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Sandra Ahrens

CDU 10.09.2025 Sitzungen 21/25

geehrten Damen und Herren! Stellen Sie sich ein Kind vor: Es sitzt morgens in der Schule, wirkt unkonzentriert, vielleicht auch verstört. Zu Hause erlebt es Chaos, weil Mama oder Papa suchtkrank sind. Dieses Kind braucht, da sind wir uns, glaube ich, einig, Aufmerksamkeit, Schutz und eine helfende Hand. (Beifall CDU, BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Doch in Bremen wird seine Notlage nur durch Zufall erkannt, es wird vielleicht geholfen, in jedem Fall aber nicht klar dokumentiert, sodass das Kind seine Not immer wieder neu erklären muss. Glauben Sie nicht? Hätte ich ehrlicherweise auch nicht geglaubt, bevor ich die Antworten auf die Große Anfrage hier nachlesen musste. In der Antwort Nummer 5 auf Seite 6 kann man beispielsweise lesen, dass der Senat von steigenden Zahlen spricht und gleichzeitig von einer massiven Nichtinanspruchnahme der Hilfen. Genauer führt er aus, ich zitiere wörtlich: „Es ist davon auszugehen, dass eine erhebliche Zahl betroffener Kinder bislang keinen“, ich wiederhole: keinen, null, nada, „Zugang zu unterstützenden Systemen hat.“ Wer sich das auf der Zunge zergehen lässt, der kommt eigentlich nur zu fünf Schlussfolgerungen, die man in diesem Papier nachlesen und auch nachvollziehen kann. Ich kann Ihnen die Seitenzahlen dazu sagen. Erstens, der Senat kennt nicht einmal die Zahlen. Statt klarer Daten grobe Schätzungen, mal 16 000, mal 20 000, mal 1/5, mal 1/4 aller Kinder. Wie will man zielgerichtet Hilfen steuern, wenn man nur Hochrechnungen aus Bundesstatistiken kennt? Sie sind blind, wo Sie gerade bei bundesweit der höchsten Kinderarmut hier vor Ort und überdurchschnittlicher Belastung sehend sein müssten. Das muss sich ändern, meine Damen und Herren! (Beifall CDU) Zweitens, es gibt keine systematische Erfassung. Das führen Sie seitenweise aus. Jugendämter fragen nicht nach, Schulen dokumentieren Belastungen nicht. Das heißt im Umkehrschluss: Das Kind kann jahrelang leiden, ohne dass jemand erkennt, warum. Was ist die Ursache? Es werden nur Symptome bekämpft. Das hilft aber weder dem Kind, noch sorgt es dafür, dass das Kind aus der Situation kommt. Das ist, ich übersetze Ihnen das mal, als ob wir einen Feueralarm überhören, die Mikrobrände im Haus nicht sehen oder dem falschen Nachbarn zuordnen und erst dann löschen, wenn aus dem Dach schon die Flammen schlagen. Diese Fehlentscheidung, das etablierte System des Drogen-Screenings für das Labor für Pharmakologie und Toxikologie aufzugeben und durch ein schlechteres System zu ersetzen, schlägt noch einmal oben drauf. Ich will die Debatte hier nicht wiederholen, aber das ist falsch, was Sie da gemacht haben, meine Damen und Herren. (Beifall CDU) Diese Praxis der Bremer Jugendämter und der Schulen muss sich verändern, damit Hilfe die Kinder erstmalig erreicht. Wie gesagt, Sie sagen selber in Ihren Antworten: Ein Großteil der Kinder ist ohne jegliche Hilfe. Zum Dritten kann man ganz klar nachlesen, dass Sie überhaupt keine Strategie haben. Der Senat sagt selbst, man arbeite situativ. Das bedeutet Flickwerk statt Konzept. Familien irren von Amt zu Amt, von Tür zu Tür, und jede Tür verweist vom Ressort 1 auf Ressort 2, auf Ressort 3, auf den anderen. Während Behörden reden, bleiben Kinder auf der Strecke und leiden. Anders kann man die Antworten auf Frage Nummer 9 nicht verstehen. Viertens, auch das wird seitenweise sehr deutlich ausgeführt: Die Hilfsangebote reichen nicht. Es gibt tolle Projekte wie „Kidstime“ oder „Locke-Gruppe“, aber sie erreichen nur einen Bruchteil der Betroffenen. Betroffene kennen sie nicht einmal. Präventionsmaßnahmen liegen auf Eis, weil Geld fehlt. Für das Geld sind Sie als Haushaltsgesetzgeber zuständig, meine Damen und Herren. Sie können das ab morgen ändern. Wenn wir dann an der Stelle feststellen, was das über Prioritäten aussagt, dann zeigt das doch eigentlich nur, dass wir bei den Schwächsten nicht das tun, was notwendig ist, oder sogar sparen. Während die Kita es nach Antwort Nummer 3 gerade irgendwie noch hinbekommt, ist das in der Schulzeit als Riesenproblem insgesamt dargestellt worden. Da müssen wir ran, meine Damen und Herren. Fünftens, es gibt auch keinen speziellen Schutz für Kinder suchtkranker Eltern. Dabei sind gerade diese Kinder extrem gefährdet. Meine Vorredner:innen haben es ja mehrfach ausgeführt. Doch es gibt nur Standardverfahren, es gibt kein passendes Schutzkonzept. Das ist, ich übersetze Ihnen das wieder, als ob wir ein Kind ohne Schwimmweste aufs offene Meer schicken. Damit verfehlt Bremen die Chance, Kinder gezielt zu stabilisieren, bevor Schäden irreparabel werden. Es braucht doch, um noch mal in dieses zugegebenermaßen etwas überspitzte Bild zurückzukehren, eine Schwimmweste für die Kinder und eine Schwimmlehrkraft, die das Kind und seine Familie begleitet. Meine Damen und Herren, ich bin froh, dass die Grünen an dieser Stelle das Thema aufgebracht haben. Nichtsdestotrotz muss man auch deutlich sagen: Von 2011 bis 2023 war Anja Stahmann von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN diejenige, die das Jugendamt geführt hat und die das Amt für Soziale Dienste geführt hat. Viele der Defizite sind also nicht auf Frau Schilling zurückzuführen, sondern gehen ganz klar auf die Zeiten der Grünen zurück. (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Da hat sie aber Glück gehabt!) Nichtsdestotrotz, das haben hier ja alle Redner:innen nacheinander gesagt: Wir schaffen es auch heute noch nicht, obwohl Sie sich doch so lieb haben, vonseiten SPD, Grünen und der Linken, ressortübergreifend dieses Thema zum Wohle der Kinder in Bremen zu bearbeiten. (Beifall CDU) Das, meine Damen und Herren, im Jahre 2025 kann es nicht sein. Deswegen freuen wir uns sehr über den Antrag, den Sie angekündigt haben. Gern sind wir bereit, wenn der Antrag gute Ansätze enthält, hier gemeinsam mit Ihnen zu unterschreiben und gemeinsam für Verbesserung für die Kinder im Lande Bremen zu streiten. Denn Kinder suchtkranker Familien haben es dringend nötig, nicht nur darüber zu reden, wie Frau Kähler sagte, sondern mit Taten, konkreter Hilfe an der Stelle für Verbesserung in ihrem Leben zu sorgen. – Danke schön! (Beifall CDU)

Alle Reden von Sandra Ahrens Protokoll (PDF) ↗