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Sandra Ahrens

CDU 10.09.2025 Sitzungen 21/25

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! 42 Krankheitstage im Durchschnitt – bundesweit der höchste Wert. Ich finde, da ist „ausgebrannt“ genau die richtige Wortwahl, meine Damen und Herren. (Beifall CDU, BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Ich erkläre es Ihnen mal anders, für alle, die sich mit Kitas nicht so gut auskennen: Stellen Sie sich eine Fußballmannschaft vor. Von zehn Spielerinnen auf dem Feld bleiben nur fünf dauerhaft dabei, vier davon übrigens in Teilzeit und mit Unterbrechungen. (Heiterkeit BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Zwei wechseln in andere Teams und zwei verlassen den Sport ganz. Am Ende wundern wir uns dann hier mit Krokodilstränen, warum das Spiel nicht mehr funktioniert. Genauso sieht es um die Erzieherinnen und Erzieher in Bremen aus, meine Damen und Herren. (Beifall CDU, BÜNDNIS DEUTSCHLAND, FDP) Nach zehn Jahren sind nur noch 36 Prozent im Beruf, in Niedersachsen fast die Hälfte, in NRW und Baden-Württemberg sogar über 55 Prozent. Bremen schafft es nicht, konkurrenzfähige Rahmenbedingungen zu schaffen, weder beim Halten noch beim Verbleib, noch bei anderen Bereichen. Immer sind wir die Schlechtesten, das hebt die Studie eiskalt, klar und deutlich hervor. Das ist kein Zufall, meine Damen und Herren, das ist Politikversagen. Bundesweit stiegen die Ausbildungszahlen um 40 Prozent, in Bremen um 26 Prozent; und das, obwohl wir anders als alle anderen Bundesländer im Vorfeld, nämlich 2013, durch zwei Studien, die hier durchgeführt wurden, für Bremen genau wussten, wie groß der Bedarf ist. Jedes Mal wurde uns als Opposition mitgeteilt, das reiche mit den Ausbildungszahlen, wir hätten keine Ahnung, die Fachkräfte hätten keine Ahnung. Ich kann Ihnen versprechen, jetzt ist rausgekommen, wer keine Ahnung hatte: Das war RotRot-Grün, meine Damen und Herren. (Beifall CDU) Der Senat wusste es, er hätte handeln können, aber er tat es nicht, mit Vorsatz, mit Ansage. Heute fehlen die Fachkräfte. Schauen wir auf die Inklusion: bei uns als einziges Bundesland flächendeckend umgesetzt, aber ohne ausreichende Finanzierung oder Personal. In Niedersachsen betreuen drei Fachkräfte sechzehn Kinder, eine davon ist heilpädagogisch ausgebildet. Das können Sie auf Seite 58 der Studie nachlesen. In Bremen sind es zwei Fachkräfte für zwanzig Kinder. Bis zu 70 Prozent davon – das sind vierzehn von den zwanzig Kindern – haben Inklusionsbedarf. (Abgeordnete Miriam Strunge [Die Linke]: Das ist aber ein Einzelfall, das ist nicht die Regel!) Nur eine der Fachkräfte ist zweijährig ausgebildet, die andere fünfjährig. Das zeigt: Das ist keine Inklusion, meine Damen und Herren, das ist Überforderung der Fachkräfte. (Beifall CDU, BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Noch schlimmer: Ein Drittel aller Kitas trägt die Hauptlast. Dort sind 80 Prozent aller sprachauffälligen Kinder konzentriert und genau dort ist auch der Inklusionsanteil am höchsten. Wer solche Bedingungen zulässt und sie sich durch das Online-Anmeldeverfahren noch zusätzlich verstärken lässt – da kann man nämlich keine Haken setzen, da ist keine Aufteilung der Kinder entsprechend der Ressourcen möglich –, der darf sich nicht wundern, wenn Fachkräfte am Schluss gehen. Das muss sich endlich ändern und das, liebe Linke, nicht nur mit Worten, sondern zur Abwechslung auch mit Taten. Instagram-Posts reichen nämlich nicht! (Beifall CDU) Die Folgen sind dramatisch. Schon nach zwölf Monaten ist nur noch jeder Zweite im ursprünglichen Beschäftigungsverhältnis. Die Hälfte geht. Nach zehn Jahren sind es mal noch gerade schlappe achtzehn Prozent. Das ist das Gegenteil von Bindung, das ist ein Risiko für die Kinder, meine Damen und Herren, und das, wo jeder Wissenschaftler sagt, Bindungstheorie sei das Wichtigste – je jünger, desto mehr. Meine Damen und Herren, diese Studie legt das Versagen des Senats offen: Bremen bildet aus, aber zwei Drittel sind nach zehn Jahren weg. Übrigens auch nicht alle im Studium, Sie können die Zahlen genau nachlesen, das sind knappe 15 Prozent. Nur jeder Zehnte bleibt in dieser Zeit durchgängig im Beruf. Überlastung, schlechte Bezahlung, fehlende Wertschätzung – so verliert man Menschen. Wir als Opposition sagen klar: Wir brauchen verbindliche Personalschlüssel mit echten Vertretungsreserven und nicht das, was Sie derzeit hier in Bremen betreiben, zum Beispiel beim größten Träger den Abbau derselbigen. Wir brauchen faire Bezahlung, klare Karrierewege, auch für Erzieher:innen, und nicht Qualitätsabsenkung à la BremKTG, die Sie gerade den Erzieher:innen zumuten; eine Ausbildung, die nicht abschreckt, sondern bindet, anders als laut Studie bisher mit Anleitern, die die Zeit dafür dann auch erstmalig bezahlt bekommen; Vertretungsreservezeit und eine Finanzierung, die Inklusion und Sprachförderung wirklich trägt. Bremen darf nicht länger Schlusslicht bleiben, meine Damen und Herren. Sonst – und da warnt die Studie eindrücklich vor – werden die Fachkräfte weiter abwandern und es ist nicht mehr aufholbar. Unsere Kinder verdienen die besten Bedingungen, nicht die schlechtesten. Zum Schluss nur noch mal für alle zum Mitdenken: 50 Prozent Kinder mit Sprachförderbedarf, Tendenz steigend; 38 Prozent Kinderarmut, steigende Inklusionszahlen; bundesweit die am stärksten umgesetzte Inklusion ohne Fachkräfte. Das sind die Rahmenbedingungen, die Sie derzeit haben. Sorgen Sie dafür, dass das Personal bitte auch kommt, damit das dann vernünftig bearbeitet werden kann und die Kinder Bildungsgerechtigkeit erfahren und Ihr Bildungsversprechen keine Utopie bleibt, meine Damen und Herren. (Beifall CDU, BÜNDNIS DEUTSCHLAND)

Alle Reden von Sandra Ahrens Protokoll (PDF) ↗