Dr. Emanuel Herold
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, werte Gäste! Die Raumfahrt und die Nutzung des Weltraums ist für unser alltägliches Leben mittlerweile essenziell und unverzichtbar. Ohne Satelliten geht heute nichts mehr – keine Navigation, keine Banküberweisungen, keine Wetterdaten, keine Kommunikation. Die Raumfahrtbranche erlebt eine rasante Entwicklung. In den letzten Jahren sind viele Akteure aus dem Mittelstand deutlich gewachsen. Neue Start-ups sind auf der Bildfläche aufgetaucht und treiben die Branche mit Innovationen und innovativen Geschäftsmodellen voran. Raumfahrt ist ein Zukunftsmarkt mit überdurchschnittlichen Wachstumschancen. Es beeindruckt schlichtweg, wie der Standort Bremen und seine Unternehmen sich hier entwickelt haben. Für das Thema „Artemis II“ hat der Kollege Stahmann das entsprechend ausgeführt. Man kann auch auf junge Unternehmen wie Polaris und Marble Imaging verweisen, die hier einen Wahnsinnsaufstieg hinlegen. Vergangenes Jahr hatten wir hier die ESA-Ministerkonferenz, die Space Tech Expo ist in Bremen zu Gast, vorletztes Jahr war hier der Jahresempfang des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Das alles verdeutlicht, welche hohe Dynamik wir hier in Bremen haben. Deswegen ist es für mich völlig unverständlich und geradezu absurd, wenn man sich hier hinstellt wie Frau Gröninger und in der Vergangenheitsform darüber spricht, dass wir Dynamik und Kompetenz „hatten“. Das, finde ich, ist einfach Realsatire. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Bremens herausragende Position als Luft- und Raumfahrtstandort liegt nicht nur an seinen Unternehmen, sondern auch an seinen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Ich zähle die jetzt nicht alle auf, aber das ZARM, das IAT, das DLR-Institut für Raumfahrtsysteme, das Virtual Product House im ECOMAT seien einmal exemplarisch genannt. Wir haben hier einen neuen Exzellenzcluster an der Universität mit dem Titel „Die Marsperspektive“. Da geht es um Forschungsfragen der Materialwissenschaft, der Ressourcenschonung und Energiesysteme, aber formuliert aus dem Paradigma der Raumfahrt heraus. Da merkt man auch, wie das im Grunde genommen aus der Raumfahrtbubble, wie es gerade hieß, hinaus in andere Bereiche ausstrahlt und wirklich toll wirkt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke) Wir sind nicht nur im zivilen Bereich bei Innovation und Forschung mit dabei, sondern auch dort, wo es sicherheitsrelevant wird. Gerade letzte Woche kam die Nachricht, dass das Kartellamt die Kooperation von OHB und Rheinmetall freigibt, um Satelliten für die Bundeswehr zu entwickeln. Das ist nicht eine Meldung, die ich lese und wo mir irgendwie warm ums Herz wird. Das ist ein sensibler Bereich und da hängen eine ganze Reihe von Ambivalenzen mit dran. Wenn man sich aber einmal überlegt, worum es in der Sache geht – ein eigenständiges Kommunikationssystem für unsere Sicherheit in Deutschland und Europa aufzubauen, um von solchen Sachen wie Starlink und Elon Musk unabhängiger zu werden –, dann ist das am Ende des Tages eine gute Sache. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke) Wir fördern seit Jahren kontinuierlich mit dem Luft- und Raumfahrtforschungsprogramm diese Branche mit Millionen-Mitteln aus dem EFRE-Topf. Das werden wir auch entsprechend fortsetzen. Wir haben die Raumfahrtstrategie vorgelegt, wir hatten die Diskussion darüber bereits in der Wirtschaftsdeputation. Den Antrag, den Sie hier heute vorgelegt haben, finde ich dann auch überraschend. Sie haben sich viel Mühe gegeben, wirklich 34 Punkte daraus zu machen, in denen Sie mindestens bei der Hälfte der Beschlusspunkte, die Sie vorlegen, alle möglichen Aktivitäten und Strukturen, die wir haben, die aktiv sind und wirklich gute Arbeit leisten für den Standort, dort reinschreiben und dann dort Verben dazu bauen wie „verbessern“, „stärken“ und „weiterentwickeln“. So was werden wir hier nicht mittragen. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke)
