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Kristina Vogt

24.06.2026 Sitzungen 21/35

Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Es ist durchaus richtig – und das wird auch immer wieder betont –, dass kleine und mittlere Unternehmen das Rückgrat unserer Wirtschaft sind und tatsächlich auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen, weil sie soziale Stabilität und nachhaltiges Wachstum bieten. Insofern ist es natürlich richtig, dass das Thema Unternehmensnachfolge eine Aufmerksamkeit kriegt. Das Problem ist nur, und das haben hier einige Redner etwas unterschätzt: Das Thema Unternehmensnachfolge, und wir diskutieren das sehr oft mit den Kammern und auch mit den Betrieben, ist natürlich auch ein Thema, das sehr intransparent und heikel ist, weil die meisten nicht damit hausieren gehen. Selbst auf unseren Angeboten und Beratungen und bei den Kongressen, Veranstaltungen, die wir machen, sagen die meisten, die aufhören wollen, nicht, dass sie aufhören wollen, weil sie Angst haben, dass es dann ein Marktrauschen gibt, insbesondere im Handwerk. Deswegen liegen auch nicht so viele Daten vor, wie Herr Schellenberg oder Herr Brandt das gerne gehabt hätten. Das ist kein bremisches Phänomen, sondern das ist tatsächlich ein bundesweites, weil die Unternehmer, die aufhören wollen, damit nicht hausieren gehen, um ihr Unternehmen und ihren Betrieb nicht zu gefährden. Dazu kommt, dass es Unternehmerinnen und Unternehmern auch manchmal schwerfällt, sich von ihrem Betrieb zu trennen, gerade wenn er klein ist. Das betrifft gerade das Handwerk, weil man steckt mit ganz viel Herzblut, mit Engagement – –, man kennt die Mitarbeitenden schon seit Ewigkeiten, seit dem ersten Tag, wo sie die Ausbildung angefangen haben. Man hat wahrscheinlich auch das ganze Familienfinanzielle, die Familienfinanzen da reingesteckt. Was wir oft erleben, wenn wir in den Beratungsgesprächen – – oder mal fragen, wie die Beratungsgespräche gelaufen sind, ist, dass diejenigen, die sich auf den Weg gemacht haben, Nachfolge zu suchen, dann natürlich auch einen Nachfolger suchen, der genau ihren Vorstellungen entspricht. Das passt oft, Herr Schellenberg, leider nicht mit dem zusammen, dass die, die nachfolgen wollen, eigene Vorstellungen vom Unternehmen haben. Insofern ist das tatsächlich nichts, was man so statistisch erfassen kann wie eine Statistik, die Insolvenzen führt, weil diejenigen, die abgeben wollen, das nicht an die große Glocke hängen. Trotzdem glaube ich, dass es richtig ist, sich nach wie vor auch politisch damit zu befassen. Auch wenn ich immer erstaunt bin, dass ich auf der einen Seite höre, der Staat ist nicht der bessere Unternehmer und Subventionen sind Gift für die Wirtschaft, im Konkreten wird dann doch viel angefordert. Ich finde es aber an dem Punkt richtig, denn für eine durchschnittliche Nachfolge geht die Bremer Aufbaubank inzwischen von mindestens drei Jahren aus. Aber der Zeitraum ist aufgrund der Vorbemerkungen, die ich gemacht habe, sehr individuell, und man sollte je nach Komplexität und nach Art des Unternehmens sogar bis zu zehn Jahren für eine gelungene Nachfolge einplanen. Da haben Sie natürlich völlig recht: Die Demografie der Babyboomer zeigt, wir werden ein massives Nachfolgeproblem haben. Um diese Zeit besser zu strukturieren und optimal nutzen zu können – darauf hat Herr Herold schon verwiesen, weil er dazu eine Anfrage hatte und wir das in der Deputation nachgeliefert haben –, wurde gemeinsam mit der Universität Bremen ein Konzept entwickelt, um Unternehmensübergabe ready zu machen. Wir haben da zwei Pilotprojekte und die Auswertung soll im nächsten Jahr vorliegen. Auch wenn uns keine amtlichen detaillierten Statistiken vorliegen aus den Gründen, die ich eben genannt habe, gibt es natürlich Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung. Die gehen davon aus, dass allein in Bremen jedes Jahr etwa 300 Unternehmen übergeben werden müssen. Besonders alarmierend ist die Lage im Handwerk: Mehr als 2 000 Handwerksbetriebe im Land Bremen werden von Unternehmerinnen und Unternehmern geführt, die über 50 sind. Was machen wir? Natürlich machen wir was. Wir schaffen Beratungs- und Vernetzungsplattformen, beispielsweise den Betriebsübernahmetag in Bremerhaven und den Unternehmensnachfolgetag in Bremen. Ziel dieser Veranstaltung ist es, die Unternehmen frühzeitig zu erreichen, umfassend über die nötigen Schritte zu informieren. Darüber hinaus nimmt das Starthaus Bremen und Bremerhaven eine zentrale Rolle ein, nicht nur mit Coaching, individueller Beratung und konkreten Finanzierungsoptionen, sondern natürlich auch mit dem Netzwerk aus Kammern, Wirtschaftsförderungsgesellschaften wie WFB und BIS, Bremer Aufbaubank und der Bürgschaftsbank Bremen – –, einen guten Weg durch die Förderung. Herr Brandt, es sind nicht 50 000 Euro. Die Rolle der Bürgschaftsbank, um das mal hier ganz klar zu sagen, ist auch für die Nachfolge eine ganz wichtige, denn sie kann Kredite bis zu 2 Millionen Euro absichern. Das sind dann die Mittel, die vielleicht eine Fahrschule braucht, um übergeben werden zu können. Wir haben auch weitere Beratungs- und Vernetzungsangebote. Wir setzen gezielt auf Förderung von Frauen in Führungs- und Nachfolgepositionen mit Initiativen wie „She Starts“ und „Gender Diversity in KMU“, um die Potenziale von Frauen besser zu nutzen. Ich habe in den Gesprächen mit den Kammern sehr viel gehört: Macht doch mal was, was Baden-Württemberg oder Bayern machen. Das habe ich mir alles angeguckt. Die machen genau das Gleiche, was wir machen, bloß sind das Flächenländer, und man kriegt dann eine 35-Seiten-PDF, worin jede IHK und jede Handwerkskammer steht und die gleichen Strukturen und Organisationen, die wir auch haben, weil die Rahmenbedingungen so sind, wie sie sind, und Unternehmensnachfolgen genauso behandelt werden wie normale Gründungen und auch alle Förderungen und Förderprogramme, die zur Verfügung stehen. Wir hatten trotzdem das Gefühl, dass wir noch was machen müssen, um die bestehenden Strukturen weiter bedarfsgerecht zu optimieren, denn wir haben ja schon öfter darüber gesprochen. Deswegen haben wir vor Kurzem mit der Handwerkskammer gesprochen und wir wollen nach der Sommerpause, zusätzlich zu den bestehenden Angeboten, einen Runden Tisch Unternehmensnachfolge (Beifall Abgeordneter Basem Khan [SPD]) mit den Kammern, mit den Unternehmensverbänden und der Bremer Aufbaubank organisieren. Die Vorbereitungen laufen dazu in unserem Haus gerade an. Zumindest die Präsidien der Kammern haben schon einen möglichen Termin direkt nach den Sommerferien zugesagt. Abschließend: Ich finde es wichtig, sich darum zu kümmern, aber ich möchte einmal betonen, dass der Staat trotzdem kein Rundum-sorglosPaket für Unternehmensnachfolge schnüren kann und wird. Wir befinden uns im System der sozialen Marktwirtschaft und unternehmerische Risiken sind auch Bestandteil des Systems. (Glocke) Ich komme zum Schluss. Die Frage, wie man den mentalen Schub kriegt, nicht den eigenen Nachfolger in sich selbst zu sehen, sondern auch an jemanden, einen anderen Charakter zu übergeben, die können wir als Staat nicht lösen und das wollen wir auch nicht, um es mal ganz deutlich zu sagen. – Danke schön! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)

Alle Reden von Kristina Vogt Protokoll (PDF) ↗