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Silvia Neumeyer

CDU 26.08.2026 Sitzungen 21/36

Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Endlich, muss ich sagen, endlich reden wir über ein mir persönlich sehr wichtiges Thema. Manchmal zeigt sich die Stärke einer Gesellschaft nicht darin, wie man mit den Lauten und Starken umgeht, sondern wie man diejenigen schützt, die keine Stimme haben. Genau darum geht es heute: um verletzte, verwaiste und hilfsbedürftige Wildtiere in unserem Land Bremen, für die CDUFraktion und ganz besonders für mich persönlich ein sehr wichtiges Thema. (Beifall CDU) In der Beantwortung des Senats auf die Große Anfrage der FDP konnte man lesen, dass es keine behördliche Verpflichtung zur Aufnahme kranker und verletzter Wildtiere gibt und dies auch für den Bürger gilt. Aber ist das unser Anspruch, dass wir wegschauen? Haben wir nicht eine moralische Verpflichtung gegenüber unseren Mitgeschöpfen? Ich bin zumindest so groß geworden, dass mich Sprüche begleitet haben wie von Albert Schweitzer: „Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will.“ Ich kann nicht an einem verletzten Tier vorbeigehen, ohne ihm zu helfen. Zum Glück sehen das auch viele Bürger und Bürgerinnen so. (Beifall CDU) Die Realität ist allerdings ernüchternd. Im Land Bremen gibt es bislang keine zentrale staatliche Anlaufstelle, die sich verlässlich um diese Tiere kümmert. Wenn Bürgerinnen und Bürger einen verletzten Igel, einen aus einem Nest gefallenen Vogel oder eine geschwächte Fledermaus finden, wissen sie oft nicht, an wen sie sich wenden sollen. Das Tierheim ist meistens der erste Gedanke. Aber wir konnten alle lesen, dass das Bremer Tierheim keine Kapazitäten mehr hat und schweren Herzens einen Aufnahmestopp für Wildtiere verhängt hat. Das Tierheim Bremerhaven hat schon länger keine Wildtiere aufgenommen. Statt eines funktionierenden Systems verlassen wir uns bislang auf das außergewöhnliche Engagement einzelner Menschen, auf Ehrenamtliche, Tierarztpraxen und Tierheime, Menschen, die jeden Tag ihr Bestes geben aber längst an ihre Grenzen stoßen. Glauben Sie mir, ich weiß, was es bedeutet, ein verletztes Tier zu pflegen. Schon meine Mutter hat sich um verletzte Tiere gekümmert und auch mein im letzten Jahr verstorbener Bruder hat sich in Zusammenarbeit mit der Auffangstation in Rastede jahrzehntelang um verletzte Tiere gekümmert. Das kostet Kraft, Zeit und Geld und erfordert Wissen und tut auch weh, wenn das Tier es nicht schafft. Ich möchte mich hier ausdrücklich bei allen ehrenamtlichen Menschen bedanken, die dies nicht scheuen und sich trotzdem um verletzte oder verwaiste Wildtiere kümmern. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Allein die dokumentierten Fallzahlen zeigen, dass jedes Jahr mehrere Hundert Wildtiere versorgt werden müssen. In manchen Jahren sind darunter bis zu 700 Wildvögel und über 200 Igel sowie zahlreiche Eichhörnchen, Fledermäuse, Wildkaninchen und Schwäne. Diese Tiere benötigen nicht einfach nur einen sicheren Platz. Sie brauchen spezialisierte Hilfe, denn die Versorgung von Wildtieren ist anspruchsvoll. Sie erfordert Quarantänebereiche, tiermedizinische Diagnostik, artgerechte Ernährung und vor allem Maßnahmen, die verhindern, dass das Tier die natürliche Scheu vor dem Menschen verliert. Das Ziel ist nicht, Tiere dauerhaft zu halten. Das Ziel ist ihre Rückkehr in die Natur. Genau das können normale Tierheime allein auf Dauer nicht leisten. Wir dürfen nicht länger akzeptieren, dass diese Aufgabe überwiegend von Vereinen finanziert wird und vom persönlichen Einsatz Einzelner abhängt. Eine solche Struktur ist weder gerecht noch nachhaltig. Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine Wildtierauffangstation ist kein Luxusprojekt. Sie ist eine notwendige Infrastrukturaufgabe. Mit einer zentralen Aufnahmestation schaffen wir eine klare Zuständigkeit, verlässliche Meldewege und professionelle Versorgung. (Beifall CDU, FDP) Wir entlasten gleichzeitig die Ehrenamtlichen, die seit Jahren Aufgaben übernehmen, die eigentlich von einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung getragen werden müssen. Besonders wichtig ist dabei, dass schnell ein durchdachtes Konzept den tatsächlichen Bedarf ermittelt, geeignete Standorte geprüft werden – hier gibt es durchaus schon einige nicht uninteressante Vorschläge von Bürgern und Bürgerinnen –, ein Konzept, das Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigt und bestehende Akteure einbindet. Dazu gehören Tierarztpraxen, Tierschutzvereine, Naturschutzverbände, wissenschaftliche Einrichtungen und private Pflegeinitiativen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen könnte eventuell von Nutzen sein, Strukturen zu setzen. Es geht darum, das vorhandene Engagement zu bündeln, zu stärken und zukunftsfest zu machen, denn der Bedarf wird nicht kleiner. Der Klimawandel, längere Hitzeperioden, zunehmende Bebauung und der Verlust natürlicher Lebensräume führen dazu, dass immer mehr Wildtiere auf menschliche Hilfe angewiesen sind. Die Frage ist deshalb nicht, ob wir handeln müssen. Die Frage ist nur, wann wir handeln. Die Antwort darauf kann nur lauten: Jetzt. Denn jedes verletzte Tier, das aufgrund fehlender Zuständigkeiten nicht versorgt werden kann, ist eines zu viel. Eine moderne und verantwortungsbewusste Stadtgesellschaft übernimmt Verantwortung für Menschen, aber eben auch für die Tiere, mit denen wir unseren Lebensraum teilen. (Beifall CDU) Mit einer Wildtierauffangstation schaffen wir eine verlässliche Struktur, stärken den Tier- und Artenschutz und senden ein wichtiges Signal: Verantwortung endet nicht dort, wo Ehrenamt beginnt. Der gemeinsame Antrag der CDU und der FDP ist bereits aus dem August letzten Jahres. Ich halte unsere Senatorin Claudia Bernhard ja für einen Fuchs. (Heiterkeit) Ich denke, sie hat sich bestimmt schon Gedanken gemacht, und ich bin gespannt, gleich, wenn ich ihren Redebeitrag höre. Lassen Sie uns heute gemeinsam die Grundlage dafür schaffen, dass Bremen seiner Verantwortung gerecht wird – professionell und nachhaltig mit Herz. (Glocke) Ich komme zum Ende. Ich weiß, dass einige Teile der Koalition unserem Antrag zugestimmt haben und an wem das liegt, dass das nicht passiert ist, aber sei es drum, der Druck der Opposition hat gewirkt, und wahrscheinlich haben Sie gemerkt, dass Ihre Blockadehaltung unserem Antrag gegenüber selbst bei Ihren Wählern nicht (Glocke) ankommt. Ich bin nicht so eitel. Mir und der CDU geht es um die Sache. Glauben Sie mir, ich bin unter den vielen ehrenamtlichen Tierschützern – (Glocke)

Alle Reden von Silvia Neumeyer Protokoll (PDF) ↗