Christine Schnittker
Meine Damen und Herren, als Nächstes erhält das Wort der Abgeordnete Dr. Marcel Schröder. Abgeordneter Dr. Marcel Schröder (FPD): Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Als wir letzte Woche im Wissenschaftsausschuss erfahren haben, dass der Landesdenkmalschützer große Teile der Uni unter Denkmalschutz stellen möchte, da haben wir tatsächlich alle ziemlich blöd aus der Wäsche geguckt, weil es nicht nur um einzelne Teile geht, sondern, wie er sagte, um das komplette Ensemble am Boulevard inklusive GW2, Hörsaal – in Fachkreisen auch „Keksdose“ genannt – und sogar das Unibad. Denn die Begründung, das sei ein Musterbeispiel brutalistischer Architektur: dass man da schon mal auf den Gedanken kommen kann, mal bei „extra 3“ anzurufen, kann ich nachvollziehen. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich war sicher nicht der Einzige, der der Auffassung war, auch in der Koalition, dass das ein schlechter Scherz sei. Denn wer in letzter Zeit mal im GW2 war, dem zentralen Gebäude an der Uni, der weiß, dass dieses Gebäude mehr als sanierungsbedürftig ist. So emotional ich auch mit der Keksdose verbunden bin: Irgendwann ist auch für dieses Gebäude mal die Zeit gekommen. Der Sanierungsbedarf der Uni beträgt 1,2 Milliarden Euro, nicht 13. Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, vielleicht mit dem Komma verrutscht. Aber das ist ja trotzdem schon genug, 1,2 Milliarden Euro, bei unserem Haushalt. 67 Prozent der Unigebäude sind älter als fünfzig Jahre. Im GW2 gibt es gravierende Mängel beim Brandschutz, auch die Energiezentrale und die Leitungsinfrastruktur müssen grundsaniert werden. Es kam bereits zu großflächigen Stromausfällen an der Uni. Das zeigt: Unsere Uni ist mehr als marode und muss dringend saniert werden. Noch mal zur Erinnerung: Die Bremer Hochschulen tragen in ganz erheblichem Maße zur Wirtschaftskraft dieses Bundeslandes bei. 31 000 Arbeitsplätze hängen damit zusammen, das sind 10 Prozent. Also kann man ungefähr sagen, die Hochschulen sind halb so wichtig wie unser Hafen. Wenn der Hafen das Rückgrat ist, dann sind die Hochschulen mindestens ein Bein. 228 Millionen Euro Steuereinnahmen und 1,8 Milliarden Euro jährliche Wertschöpfung entstehen durch unsere Hochschulen. Wer die Wissenschaft, wie der Senat, so sträflich vernachlässigt, der sägt an dem Ast, auf dem dieses Bundesland sitzt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall FDP) Da finde ich es auch schade, dass der Fraktionsvorsitzende nicht da ist. Sich jetzt als Koalition die Exzellenzinitiative ans Revers zu heften, finde ich schon frech, gerade wenn man die Uni so verrotten lässt. Es handelt sich hier wirklich um eine existenzielle Frage für dieses Bundesland, weil die Hochschulen nun mal so wichtig sind. Daher ist es unsere Pflicht als Bremer Politik, für sichere Gebäude zu sorgen, für einen modernen Hochschulstandort zu sorgen und für gute und attraktive Studienbedingungen und Forschungsbedingungen zu sorgen. Der Senat muss die Weichen dafür stellen, dass Sanierungen schneller, einfacher und kostengünstiger gehen. Das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können, das ist wirklich echt das Letzte, was wir gerade gebrauchen können, ist eine Verzögerung dieser Sanierung oder sogar eine Konservierung dieses maroden Zustandes. Wir fordern daher die Denkmalschutzbehörde auf, ihre Entscheidung zu ändern und zu überdenken. Sollte die Denkmalschutzbehörde dem nicht nachkommen, fordern wir den Kultursenator, unseren werten Bürgermeister, auf, die Denkmalschutzbehörde entsprechend anzuweisen. Es ist schon schlimm genug, in welchem Zustand die Bremer Hochschulen sind. Zusätzliche Verzögerungen und Bürokratie können wir uns, kann sich dieses Bundesland und kann sich auch der Senat nicht leisten. Denn Universitäten sind Orte der Forschung, Orte der Innovation und Orte des Fortschritts. Deswegen muss der Senat dafür sorgen, dass das auch so bleibt. – Vielen Dank! (Beifall FDP) Als Nächstes erhält das Wort
