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Fynn Voigt

FDP 10.09.2025 Sitzungen 21/25

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen aufgrund einer Studie über den Verbleib von Fachkräften in unseren Kitas, die entsprechende Medienberichterstattung darauf und schlussendlich aufgrund von BÜNDNIS DEUTSCHLAND nun hier über die Studie, die René Böhme über den Verbleib von Erziehern im Kitabereich erstellt hat. Ich danke René Böhme recht herzlich, weil das eine Studie ist, die wir als Fraktion auch schon sehr lange gefordert haben. Ein Antrag befindet sich tatsächlich immer noch irgendwo unten auf unserer Tagesordnung der sehr, sehr lange sagen. Es ist trotzdem sehr, sehr gut, dass diese Umstände noch mal wissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Nun ist es daran, diese Studie zu nutzen und aus ihren Ergebnissen Handlungsempfehlungen abzuleiten und auch in Handeln umzusetzen. Nichtsdestotrotz, dass die Umstände schon länger bekannt sind, sind die Zahlen nicht weniger erschreckend. Herr Fricke hat das schon angerissen: Nach zehn Jahren arbeiten nur noch 36 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher weiter im Berufsfeld. Das sind tatsächlich zwei Drittel Schwund, den wir da haben. Das heißt, zwei Drittel haben wir auf dem Weg verloren. Ein Drittel von dem jetzigen Personal denkt darüber hinaus darüber nach, in das Umland zu wechseln. Wir konkurrieren da sehr, sehr stark mit Niedersachsen, das nicht diese großen Herausforderungen hat, das zusätzlich über den frühkindlichen Bildungsbereich hinaus auch noch mit günstigem Wohnen, mit anderen Themen, die wir hier immer wieder in der Die Teilzeit liegt überdurchschnittlich bei 58 Prozent, wenn man sich mit anderen Bundesländern vergleicht. Das heißt, es sind sehr, sehr schlechte Umstände, mit denen wir hier in Bremen arbeiten müssen. Wir sprechen da über Themen, die wir auch immer wieder in der Bürgerschaft besprechen: die Gruppengröße, multiprofessionelle Teams, Sprachförderung, die die Erzieherinnen und Erzieher überfordert. Schlussendlich löst man das mit Nachwuchs. Wir müssen gucken: Wie kommen wir an neue Erzieherinnen und Erzieher heran? Das wird auch sehr, sehr stark in der Studie diskutiert und darauf möchte ich in meiner Rede besonders eingehen. Überrascht hat mich nämlich der Umstand, dass die Steigerung der Schülerinnen- und Schülerzahlen im Erziehungsausbildungsbereich sehr, sehr unterdurchschnittlich im Vergleich zum Bundesschnitt liegt. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Mich hat das nicht überrascht!) Bei uns liegen sie nämlich bei 26 Prozent, im Bund bei 40 Prozent und das, obwohl wir hier in Bremen stärkere Herausforderungen haben als in anderen Bundesländern. Insoweit stellt sich die Frage: Warum sind die Zahlen hier so unterdurchschnittlich zu den anderen Bundesländern? Die Studie liefert darauf einige Antworten. Ich möchte auf zwei Punkte eingehen, die wir hier auch schon öfter thematisiert haben. Das ist einmal die PiA-Ausbildung. Wer sich intensiver mit der PiA-Ausbildung beschäftigt, weiß, dass das ein Erfolgsmodell ist. In der Studie wird auch noch mal hervorgehoben, dass sich die Schülerinnen und Schüler, die den Erzieherberuf anpeilen, in ihrer Ausbildung mehr Praxis wünschen. Die PiA-Ausbildung macht genau das. Das ist allerdings genau die Ausbildung, die der Senat immer weniger finanziert, die der Senat immer weiter schwächt. Wir stehen hier zusammen mit der CDU und sagen immer wieder: „Die PiA-Ausbildung muss gestärkt werden.“ Ich glaube, die Studie zeigt, dass wir richtig liegen. (Beifall FDP) Ein zweiter Punkt, den ich besonders hervorheben möchte, ist die Aufstiegsfortbildungsprämie, die auch in der Studie erwähnt wird, die Sie von 4 000 Euro auf 1 300 Euro gesenkt haben. In der Studie wird auch hervorgehoben, dass es Demonstrationen dagegen gab. Ich kann Ihnen sagen, das ist ein ausgesendetes Signal, das katastrophal ist. Wertschätzung sieht anders aus. Die Erzieherinnen und Erzieher der Zukunft brauchen mehr als warme Worte, sie brauchen Taten! Dazu zählt auch so etwas wie eine Aufstiegsfortbildungsprämie. (Beifall FDP, CDU) Schlussendlich kann man, glaube ich, sagen, dass diese Handlungsempfehlungen, die am Ende der Studie stehen, unseren Forderungen der Opposition Recht geben. Wir sehen insgesamt, dass die Lage nicht nur schlecht ist, sondern dass sie auch noch droht, schlechter zu werden. Es ist eindeutig sichtbar, dass das, was wir bisher machen, nicht ausreicht, dass Sie mehr machen müssen, etwas anders machen müssen. Es liegen nicht nur unsere Vorschläge aus der FDP-Fraktion, aus der CDUFraktion auf dem Tisch, sondern wir haben ja auch schon zwei Kitagipfel gehabt, auf denen aus den Fachkräfte-, aus den Expertenreihen ganz viele Vorschläge gemacht wurden, die jetzt auch an der Zeit sind, umgesetzt zu werden. Sie haben den ersten Schritt gemacht, aus dem Kitagipfel heraus diese Studie umzusetzen, aber eine Studie reicht nicht. Wir brauchen einen sehr, sehr starken Richtungswechsel. Wir sind gespannt, was Sie aus diesen Schlüssen der Studie machen – Handlungsempfehlungen sind da, Vorschläge liegen auf dem Tisch. Wir werden das konstruktiv begleiten und unsere Ideen dazu weiter einbringen, damit wir in diesem Bereich nach vorne kommen. – Vielen Dank! (Beifall FDP)

Alle Reden von Fynn Voigt Protokoll (PDF) ↗