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Dr. Franziska Tell

GRÜNE 08.10.2025 Sitzungen 21/26

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Wenn ein Kind in einer psychischen Krise ist, dann ist das schlimm. Wenn ein Kind aber in einer psychischen Krise ist und dann nicht zeitnah Hilfe bekommen kann, ist das noch sehr viel schlimmer. Darum wollen wir mit dem heute vorgelegten Antrag dafür sorgen, dass die Unterstützung für Kinder und Jugendliche in psychischen Krisen, die psychisch krank sind, verbessert und gestärkt wird, damit diese Situationen nicht vorkommen, damit es nicht mehr vorkommen muss, dass Kinder lange auf Unterstützung warten müssen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Ganz konkret braucht es dafür als Allererstes eine psychotherapeutische Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, die den Bedarfen, die wir haben, wirklich gerecht wird. Wir wissen auch aus der Großen Anfrage, die wir vor längerer Zeit schon debattiert haben, dass die Bedarfe leider gestiegen sind. Entsprechend dieser gestiegenen Bedarfe braucht es auch mehr Angebote. Es braucht ausreichend Praxen, es braucht ausreichend Orte, wo Kinder und Jugendliche behandelt und unterstützt werden können. Da muss sich dafür eingesetzt werden, dass der Bund die entsprechende Bedarfsplanung auf den Weg bringt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Genauso wie diese Regelung braucht es vor Ort auch die Möglichkeit, Praxen zu schaffen. Wir brauchen eine gute Verteilung in den Quartieren in Bremen. Es kann nicht sein, dass in gewissen Stadtteilen ein Angebot an psychotherapeutischen Plätzen für Kinder zur Verfügung steht und in anderen nicht. Es muss darauf geschaut werden, auch bei der Stadtplanung, dass die entsprechenden Angebote vorgehalten werden können und die Kinder vor Ort unterstützt werden können. Es braucht auch, wenn möglich, einen Zugriff auf freie Plätze, denn es kommt immer mal wieder vor, dass es freie Plätze gibt, dass die Kinder und Jugendlichen die Bedarfe haben, diese freien Plätze aber nicht finden können, weil sie nicht davon in Kenntnis sind. Auch da muss sich noch mal angeschaut werden: Wie kann noch gezielter dafür gesorgt werden, dass die Kinder und Jugendlichen, die Hilfe brauchen, diese Plätze schnell finden können und nicht erst ewig rumtelefonieren müssen, um einen freien Platz zu finden? (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Neben dem gesundheitlichen Angebot und der Möglichkeit der Behandlung müssen wir aber auch den Bereich der Prävention stärken. Denn die beste Behandlung ist die, die gar nicht stattfinden muss, weil wir die Kinder und Jugendlichen schon so früh unterstützen, dass sie gar nicht erst in die psychische Krise geraten, oder dass sie früh genug unterstützt werden, damit es nicht noch schlimmer wird. Da ist es wichtig, einmal genau zu schauen: Was gibt es eigentlich für Angebote in Bremen? Denn einige gibt es auch schon. Dann die Frage: Wen erreichen diese Angebote eigentlich und welche Personengruppen vielleicht auch nicht? Welche Familien, welche Kinder und Eltern können noch nicht von diesen notwendigen Angeboten profitieren und wo bestehen noch zusätzliche Bedarfe? Das muss sich noch einmal genauer angeschaut werden, um dafür zu sorgen, dass es da, wo es noch Bedarfe gibt, auch einen Ausbau geben kann und die Arbeit stattfinden kann. Prävention findet natürlich ganz stark an den Orten statt, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten. Das sind natürlich ganz besonders die Schulen. Die Schulen, in denen es wichtig ist, alle Erkrankungen in den Blick zu nehmen, egal ob es um Essstörungen geht, ob es um Medienkonsum und daraus resultierte psychische Probleme geht, ob es um Substanzkonsum geht. All diese Themen müssen auch in der Schule eine Rolle spielen und natürlich müssen Lehrkräfte darauf vorbereitet werden, damit umzugehen. Darum wollen wir auch die Angebote am Landesinstitut für Schule in diesem Bereich noch einmal stärken und dafür sorgen, dass Lehrkräfte gut darauf vorbereitet werden, Schüler:innen zu unterstützen, damit umzugehen und auch Präventionsarbeit in die Schule zu bringen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Schließlich muss man natürlich auch noch mal schauen: Was sind eigentlich die Ursachen für die psychischen Krisen von Kindern und Jugendlichen? Wie kann das adressiert werden, wie können wir dem Ansatz „Mental Health in all Policies“ wirklich folgen und dafür sorgen, dass wir schauen: Was sind eigentlich die Gründe, warum Kinder und Jugendliche an psychischen Krisen leiden? Wie können wir sie davor bewahren oder, wenn es dazu kommt, auch unterstützen? Das heißt, wir wollen die gestiegenen Bedarfe, die es im Bereich von psychischen Unterstützungsbedarfen von Kindern und Jugendlichen gibt, noch einmal genauer in den Blick nehmen. Wir erkennen, dass es diese Bedarfe gibt und dass hier gehandelt werden muss. Damit sorgen wir dafür, dass weniger Kinder und Jugendliche in der Krise leiden, sondern Unterstützung erhalten und auch zukünftig durch gute Präventionsarbeit weniger Kinder überhaupt betroffen sind. All das fordern wir mit diesem Antrag und ich freue mich auf Ihre Unterstützung. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke)

Alle Reden von Dr. Franziska Tell Protokoll (PDF) ↗