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Torsten Klieme

25.02.2026 Sitzungen 21/31

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Für den Senat beantworte ich die Anfrage wie folgt: Zu Frage 1: Die Kultusministerkonferenz hat entschieden, den Fokus im Mathematikunterricht der Grundschule stärker auf verstehensorientierte Rechenverfahren zu legen. Das folgt einem klaren mathematikdidaktischen Grundsatz: Verstehen kommt vor formaler Algorithmisierung. Die schriftliche Division ist ein komplexes formalisiertes Rechenverfahren. Damit sie sicher beherrscht werden kann, benötigen Schülerinnen und Schüler zuvor ein tragfähiges Verständnis von Zahlbeziehungen, Zerlegungen und Rechenstrategien. Genau hier setzt die Grundschule an, insbesondere mit halbschriftlichen Verfahren, die das mathematische Denken systematisch fördern. Zu Frage 2: Das mathematische Anspruchsniveau wird dadurch nicht gesenkt, im Gegenteil: Ziel ist es, die Grundlagen so abzusichern, dass formale Verfahren später tragfähig, sicher und verstehend erlernt werden können. Die schriftliche Division entfällt nicht, sondern wird zeitlich verlagert und in der Sekundarstufe I verbindlich behandelt. Damit folgt Bremen den überarbeiteten Bildungsstandards der KMK und dem eigenen Bildungsplan 0-10, der seit dem Schuljahr 2025/2026 gilt. Gemeinsam mit anderen Bundesländern folgt Bremen den wissenschaftlichen Empfehlungen, in den Grundschulen vermehrt auf das mathematische Verständnis statt auf formale Algorithmen zu fokussieren. Die Stärkung der Basiskompetenzen hat in Bremen eine sehr hohe Relevanz. Entsprechend dieser Vorgaben aus den Bildungsstandards der KMK wurde der Bremer Bildungsplan 0-10 erarbeitet, der seit dem Schuljahr 2025 gilt. In diesem Bildungsplan und in den aktuellen Entwicklungsübersichten ist die schriftliche Division nun konsequenterweise nicht mehr aufgeführt und damit nicht mehr übergangsrelevant. Dies entspricht auch einem der didaktischen Prinzipien im Landesprogramm Mathematik. Das Verfahren der schriftlichen Division verliert dadurch nicht seine Relevanz, es wird lediglich in die ersten Jahrgänge der Sekundarstufe I verlagert. Zu Frage 3: Internationale Vergleichsstudien zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Bildungssystemen nicht an einzelnen Rechenverfahren festzumachen ist. Entscheidend sind Unterrichtsqualität, Verständnistiefe und die systematische Entwicklung mathematischer Basiskompetenzen. Auch international erfolgreiche Bildungssysteme setzen in der Grundschule auf ein konzeptuelles Verständnis und flexible Rechenstrategien. Diesen wissenschaftlich fundierten Weg geht Bremen konsequent mit. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Entscheidung stärkt den Mathematikunterricht, sie schwächt ihn nicht. Sie folgt wissenschaftlichen Empfehlungen, bundesweiten Standards und dem Ziel, mathematische Kompetenzen nachhaltig und anschlussfähig zu entwickeln. – Vielen Dank!

Alle Reden von Torsten Klieme Protokoll (PDF) ↗