Holger Fricke
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Jetzt wollen wir mal wieder ein bisschen Dampf vom Kessel nehmen, obwohl das Thema nicht weniger brisant ist. Da hat uns Denkmalpfleger Dr. Georg Skalecki ja zu seinem Abschied ein dickes Ei ins Nest gelegt. Mit einer Begehung des Universitätsgeländes stellte er fest, dass es sich bei den ursprünglichen Unibauten um ein besonders schützenswertes Ensemble des Architekturstils Brutalismus handelt. Dieser Nachkriegsbaustil mit einer Mischung aus Beton und Glas sorgt seit dem oscarprämierten Film „Der Brutalist“ für öffentliches Aufsehen. Doch zurück zu unserem Thema. Einige Universitätsgelände sollen wohl noch in diesem Jahr unter Denkmalschutz gestellt werden. Meine Damen und Herren, Fluch oder Segen? Was bringt uns der Denkmalschutz? Die Universität schiebt einen Sanierungsstau von rund 13 Milliarden Euro vor sich her. Die schützenswerten Gebäude waren die ersten Bauten und die Keimzelle der Bremer Universität. Sie sind heute zum Teil in einem erbärmlichen Zustand, regelrechte Bruchbuden. Schimmelige Wände, feuchter Beton, zwischen maroden Gehwegplatten und Treppenaufstiegen sprießt Moos und Gras. Dabei sind wir doch in Bremen gerade zurzeit besonders stolz auf unsere Universität, denn sie ist mit zwei Exzellenzclustern sehr erfolgreich, bewirbt sich nach 2012 erneut um den Titel einer Exzellenzuniversität – eine gute Gelegenheit, dringend erforderliche Sanierungen und Neubauten in Angriff zu nehmen. Jetzt soll ein großer Teil unter Denkmalschutz gestellt werden. Was bedeutet das? Die dringend erforderliche Sanierung wird noch teuer. Die dringend erforderliche Sanierung wird schwieriger und komplizierter. Einige Gebäude können gar nicht zeitgemäß umgebaut werden, weil sie ja unter Denkmalschutz stehen. Bei jeder versetzten Wand, bei jedem ausgetauschten Fenster hat der zukünftige Denkmalpfleger den Daumen drauf. Für uns von der Fraktion BÜNDNIS DEUTSCHLAND entwickelt sich der Denkmalschutz der maroden Unibauten zu einem teuren Schildbürgerstreich „made in Bremen“. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Es ist für mich auch zurzeit schwer vorstellbar, dass Architekturfans nach Bremen-Horn pilgern, um die grauen Holzbetonklötze zu bewundern. In einem „buten un binnen“-Beitrag sorgte die angestrebte Maßnahme bei befragten Studenten für Unverständnis und Kopfschütteln. Auch die Unileitung hat Bedenken. Meine Damen und Herren, es gibt bereits denkmalgeschützte Brutalismus-Bauten in Bremen. Besonders erwähnenswert ist dabei die ehemalige Ärzte- und Apothekerbank an der Schwachhauser Heerstraße, ein zierliches Gebäude aus Glas und Beton, das ich mir immer wieder gerne anschaue. Bei der Universität ist aus den bereits genannten Gründen zu befürchten, dass der angestrebte Denkmalschutz mehr Nachteile als Vorteile bringt. Hier passt allerdings der Begriff „umstritten“: Meine Frau ist großer Fan des Brutalismus. Sie würde es sehr begrüßen, wenn der Gebäudekomplex auf dem Unigelände unter Denkmalschutz gestellt wird. Das sorgte in unserem Küchenkabinett für hitzige Diskussionen. Jetzt bin ich gespannt, wie die Opposition und wie unsere glanzvolle rot-grün-rote Koalition die angestrebte Entscheidung bewertet. – Meine Damen und Herren, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND)
