Carmen Emigholz
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Irgendwie sind wir alle auf verschiedenen Veranstaltungen, habe ich das Gefühl, muss ich so offen sagen. (Heiterkeit, Beifall SPD) Das hat nichts damit zu tun, dass man weiße Salbe auf irgendwelche Probleme schmiert. Das will ich hier ganz offen bekennen. Nur, man muss eben gucken, wie man das einordnet, was man vorfindet. Wir haben eine Szene, die auch die Stadt widerspiegeln soll. Das bedeutet, wir brauchen große und kleine Kultureinrichtungen. Die Kollegin Wargalla, die schon mehrfach zitiert worden ist, ganz zu Recht, hat gesagt, es ist wichtig, dass wir diese Vielfalt erhalten, und wir haben uns auch intensiv darum bemüht. Ehrlich gesagt, wir haben in der Deputation, abgesehen von dem Stadtmusikantenhaus-Bashing wenig Verbesserungsvorschläge seitens der Opposition erhalten. Es ist nämlich nicht so, dass wir nicht Verbesserungsvorschläge auch aufnehmen würden, wenn sie denn kämen. Was sind denn die Alternativen? Wir sollen ökonomisch arbeiten, wir sollen bestimmte Dinge machen. Wenn man noch nicht mal zu den Einrichtungen, von denen man meint, dass sie jetzt am Ende sind, hingeht und die letzten Entwicklungen betrachtet, dann kann ich auch nicht helfen. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Das letzte Konzert der Bremer Philharmoniker mit Bar Avni hatte über 80 Prozent Besucher. (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Und wie viele Karten wurden wirklich verkauft?) Alle werden wirklich verkauft. Die werden nicht verschenkt. Gerade bei den Philharmonikern werden sie nicht verschenkt, in dieser Situation. Es gibt immer Gästekarten, aber nicht in einem Umfang, der heute noch relevant ist, in der Größenordnung. Das machen die Leute auch heute nicht mehr. Das wollen sie auch gar nicht mehr. Ich will Ihnen ganz ehrlich sagen, Herr Humpich, wenn man nicht mal hingeht zu einem Konzert und sich das nicht mal anguckt, (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Das wissen Sie ja gar nicht!) dann sollte man auch nicht sagen, welche Entwicklung ein solches Projekt hat. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke – Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Das wissen Sie gar nicht!) Wenn man nicht wirbt, Herr Humpich, und wenn man nicht Dinge bewirbt – –. Es ist heute leider so, Sie sind doch Wirtschaftsexperte, dass ohne Marketing nicht ganz viel geht. (Beifall SPD) Da wird man – –. Unter Beifall hören wir Norbert Kölle, der das Konzept vorstellt. Sie finden es alle super, und jetzt in dieser Sitzung ist es gar nicht super. Da ist es ganz blöd. (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Ich habe nie gesagt, dass ich das super finde!) Ach so, okay. Sah aber so aus, auf der letzten Sitzung. Dann hätten Sie sich gerne melden können, dann hätten wir gleich darauf antworten können. Er hätte sich mit Ihnen auch noch mal darüber unterhalten. Wäre ja auch ganz fair gewesen, das zu tun. Das sind Dinge, da muss man drüber nachdenken. Es gibt noch eine andere Baustelle. Wir müssen moderner werden können, aber das kostet Geld. Dieses Geld – –, in der Größenordnung digitale Technik einzusetzen, Medien einzusetzen, mehr Werbung zu machen, kostet so viel Geld, das wir im Moment nicht haben, und Frau Vogt hat uns erklärt, warum auch für diese Veranstaltungsförderung, die wir sonst als Wirtschaftsförderung dazubekommen haben – weil Kultur ja auch ein Standortfaktor ist, weil dieser Bereich auch ein Standortfaktor ist –, diese Gelder wegfallen oder massiv gekürzt werden, weil es nicht anders geht, weil auch andere noch andere Prioritäten haben. Gar nicht so ganz einfach zurzeit, das Spiel, denn wir befinden uns nach wie vor in einer Haushaltsnotlage, wir haben nicht so viel zu verteilen. Jetzt kommen wir mal zum Stadtmusikantenhaus. Ich höre Sie noch reden, dass Sie gesagt haben: Sie werden niemals einen Betreiber für ein solches Konzept finden. Okay, das haben wir widerlegt. (Abgeordneter Claas Rohmeyer [CDU]: Das habe ich nicht gesagt!) Nein, ich habe auch nicht Herrn Rohmeyer angesprochen, sondern ich habe gerade Herrn Humpich angesprochen, Herr Rohmeyer. (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Ach, auch Herrn Humpich?) Oder haben Sie eine Doppelidentität? (Heiterkeit) Wenn das der Fall wäre, wäre das auch nicht übel. Ist mal ein ganz neues Konzept, so politisch vorzugehen. (Heiterkeit CDU) Ich meine ja bloß, ich meine ja bloß. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Ja, und wir hören ja auch bloß!) Ich meine, wir kennen uns ja alle schon ein bisschen länger, da kann man ja auch mal ein rustikales Wort sagen. Die Jungs sind ja auch nicht so scheu, das muss man ja auch mal ehrlich sagen. (Heiterkeit – Beifall SPD) Ja, ist doch so. Ist doch so. Meine Damen und Herren, wir werden sehen, ob sich das trägt. Das ist die Frage. Alleine der Beweis ist dann das Ergebnis, das muss man sagen. Dass man das nicht in drei Wochen oder in sechs Wochen macht, ist auch richtig. Wir brauchen fairerweise zwei Jahre, um das anzugucken, um das bewerten zu können. Anders kann es nicht gehen. Das werden wir auch machen und das ist natürlich richtig. Jetzt zum Kulturhaushalt: Ich habe keinen schreien hören in der Deputation, auch nicht, als die Szene gesagt hat, wir haben die und die Probleme, dass es anders sein sollte und wie es anders sein kann. Das ist ein ganz großes Problem auch der Alternativen, die wir haben. Wir haben einmal die fest verlässliche Finanzierung, die haben wir ja nicht nur bei den großen Kultureinrichtungen, sondern auch bei den kleinen. Wir behandeln die kleinen genauso verlässlich wie die großen. Das ist das eine. Das andere ist aber auch: Wie sollen wir bei den Kleinen, die freie Trägerstrukturen haben, bitte da reinregieren und den Kolleginnen und Kollegen erklären, wie sie ihre Arbeit zu machen haben? Wir hätten manchmal andere Ideen, sage ich ganz ehrlich, zum Beispiel auch beim Generationenwechsel oder auch, wie man sich zusammentut. Dafür entwickeln wir Fachtage. Wir machen große Foren, wir machen großes Brain Trust und auch einen Wissens- und Erfahrungsaustausch – auf unsere Initiative, weil die Kulturinitiativen das selber nicht tun. Das machen wir auch gerne als Dienstleistung von unserer Seite. Es gibt auch ein Format, in dem es regelmäßigen Austausch gibt, das sind zum Beispiel die „Denkzellen“. Es ist weder so, dass wir nicht mitkriegen, was draußen läuft, noch dass wir nicht auch Hilfsformate anbieten, noch dass wir wildwütig nicht wissen, was wir tun. Wir wollen die kulturelle Vielfalt der Einrichtungen erhalten. Es werden sich auch sicherlich Schwerpunkte rauskristallisieren in den nächsten Jahren. Das haben wir mit „City of Literature“ schon gesehen, mit anderen Dingen auch schon gesehen. Es wird sich rauskristallisieren. Aber in einer solchen Zeit, einer wirtschaftlichen Notlage, nun zu glauben, wir können alles umkrempeln, ist was anderes. Wenn Sie das Tabakquartier bashen, das können Sie gerne tun. Gehen Sie mal an Wochenenden dahin, (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Ja, mache ich regelmäßig: dunkel!) gehen Sie mal zu den Tagen der offenen Tür. Ja, kann ich mir vorstellen, im Dunkeln ist es dunkel. Ich war auch mal mit begeisterten – –, (Heiterkeit, Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) ich war auch mal mit einem Abgeordneten, mit begeisterten FDP-Politikern – –. (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Da ist nichts los! Wirklich!) Ich war auch mal mit einem Abgeordneten, begeistertem FDP-Politiker zu einem Besuch im Tabakquartier. Eigenartig, nicht? (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Das stimmt, ich habe den „Wirtschaftsjunioren“ gezeigt, wie toll Sie das in Bremen machen.) Ja. Fantastisch. Ich meine, das muss man nur einfach mal – –, man muss die Widersprüche aushalten können. Aber ich habe ja starke Nerven. In diesem Sinne freue ich mich über jede Anregung, auch über jede Schimpfe, und ich werde auch mit diesen Argumenten fertig. Das können Sie mir gerne glauben. Denn ich denke, wir können uns auch in der Deputation und in den Fachgremien unterhalten. Ich werde Sie nächstes Mal direkt ermuntern und ganz schwer offensiv ermuntern, Ihre Vorschläge einzubringen. Ich bin schon derart neugierig, dass ich es kaum aushalten kann. (Lachen BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Deshalb bitte ich die Präsidentin um Entschuldigung für die lange Gegenrede. – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)
