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Ute Reimers-Bruns

SPD 10.12.2025 Sitzungen 21/29

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Zu Beginn danke ich erst einmal dem Ressort für die detaillierte Beantwortung der 21 Fragen der Großen Anfrage der Koalition mit dem Titel „Alkoholabhängigkeit besser bekämpfen und Alkoholkonsum reduzieren“. Das Ganze ist schon im Mai erfolgt, aber es ist ja immer noch in diesem Jahr, dass wir darüber diskutieren und das zur Kenntnis nehmen. Deshalb bin ich froh, dass wir das zum Ende des Jahres auch noch hinbekommen haben. Vorweg benenne ich noch mal zwei Erkenntnisse, die in der Beantwortung dieser Großen Anfrage zentral sind: Erstens, Alkoholkonsum ist grundsätzlich gesundheitsschädlich, und zweitens, für die Gesundheit ist es am besten, keinen Alkohol zu trinken. Gut ist, dass der Alkoholkonsum in Deutschland seit etwa vierzig Jahren kontinuierlich abnimmt. Dennoch bleibt Deutschland ein Hochkonsumland mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Konsum von rund 10 Litern – 10 Liter reinem Alkohol pro Jahr. Damit liegt Deutschland auf Platz 9 der 27 EU-Mitgliedstaaten. Dieses hohe Konsumniveau bringt gravierende gesundheitliche Folgen mit sich. Da Alkohol ein gesundheitsschädigendes Zellgift ist, erhöht regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen wie Leber- und Herz-KreislaufErkrankungen, Krebserkrankungen und Schädigungen des Gehirns. Laut Landesgesundheitsbericht Bremen von 2024 waren psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol im Jahr 2021 bei Männern die häufigste Hauptdiagnose bei Krankenhausaufnahmen. Darüber hinaus tritt eine Alkoholabhängigkeit häufig in Kombination mit weiteren Abhängigkeitserkrankungen auf, da die Ursachen für diese Erkrankungen oftmals in den sozialen Lebensverhältnissen liegen. Die Abhängigkeitserkrankungen können wiederum die Lebensverhältnisse weiter verschlechtern und nicht selten in Armut oder Obdachlosigkeit münden. Das heißt, es ist sozusagen eine Spirale nach unten. Erschreckend ist, was eine Analyse der BARMER Ersatzkasse zeigt: Im Land Bremen ist ein erheblich höherer Anteil der Bevölkerung von Alkoholabhängigkeit betroffen als im bundesweiten Durchschnitt. 2022 waren 2,28 Prozent der Bevölkerung des Landes Bremen aufgrund von Alkoholabhängigkeit in ambulanter oder stationärer Behandlung. Das ist über ein Drittel mehr als der Bundesdurchschnitt. Die Daten der Nationalen Kohorte-Gesundheitsstudie, der NAKO-Gesundheitsstudie, zeigen, dass 34,1 Prozent der Teilnehmenden im Land Bremen einen riskanten Alkoholkonsum aufweisen. Die größte Risikogruppe dabei sind Männer sowie generell jüngere Menschen. Bei den jungen Menschen gilt es – ich will nicht sagen, dass bei allen erwachsenen Männern Hopfen und Malz verloren ist –, aber bei den jungen Menschen gilt es, gezielte Maßnahmen zur Prävention einzusetzen, (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) denn es ist erwiesen, dass junge Menschen vorsichtiger Alkohol konsumieren, wenn sie in Schulen und Jugendeinrichtungen über die Gefahren des Alkoholkonsums informiert werden, zum Beispiel durch schulische Präventionsmaßnahmen, etwa durch das Landesinstitut für Schule, das LIS. Dieses LIS, das führt dann Projekte zur Suchtprävention und zur psychischen Gesundheit durch und unterstützt damit. Ebenso fördern Programme wie „Verrückt? Na und!“ des LIS oder der Einsatz von Mental Health Coaches im Rahmen eines Modellprojektes des Bundesfamilienministeriums das Bewusstsein für seelische Gesundheit in Bremen und helfen, riskantem Alkoholkonsum vorzubeugen. Ziel dieser Präventionsprogramme ist die Reduzierung des Alkoholkonsums insgesamt und die Bekämpfung des Rauschtrinkens und der Alkoholabhängigkeit. Vor allem steht der Schutz von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Fokus, denn das Zellgift Alkohol ist besonders für Jugendliche in der Entwicklungsphase schädlich. Die Antworten auf die Große Anfrage geben Hinweise, was sowohl im Land Bremen als auch bundesweit getan werden kann, um das angeführte Ziel zu erreichen. Ich habe jetzt nur eine Auswahl genommen. Die über fünfzig Seiten dieses Berichts werden wir sicherlich noch im Einzelnen durchgehen, aber ich denke mal, dass hier jede Fraktion vielleicht auch ihre Schwerpunkte setzen wird. Erstens, wenn auf der einen Seite Präventionsmaßnahmen für Jugendliche entwickelt und durchgeführt werden, die bei den Jugendlichen einen kritischen Umgang mit Alkohol erzielen, dann darf auf der anderen Seite nicht weiterhin die intensive Werbung für den Konsum von Alkohol zugelassen werden. Hier muss ähnlich wie bei der Werbung für Zigaretten (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ein bundesweites umfassendes Werbeverbot für alkoholhaltige Getränke verhängt werden. Verschiedene Fachgesellschaften stellen diese Forderung seit Jahren auf. Es ist also nicht irgendwie ausgedacht, sondern Fachgesellschaften wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die Mitgliedsverbände dieser Hauptstelle sowie die Bundesärztekammer, die Bundespsychotherapeutenkammer, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, der Paritätische, die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie und andere fordern, dass wir in diese Richtung – damit meine ich wir, die Politik, wie es immer so schön gesagt wird – auch endlich einmal aktiv werden. Zweitens, die Kennzeichnung alkoholhaltiger Produkte mit gut sichtbaren gesundheitsbezogenen Warnhinweisen, ähnlich wie auf Zigarettenschachteln, wäre ebenfalls eine sinnvolle Maßnahme, da viele Menschen gerade in Bezug auf Alkohol ziemlich uninformiert über die gesundheitlichen Risiken außerhalb der Suchtgefährdung sind. (Beifall SPD) Dann haben wir schon was gemacht von der Bürgerschaft aus, darauf bin ich auch stolz: Wir haben von der Bürgerschaft ein richtungsweisendes Signal nach Berlin gesandt, und zwar schon im März dieses Jahres. Das begleitete Trinken muss abgeschafft werden. Dieses Ziel müssen wir weiterverfolgen. (Beifall SPD) Wir müssen noch mehr in die Präventionsarbeit investieren. Das ist ganz wichtig. Ich habe es bereits erwähnt: Das LIS spielt bei der Erarbeitung und Umsetzung von Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen eine zentrale Rolle, (Glocke) ich komme jetzt zum Schluss, genauso wie weitere Akteur:innen wie zum Beispiel das Gesundheitsamt mit dem Projekt „[Esc]ape“, das Projekt „Ausweg Gesucht“ und die „Wilde Bühne“. Die beiden letztgenannten haben auch schon Bundespreise erhalten für ihre hervorragende Arbeit in der Prävention. Lassen Sie uns hier nicht stehen bleiben, lassen Sie uns weitermachen! (Glocke) Wir müssen unsere Jugendlichen schützen. – Danke schön! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)

Alle Reden von Ute Reimers-Bruns Protokoll (PDF) ↗