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Kathrin Moosdorf

20.08.2025 Sitzungen 21/24

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete, liebe Gäste! Der Klimawandel ist kein Szenario mehr, das irgendwann kommt, sondern er ist jetzt da. Er verändert unsere beiden Städte Bremen und Bremerhaven und das haben wir auch dieses Jahr schon mehrfach gespürt. Das ist in unseren beiden Städten, die vom Wasser geprägt sind, natürlich besonders deutlich. Das Thema Werdersee ist hier ein zentrales Thema, aber auch die anderen Gewässer Weser, Wümme, Ochtum, Geeste, unsere Badeseen und unsere Teiche leiden unter der Klimakrise. Unsere Lebensadern stehen hier unter Druck. Weil es schon so oft angesprochen wurde, möchte ich ein paar Worte zum Werdersee sagen, denn da wird es im Moment natürlich besonders deutlich, wie wichtig unsere Gewässer für Erholung, für Sport sind, was für ein wichtiger Lebensraum, die hohe ökologische Bedeutung, aber auch für Tiere und Pflanzen. Genau dieses Gewässer steht im Moment im Zeichen der Klimakrise. Das viele Sonnenlicht im Frühjahr und ganz viele weitere Faktoren haben dazu geführt, (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Jetzt ist die Sonne schuld.) dass sich die sogenannte Wasserpest da so vermehrt und den See fest im Griff hat. Das können wir alle sehen, wenn wir da vorbeigehen. Damit sind leider viele Sportarten im See zu gefährlich und deshalb haben wir diesen See in weiten Teilen sperren müssen. Diese Entscheidung des Senators für Inneres und Sport und auch meines Hauses ist uns überhaupt nicht leichtgefallen. Das ist eine Entscheidung, die sehr schwer gewesen ist, gerade weil wir wissen, was das für die Menschen bedeutet. Wir haben aber so entscheiden müssen, weil die Sicherheit all dieser Menschen nicht mehr gewährleistet war. Das haben uns sowohl DLRG als auch Feuerwehr sehr eindrücklich und deutlich gesagt. Deshalb sind wir sofort aktiv geworden. Ich will drei Punkte benennen, die ganz zentral für das akute und für das weitere Vorgehen sind. Das Erste ist: alle an einen Tisch, gemeinsam miteinander sprechen. Das war dem Sportressort und auch meinem Haus von Anfang an wichtig, alle an einen Tisch zu holen, weil wir wissen, dass Vereine, Sportanbieter, Badegäste, aber natürlich auch der Schulsport, die Rettungssicherheit, der Natur- und Gewässerschutz, ganz viele, hier zueinandergebracht werden müssen, weil ich der Überzeugung bin: Gemeinsam finden wir gute Lösungen. Das Zweite ist unsere Daueraufgabe in diesem Sommer, nämlich die Badestelle freihalten. Sie konnten das in den Medien sehen, wir haben bereits einmal geräumt. Wir haben die Pflanze dort rausgeholt, damit die Rettungssicherheit in dieser Zone gewährleistet ist. Das werden wir weiter machen. Nach meiner Kenntnis kommt der Bagger heute wieder, weil die Pflanze sich auch in die Badestelle zurückgewuchert hat, sodass da jetzt wieder geräumt wird. Die zweite akute Aufgabe ist, den Freizeitsport auf der Kleinen Weser unter bestimmten Auflagen zu ermöglichen. Der dritte Punkt ist: Das Jahr 2026 haben wir fest im Blick, im Dialog mit den anderen. Wir lernen aktuell von den Kommunen, die schon länger mit der Wasserpest zu tun haben: Welche Flächen werden gemäht? Wo holen wir uns vielleicht ein Mähboot selbst? Beauftragen wir lieber Dritte? Wo können wir mähen, wo können wir auch mit Wurzeln entfernen? Das sind komplizierte Aufgaben, die jetzt anstehen, damit wir im Jahr 2026 gute Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger haben. Das ist unsere feste Absicht als Senat. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Der Werdersee steht beispielhaft für viele andere Gewässer, die im Rahmen der Klimakrise unter Druck geraten. Ganz aktuell das Nadelkraut in Gewässern im Park Links der Weser, da fahre ich heute Mittag hin. Da werden wir diese invasive Art auch entfernen müssen. Was am Beispiel der Gewässer deutlich wird, ist, dass der Kampf gegen die Folgen der Klimakrise kein Sprint ist, sondern das ist ein echter Marathon, meine sehr geehrten Damen und Herren, und diesen Marathon begehen wir hier gemeinsam. Wer einen Marathon läuft, muss sich vorbereiten. Das macht man nicht einfach so, sondern wir teilen uns unsere Ressourcen ein. Wir machen gute Pläne, damit wir diese lange Strecke gemeinsam schaffen. Genau das tut der Senat. Wir haben den Hitzeaktionsplan, der schon vielfach erwähnt wurde, im September 2024 gemeinsam verabschiedet und das Ganze in die Klimaanpassungsstrategie eingebettet – die das Land Bremen übrigens schon sehr, sehr früh hatte, die ist jetzt aktualisiert worden. Ganz viele dieser Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Es ist also nicht so, dass wir hier nur Strategien hätten, die auf dem Papier stünden, sondern wir sind aktiv. Zeitgleich befinden wir uns am Anfang des Marathons, von dem ich gerade besprochen habe. Bremen setzt viele Maßnahmen zum Hitzeschutz um. Wir installieren Trinkbrunnen, schaffen Grünflächen, pflanzen Bäume. Wir informieren aber auch die Bevölkerung über verschiedene Kanäle. Die Koordinierungsstelle für den Hitzeaktionsplan bei der Senatorin für Gesundheit wird künftig noch mehr Aufgaben übernehmen. Es ist die zentrale Steuerungs- und Anlaufstelle, wenn es um die Koordinierung der Maßnahmen während Hitzewellen geht, auch darum, Hitzewarnungen auszulösen, diese ganze Kommunikationskaskade in Gang zu setzen, damit die Bevölkerung gut informiert ist, und natürlich auch, damit die Menschen, die besonders betroffen sind, zum Beispiel in Pflegeheimen, gesondert geschützt werden. In meinem Haus arbeiten wir an der klimaangepassten Stadt. Das ist ein sehr umfangreiches Thema. Die Zeit heute ist bei uns allen knapp, deshalb kann ich darauf jetzt nicht weiter eingehen, aber ein Hinweis noch: Knapp ist nicht nur Zeit, sondern knapp ist natürlich auch das finanzielle Volumen, das wir für all diese Maßnahmen haben, in die wir in Zukunft noch mehr investieren müssen. Wir setzen dabei auch ganz gezielt auf kluge Gelder, die wir von dritten Stellen, zum Beispiel vom Bund bekommen, um unsere Strategien umzusetzen. Über zwanzig Millionen Euro konnten wir bereits für Baumpflanzung, Klimaanpassungsmaßnahmen, Renaturierung und biodiversitätsfördernde Projekte einwerben. Das wird in Zukunft auch noch weiter fortgeführt werden müssen, ebenso – das will ich einmal kurz erwähnen – wie das Thema Hochwasserschutz. Auch das hat was mit klimaangepasster Stadt zu tun. Daran dürfen wir nicht nur denken, wenn gerade eine akute Sturmflut oder extrem hohe Niederschläge da sind. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Klimakrise hat uns fest im Griff. Ich bin froh, dass wir an verschiedenen Stellen schon vorgesorgt haben. Die ersten paar Kilometer des Marathons haben wir schon gemacht. Jetzt dürfen wir nicht nachlassen, wir müssen unsere Kräfte bündeln und wir dürfen auch die andere Seite der Medaille auf keinen Fall vergessen: Es geht nicht nur um Klimaanpassung, es geht auch um Klimaschutz, denn wenn es noch heißer und noch trockener wird, wird es noch schlimmer auch für die Bevölkerung werden. Wir werden noch mehr Anstrengungen treffen müssen, eine gute, lebenswerte zukünftige Stadt zu sein. Deshalb müssen wir in den Klimaschutz investieren, ebenso wie in die Klimaanpassung, um weiterhin lebenswerte und schöne Städte in Bremen und Bremerhaven zu haben. – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)

Alle Reden von Kathrin Moosdorf Protokoll (PDF) ↗