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Ole Humpich

FDP 10.09.2025 Sitzungen 21/25

Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste! Keine Sorge, wir bleiben in der ruhigen Tonart bei dieser Debatte. Wir sprechen heute über ein Thema, das viele bewegt und doch viel zu oft im Stillen bleibt. Es geht um Kinder und Jugendliche, die mit einem psychisch kranken oder suchterkrankten Elternteil aufwachsen. Das ist in Bremen, wir haben es heute schon gehört, etwa jedes vierte Kind. Das bedeutet hier bei uns im Land zwischen 26 000 und 28 000 junge Menschen, die täglich Belastungen schultern, die für ihr Alter schwer zu ertragen sind. Diese Kinder brauchen nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sie brauchen auch unsere Verlässlichkeit. Sie tragen ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Sie erleben Unsicherheit, Scham, manchmal auch Überforderung. Wir dürfen nicht warten, bis sich diese Erfahrungen in Lebensläufe einschreiben. Wir müssen frühzeitig handeln. Schauen wir uns die Antworten des Senats an. Diese machen deutlich: Wir wissen manches, aber längst nicht genug. Wir schätzen, wir vermuten, wir erfassen aber nicht systematisch. Ohne eine solide Datenbasis bleibt es, wie vieles im Gesundheitsbereich, lediglich Stückwerk. Wie können wir passende Angebote schaffen, wenn wir nicht genau wissen, wie groß der Bedarf eigentlich ist? Hier wünschen wir uns als FDP-Fraktion mehr Klarheit, auch wenn das Dunkelfeld nicht vollständig zu erheben sein wird. Zugleich sehen wir aber, dass es viele Angebote gibt, von ReBUZ über Jugendämter bis zum „Netzwerk Kinder psychisch kranker Eltern in Bremen“. Dieses Netzwerk ist ein wichtiger Baustein für Kinder und Eltern. Aber es reicht nicht aus und die Wartezeiten, gerade, wenn Kinder und Jugendliche selbst therapeutische Hilfe brauchen, sind zu lang. Prävention und frühe Intervention sind dabei das Gebot der Stunde. Besonders wichtig erscheint uns die Schule. Dort verbringen die Kinder, das ist allgemein bekannt, den größten Teil ihres Alltags. Dort haben Lehrerinnen und Lehrer die Chance, erste Signale wahrzunehmen. Aber dafür müssen sie auch sensibilisiert und unterstützt werden. Gleiches gilt für Kinderärztinnen und Kinderärzte, die bisher nicht in einer Gesamtstrategie eingebunden sind. Wir brauchen ein gemeinsames Handeln über Ressortgrenzen hinweg. Soziales, Gesundheit, Bildung – niemand kann dieses Feld allein abdecken. Nehmen Sie sich alle an die Hand und laufen Sie gemeinsam vorweg! Der Bund hat im Januar einen Antrag einstimmig beschlossen, der genau in diese Richtung weist: ein kommunales Gesamtkonzept, multiprofessionell, qualitätsgesichert, rechtskreisübergreifend. Ich finde, auch wir hier in Bremen sollten uns dem anschließen. Ich bin gespannt auf Ihren Antrag dazu. Wir müssen die vorhandenen Strukturen bündeln, statt sie nebeneinander herlaufen zu lassen. Der Einsatz von „EX-IN“-Kräften beispielsweise, also Menschen mit eigenen Erfahrungen, verdient dabei Beachtung und sollte berücksichtigt werden. Denn sie können die Brücken schlagen, die andere nicht schlagen können. Aber auch hier gilt: Wir müssen die bestehenden Ressourcen klug einsetzen und diese auch weiterentwickeln. Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie mich mit einem letzten Gedanken schließen: Kinder, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil leben, brauchen keinen Mitleidsbonus. Sie brauchen Halt, Ansprechpartner, Wege in die Unterstützung – frühzeitig, niederschwellig und verlässlich. Es ist unsere Aufgabe hier im Haus, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. – Vielen Dank, meine Damen und Herren! (Beifall FDP, CDU)

Alle Reden von Ole Humpich Protokoll (PDF) ↗