Dr. Emanuel Herold
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie die Kollegen Grobien und Schröder schon gesagt haben: Wir saßen letzte Woche im Wissenschaftsausschuss zusammen und haben fraktionsübergreifend unsere Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die ohnehin riesigen finanziellen Herausforderungen bei der Modernisierung und Sanierung der Universität massiv steigen, wenn die Denkmalschutzbelange in dem Umfang zum Tragen kommen, wie sich das momentan andeutet. Der Einzige, der in der Diskussion übrigens nichts gesagt hatte, war Herr Fricke. Das haben Sie jetzt, eine Woche später, nachgeholt. Das ist in Ordnung, aber Sie haben nach meinem Vernehmen der Diskussion auch wirklich gar nichts hinzugefügt. (Zuruf Abgeordneter Holger Fricke [BÜNDNIS DEUTSCHLAND] – Abgeordneter Piet Leidreiter [BÜNDNIS DEUTSCHLAND]: Er war sprachlos!) Sei es drum. Das Thema ist für unseren Wissenschaftsstandort wichtig. Zunächst einmal, bei allen Irritationen und Frust: Man muss auch aufpassen, dass man an der Stelle nicht überzieht. Die Denkmalschützer sind keine Schildbürger. Da finde ich, vergreift man sich im Tonfall. Sie haben ein umfassendes Gutachten vorgelegt, wo sie verschiedene hochschulgeschichtliche, technikgeschichtliche, heimatgeschichtliche sowie künstlerische und städtebauliche Erwägungen vornehmen, um dann bei dem Fazit anzugelangen, dass der Erhalt der Gebäude im Zentralbereich von öffentlichem Interesse ist. So, wie ich jetzt hier vernommen habe, sind wir aber auch alle der Meinung, dass auch im öffentlichen Interesse ist, zeitgemäße Bedingungen zu haben für Lehr- und Forschungsbetrieb, für die Tausenden Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Verwaltungsangestellten, die jeden Tag der Arbeit an der Universität nachgehen. Wie wir alle wissen, ist bei diesen Gebäuden, über die wir hier sprechen, das eben vielfach nicht gegeben. Da geht es nicht nur um veraltete technische Ausstattung, sondern auch wirklich um gravierende Mängel in der Bausubstanz. Auch an der Stelle würde ich das Bild wieder nicht völlig karikieren: Es verrottet nicht alles am Hochschulstandort Bremen und an der Universität. Es gibt viele Neubauten, die in den letzten Jahren entstanden und auch mit öffentlichen Geldern errichtet und vorangetrieben wurden. (Abgeordneter Holger Fricke [BÜNDNIS DEUTSCHLAND]: Darum geht es nicht!) Bei Ihrer Haushaltspolitik würde ich gerne wissen, wie Sie eigentlich diesen Sanierungsbedarf adressieren wollen würden. Das wird, glaube ich, bei Ihrem Ansatz nichts. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Momentan ist es so, dass die Denkmalschützer vertreten, dass man einen Schutzstatus auf Ebene des gesamten Ensembles einführt und in Bezug auf Einzeldenkmäler sowohl das Innere als auch das Äußere unter Schutz stellt. Das ist tatsächlich eine Bedrohung für den Sanierungs- und Modernisierungsplan und die Aufgaben, die wir damit vor uns haben, weil es den Planungsaufwand erhöht, die baulichen Abläufe komplexer macht und uns vor allen Dingen deutlich mehr Geld kosten würde. Die gute Nachricht ist aber: Zwischen solchen Ansprüchen ist ein Kompromiss organisierbar. Ein Vertreter des Kulturressorts hat ja auch schon öffentlich das Essighaus als Beispiel genannt. Man erhält eine historisch wertvolle Fassade, aber baut dahinter nach modernsten Standards. Ich hoffe, dass die Diskussion in diese Richtung geht, dass der Landesdenkmalpfleger und die Universität, die sich ja in laufenden Gesprächen befinden, in diese Richtung gehen, damit im Zentrum eines guten Kompromisses die Bedürfnisse von Studierenden, Lehrenden und Forschenden stehen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD)
