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Sofia Leonidakis

Die Linke 08.10.2025 Sitzungen 21/26

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich verstehe die Argumentation, ehrlich gesagt, nicht so genau. Sie sagen, Sie finden die Idee gut, Herr Yazıcı. In den letzten zwei Jahren habe ich von Ihnen nicht gehört, dass Sie die Durchführung der IBA eingefordert haben. Dann machen wir es und dann beklagen Sie sich immer noch. (Abgeordneter Dr. Oğuzhan Yazıcı [CDU]: Das ist Ihre Idee, nicht meine! – Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Hat er gar nicht, er hat Ihr Unvermögen aufgezeigt.) Irgendwie, glaube ich, wollen Sie einfach nicht zufrieden damit sein, weil an sich ist der Antrag jetzt da, und für uns als Linke ist es so: Die Pflicht muss stehen und dann kann man eine IBA als Kür machen. Die Pflicht ist die Wohnraum- und die Städtebauförderung – die IBA, die Internationale Bauausstellung, kann aber gute Impulse nach Bremen bringen und gute Impulse für die Stadtentwicklung liefern. Wir glauben, dass dies Impulse für soziale Durchmischung sein können, für eine partizipative Stadtteilentwicklung, für ökologische inklusive Quartiere und – das möchte ich hinzufügen – auch architektonische und gestalterische Impulse, weil das in einigen Fällen in Bremen meiner Ansicht nach ausbaufähig ist, was in den letzten Jahren oder Jahrzehnten gebaut wurde. Ich persönlich finde die Überseestadt architektonisch sehr langweilig, wenig inspirierend, wenig anregend, auch leider immer noch mit wenig sozialen Einrichtungen wenig sozial. Die hat man erst hinterher eingeplant. Ich persönlich finde den Dudler-Bau auch relativ langweilig. Dieses „quadratisch, praktisch, gut“-Prinzip empfinde ich als wenig inspirierend und wenig anregend und auch nicht unbedingt als Qualitätskriterium für lebenswerte Quartiere, in denen man sich wohlfühlt, in denen es eine gute Aufenthaltsqualität gibt. Es gibt Ausnahmen. Ich möchte ganz explizit das Grüne Haus nennen, das die GEWOBA im Hohentor gebaut hat. Das finde ich architektonisch sehr anregend. Wir haben in Wien mit der IBA im Sonnwendviertel, wo die Bau-Deputation eine Besichtigung durchgeführt hat – auch mit Ihnen, Herr Yazıcı – wirklich gute Beispiele bekommen, wie man interessante, anregende, architektonisch schöne, ökologisch nachhaltige Quartiere bauen kann. Da gab es einen Nachteil, das war die Bezahlbarkeit, und die müssen wir natürlich in einer Stadt wie Bremen mitdenken. Das werden wir auch und das haben wir auch so in dem Antrag angelegt. Die IBA an sich ist erst mal ein Prozess. Das, was am Ende ausgestellt werden wird, ist nicht das Schaufenster für den dann wie auch immer aussehenden Senat, sondern es ist das Schaufenster dessen, was die Architektinnen und Architekten und Planerinnen und Planer, die Anwohnerinnen und Anwohner daraus gemacht haben. Dieser Prozess soll partizipativ sein, soll die Fachwelt einbinden und er soll auch internationale Koryphäen möglicherweise oder idealerweise einbinden. Ich möchte auch sagen: Die IBA muss nicht nur im Neubau denken. Die IBA kann auch in Bestandsentwicklung denken, sie kann in Quartiersentwicklung denken. Das wurde zum Beispiel auch in Hamburg gemacht, wo 1 200 Neubauten im Rahmen der IBA entstanden sind, aber auch 500 Bestandsgebäude in Form von öffentlichen Wohnungen entwickelt wurden. Auch das kann Teil einer IBA sein. Wir wollen ja nicht schöne, baulich schöne, aber teilweise sanierungsbedürftige Quartiere planieren, sondern wir wollen sie entwickeln, wir wollen sie schöner machen, wir wollen sie aufwerten, wir wollen eine soziale Durchmischung erreichen. Ich glaube, das steht diesen Quartieren sehr gut zu Gesicht. Das steht den Menschen, die dort wohnen, sehr gut zu Gesicht. Was wir gleichzeitig im Blick behalten wollen und müssen, unserer Ansicht nach, ist, dass wir darauf achten, dass wir keine Verdrängungsprozesse, keine einseitige Gentrifizierung erzeugen, sondern dass wir andersherum auch besser situierte Stadtteile mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnen im Auge behalten, damit nicht die Verdrängung von Menschen mit kleinerem Portemonnaie, die dort beispielsweise leben oder Wohnungen suchen, immer weiter an die Peripherie stattfindet, sondern auch andersrum ins Zentrum stattfindet. Genau diese sozialen Prozesse, die Durchmischung der Quartiere, die bauliche Aufwertung und Sanierung und die Schaffung von architektonischen Perlen im Bestand und im Neubau – genau so etwas kann die IBA leisten. Ich hoffe, dass wir ein paar Gebäude entwickeln, neu bauen, sanieren, dass wir schöne Quartiersplätze mit guter Aufenthaltsqualität, mit Begegnungsmöglichkeiten haben werden und wir wirklich stolz sein können auf die Architektinnen und Architekten und Stadtplanerinnen und Stadtplaner, die an dieser IBA beteiligt sein werden. Ich sage es ganz offen: Die IBA wird auch kein Spaziergang. Natürlich ist es ein Kraftakt, die Finanzierung und den Prozess auf die Reihe und auf die Kette zu bringen. Das werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten machen. Für eine IBA gibt es aber keine Standardschablone, sondern eine IBA kann sich auf lokale Gegebenheiten anpassen, eine IBA kann ein Megaprojekt sein, sie kann aber auch klein und zielgerichtet sein. Wir werden das so machen, wie es für Bremen und Bremerhaven passt, wie es auf unsere Zielvorstellungen passt. Einige Zielvorstellungen sind bereits genannt worden, die Kollegin Bithja Menzel wird bestimmt noch weitere nennen, sie sind im Antrag veranlagt. Das Konzept und die Finanzierung werden jetzt in Auftrag gegeben. Wir werden das Schritt für Schritt über die Bühne bringen und aufgleisen. Ich glaube, dass sich auch in der Verwaltung schon gute Gedanken gemacht wurden, wie man so etwas aufbauen kann, wie es sinnvoll und mit Augenmaß, aber mit Impulsen, die Bremen und Bremerhaven weiterbringen, die vor allem die Menschen in den Stadtteilen weiterbringen, gelingen kann. Ich fand Wien, ehrlich gesagt, inspirierend. Wie gesagt, die Bezahlbarkeit hat da noch gefehlt, das wurde unzureichend mitgedacht. Das können wir aber ja machen und das wollen und werden wir auch machen. Auch die Erfahrungen aus Hamburg haben wir eingebunden. Dort hat es auch Kritik an der Gentrifizierung gegeben. Doch den Aspekt der Bestandsentwicklung empfinde ich tatsächlich als einen sehr interessanten, den wir hier auch mitnehmen werden. Ich hoffe, dass im Rahmen dieser IBA architektonische und stadtentwicklungspolitische Perlen entstehen werden. Es ist ein mehrjähriger Prozess, der auch große Anforderungen an die Partizipation der Anwohnerinnen und Anwohner mit sich bringt. Wir nehmen uns da schon etwas vor; aber ich glaube, es ist gut, dass wir auch mal einen Schritt weiterdenken als bis zum nächsten oder übernächsten Jahr und dass wir diesen mehrjährigen Prozess angehen. Ich glaube, das wird Bremen und Bremerhaven und die beteiligten Quartiere weiterbringen. – Danke schön! (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Sofia Leonidakis Protokoll (PDF) ↗