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Sven Lichtenfeld

fraktionslos 26.08.2026 Sitzungen 21/36

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Natürlich müssen wir Menschen vor extremer Hitze schützen, aber was hier heute daraus gemacht wird, halte ich persönlich für völlig übertrieben. In diesem Antrag ist von 12 500 Hitzetoten die Rede. Das klingt erst einmal dramatisch. Was dabei aber nicht gesagt wird: Diese 12 500 Menschen sind nicht 12 500 einzeln festgestellte Hitzetote. Das Robert-Koch-Institut erklärt selbst: Diese Zahl ist eine statistische Schätzung. Sie wird aus Sterbefällen und Temperaturen modelliert. Modelliert heißt vereinfacht: Man schaut sich statistisch an, wie sich die Zahl der Todesfälle bei unterschiedlichen Temperaturen verändert und berechnet daraus, welcher Anteil mit der Hitze – und jetzt kommt es – zusammenhängen könnte. Das RKI sagt selbst, dass Hitze normalerweise nicht als zugrunde liegende Todesursache auf dem Totenschein steht. Genau das gehört zur Wahrheit dazu. Im Antrag wird aber nur die große Zahl herausgenommen: 12 500 Hitzetote. Die Erklärung dahinter fehlt natürlich. Für mich ist das eine verkürzte Darstellung, die beim Bürger einen falschen Eindruck erweckt. Man nimmt sich aus einem RKI-Bericht genau das heraus, was zur eigenen politischen Botschaft passt. Ich nenne das Augenwischerei. Auf dieser Grundlage soll jetzt auch noch der Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz verankert werden. Das halte ich für völlig überzogen. Hitzetote vor Ort: ja. Trinkwasser, Schattenplätze und Hilfe für ältere und gefährdete Menschen: selbstverständlich. Aber dafür brauchen wir keine neue Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz und keine neuen dauerhaften staatlichen Strukturen. Wir brauchen sachliche – – statt Panikmache und Klimahysterie. Vielleicht noch ein ganz praktisches Beispiel: Wenn wir wirklich über Hitzeschutz reden wollen, dann sollten wir doch zuerst dort anfangen, wo besonders gefährdete Menschen sind. Warum sorgen wir nicht dafür, dass es in Seniorenheimen und Krankenhäusern ausreichend gekühlte, klimatisierte Räume gibt? Warum schaffen wir solche Räume nicht auch in Schulen und Kitas, wenn dort im Sommer die Temperaturen unerträglich werden? Natürlich verbraucht eine Klimaanlage Strom, und natürlich müssen wir auf moderne und energiesparende Geräte setzen. Aber wenn Hitze tatsächlich eine so große Gesundheitsgefahr ist, wie hier behauptet wird, dann muss für mich der konkrete Schutz der Menschen an erster Stelle stehen. Man kann Gebäude verschatten, nachts lüften, Bäume pflanzen und besser dämmen – alles richtig. Aber wenn das nicht reicht, dann muss man auch sagen dürfen: Dann kühlen wir diese Räume technisch. Das wäre für mich vernünftiger Hitzeschutz: konkret helfen, wo Hilfe gebraucht wird, statt immer neue staatliche Strukturen aufbauen. Für vernünftigen Hitzeschutz in Bremen müssen wir nicht das Grundgesetz ändern und eine neue Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern schaffen. Wir müssen einfach vernünftige Entscheidungen treffen. – Vielen Dank!

Alle Reden von Sven Lichtenfeld Protokoll (PDF) ↗