Susanne Grobien
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste! Ja, wir waren schon alle sehr überrascht in der vergangenen Woche, als wir die Dimension eines Halbsatzes in einer Vorlage zum Sanierungsbedarf an den bremischen Hochschulen gelesen haben. Der Satz hieß: „Zudem wird derzeit diskutiert, einzelne Hochschulbauten der Universität unter Denkmalschutz zu stellen.“ Alle haben aufgehorcht, alle haben nachgefragt, wie das denn wohl gemeint ist. Offenbar hat der Bremer Denkmalschutz bei seinen üblichen Rundgängen festgestellt, dass die Betonbauten der Universität schützenswürdig seien. Das wird nicht ganz so gewesen sein, denn die Diskussion um die Schutzwürdigkeit dieser sogenannten Brutalismus-Bauten der späten Sechziger- und Siebzigerjahre nimmt seit einiger Zeit in der ganzen Bundesrepublik Fahrt auf. In der Nachkriegszeit, zwanzig Jahre nach Ende des Schreckens, galt diese Art des Bauens als urban, modern und war das Nonplusultra. Wenn man aber heute auf das Gebäudeensemble der Universität schaut, dann kommt einem schon ein bisschen der Gedanke, dass das schützenswerte Denkmal doch eher anachronistisch ist. Ich habe schon häufiger erwähnt, dass ich da in der Nähe groß geworden bin und deshalb schon den Baubeginn in den Siebzigerjahren direkt verfolgen konnte. Wir haben alle nicht schlecht gestaunt, als dieser Betonklotz, das Oktagon, mitten ins Niemandsland zwischen Kleingärten und Autobahnen hingestellt wurde – damals unglaublich visionär. Hat auch keiner geglaubt, dass sich da jemals 19 000 Studierende, 3 500 Beschäftigte, mindestens 15 000 Arbeitsplätze in Unternehmen, also fast 40 000 Menschen, in diesem Areal täglich bewegen. Heute empfinden wir das Gebäudeensemble sicher nicht mehr als modern. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich auch nicht streiten. Seit Jahren aber diskutieren wir über den Sanierungsstau der Universitätsgebäude. Nichts kommt voran. Die Situation wird eher immer schlimmer als besser. Nun kommt auch noch der Denkmalschutz, der meist zu weiteren Kostensteigerungen bei möglichen Sanierungen führt. Für uns als CDU-Fraktion kann ich hier nur sehr deutlich betonen: Auch wenn man im guten Austausch mit allen beteiligten Stellen steht, die Unterdenkmalschutzstellung darf auf gar keinen Fall und in keiner Weise zu einer weiteren Belastung des Wissenschaftshaushaltes gehen. (Beifall CDU) Wie dieser Spagat gelingen soll, bleibt noch mal spannend – steht doch die Universität für Forschung und Lehre, für Zukunftsgewandtheit, für Visionen, nach vorne gerichtet eben. Und wir blicken erst mal zurück. BÜNDNIS DEUTSCHLAND nennt das einen Schildbürgerstreich. Ganz so weit würde ich nicht gehen – vielleicht erst dann, wenn es dem Denkmalschutz gelingt, das gesamte Unibad unter Denkmalschutz zu stellen. Das heißt, die Initiative wäre erfolgreich, das würde mich als Schwimmerin – viele wissen das – natürlich freuen, habe ich mich doch auch an die bemerkenswerten Zustände in den Umkleidekabinen und Duschen, die man nicht mal mehr nur als marode bezeichnen kann, schon gewöhnt. Seitens der Universität und der beteiligten Ressorts ist man in guten Gesprächen, aber ich frage mich: Wie viel Zeit verbringen Sie eigentlich mit solchen Gesprächsrunden, die wertvolle Zeit, Arbeitszeit für andere sinnvolle Projekte, bindet, zum Beispiel im Sinne der Exzellenz? Der Fraktionsvorsitzende ist gerade nicht da: Wir sind nämlich noch nicht exzellent. Wir dürfen uns bewerben für die Exzellenz. Wir haben zwei Cluster, wir müssen noch einen weiten Weg gehen. Die Denkmalschutzbehörde, kann man auch sagen, macht ja nur ihre Aufgabe. Man hat das auch in gewisser Weise zu respektieren, aber schöner wäre es gewesen, die eventuelle Schutzbedürftigkeit wäre Ihnen ein paar Jahre später aufgefallen, wenn wir nämlich schon exzellent wären und unsere Kassen auch im Wissenschaftshaushalt dann wieder etwas voller wären. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall CDU)
