Holger Fricke
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Als ich den CDU-Antrag zu dieser Aktuellen Stunde las, fand ich es schon sehr ambitioniert: Der große Reformkanzler Friedrich Merz mit seiner sprühenden Aufbruchrede am 11. Juni im Bundestag. Nicht nur, dass er von Alice Weidel komplett abgekocht wurde – Friedrich Merz ist der unbeliebteste Nachkriegskanzler. Er ist dünnhäutig, was seine eigene Person betrifft. Er ist ungeschickt im Umgang mit anderen Menschen. So warf er den Unternehmern vor, dass er sie sonntags häufiger auf dem Golfplatz als in den ÖRR-Talkshows trifft. Er gehe ja regelmäßiger in Talkshows, obwohl es nicht immer Spaß mache – der arme Kanzler. (Heiterkeit FDP) Seine Aufgabe im heutigen Deutschland ist so viel schwieriger als die von Konrad Adenauer, der konnte ja in Ruhe ein völlig zerstörtes Land aufbauen. Was für ein Glück für Adenauer! Der Talkshow-Kanzler muss sich dagegen bei Maischberger und Co. mit einem enormen Kraftakt durchsetzen. Warum hat er bis heute nicht die peinliche Ministerin Bärbel Bas gefeuert, spätestens, als sie die Unternehmer zu Feinden erklärte? Doch die golfschlägerschwingenden Unternehmer sind inzwischen auch seine erklärten Feinde. Er rät auf dem katholischen Kirchentag unseren Kindern davon ab, in die USA zu gehen, sich dort ausbilden zu lassen, (Abgeordnete Dr. Wiebke Winter [CDU]: Das ist doch völliger Quatsch.) das Land mit den weltweit bedeutendsten Universitäten und Hochschulen. (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Wo haben Sie das denn her? Aus der Bild-Zeitung?) Nein! AfD-Wähler sind für ihn Befürworter des Holocaust, er sieht die Partei in der Tradition des industriellen Judenmords. Diesen Vergleich nannte der Politikwissenschaftler Werner Patzelt ungeheuerlich. Seine schrägen Aussagen werden in die Geschichtsbücher eingehen wie die Statements des halb dementen Bundespräsidenten Heinrich Lübke. Dazu kommen seine Wahlversprechen, von denen er eins nach dem anderen gebrochen hat. (Abgeordnete Dr. Wiebke Winter [CDU]: Reden Sie eigentlich auch nochmal über Reformen?) Jetzt setzt er im großen Stil auf eine umstrittene Rentenreform und auf Deutschlands Rüstungsindustrie, während im Mittelstand monatlich Tausende Arbeitsplätze verlorengehen. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Herr Fricke, was ist Ihre Lösung? – Abgeordnete Dr. Wiebke Winter [CDU]: Hat keine, kann nur meckern.) Ihre Merz-Reformen, liebe CDU, sind Reförmchen. Der Kipppunkt von 20 Prozent CDU und 30 Prozent AfD ist leider Gottes bald erreicht. Warten Sie den AfD-Parteitag in Erfurt ab! Da werden Linksextremisten, Gewerkschaften und linke NGOs mit Gewalt und brennenden Barrikaden wieder fleißig Propaganda für die Rechtspopulisten machen. Nichtsdestotrotz sehe ich bei der Merz-Truppe niemanden, der um Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Wohlstand ringt, außer vielleicht Alexander Dobrindt und bisher eigentlich auch Katherina Reiche. Aber wenn sie als Wirtschafts- und Energieexpertin Wahrhaftiges sagt, wird sie von der links-grünen Bubble zur „Gas-Kathi“ erklärt. Sie wird auch noch von Talkshow-Kanzler Merz öffentlich abgekanzelt, damit er Applaus von der grün-linken Bubble erheischt. (Abgeordnete Dr. Wiebke Winter [CDU]: Reden wir nochmal über Reformen? – Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Er spricht nicht zur Sache, oder?) Leider hat sie gerade mit ihrer geplanten acht Millionen Euro teuren Imagekampagne viel Sympathie verspielt. Meine Damen und Herren, ich finde es irritierend und seltsam, wenn Landesvater und Bundesratsvorsitzender Bovenschulte vor zu vielen Reformen warnt. Aber der Bürgermeister ist dabei freundlich, wirkt sachlich, nicht so durchgeknallt wie Friedrich Merz. (Lachen CDU) Sein Ukraine-Einsatz mit unseren Steuergeldern und warmen Worten ist lobenswert. In Deutschland ist er ungeschickt und unbeliebt und schwer angezählt. Friedrich Merz entpuppt sich als komplette Fehlbesetzung. Um die Weltliteratur zu bemühen: Er ist ein Kanzler von der traurigen Gestalt. Der Kanzler läuft den Linken hinterher, die die CDU inzwischen als Faschisten brandmarken. Die nächsten drei Jahre wird Kanzlerdarsteller Merz nicht überstehen, und das wissen auch Sie, liebe CDU. In Ihrer Haut möchte ich gerade nicht stecken. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Wir in Ihrer auch nicht! – Abgeordnete Hetav Tek [CDU]: Wir in Ihrer auch nicht!) Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall BA-Gruppe)
