich wie wir intensiv mit dem Thema beschäftigt, merkt man sofort, wie komplex und umfangreich das Thema ist. Als ersten Schritt brauchen wir erst mal ein wirklich umfassendes, tragfähiges Konzept, bei dem unsere Tierschutzvereine in Bremen und Bremerhaven sowie die entsprechenden Netzwerke unter Federführung der Landestierschutzbeauftragten ihre Expertise einbringen sollen. Ja, und selbstverständlich – deshalb debattieren wir das Thema hier nicht in der Seestadt Bremerhaven in dem Konzept mitgedacht werden. Wir sehen, dass die CDU und auch die FDP in ihrem Antrag teilweise unsere Entwürfe aus den Koalitionsverhandlungen abgeschrieben haben. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Spannend!) Das zeigt, dass Sie unseren Weg mitgehen. Wir sind doch alle auf dem gleichen Weg. (Abgeordnete Silvia Neumeyer [CDU]: Das habe ich schon in der letzten Koalition gesagt!) Ja, ich habe doch gerade gesagt, Ihre Vorreden, der Inhalt ist die gleiche Richtung. Das finde ich gut. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Das haben Sie nicht gesagt! Sie haben gesagt, dass wir abgeschrieben haben!) Na ja, wir haben das in dem Koalitionsvertrag drin, und das ist unser Weg. Das zeigt uns auch, Ihr Antrag und die Forderungen zeigen, dass Sie unseren Weg mitgehen wollen. Wir legen Ihnen heute einen umfangreichen, ich meine guten Antrag vor, hinter dem sich wirklich alle hier im Raum wiederfinden können. Ich werbe um Zustimmung für unseren Antrag, damit sich die Versorgung der verletzten Wildtiere in unseren beiden Städten weiter verbessert. – Ich danke Ihnen! (Beifall SPD)
