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Miriam Strunge

Die Linke 06.05.2025 Sitzungen 21/22

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Die FDP fordert mit dem hier vorliegenden Antrag ein neues Ausbildungsangebot zu schaffen – das Referendariat in nur einem Fach. Anlass des Antrags ist dabei eine Sondersituation aus dem letzten Jahr. Zum 1. August 2024 hatten sich viel mehr Menschen für ein Referendariat mit dem Schulfach Philosophie beworben, als in Bremen ausgebildet werden können. Deshalb wurden diese Bewerber:innen nicht aufgenommen. Das ist in der Logik des Schuldienstes und des Ausbildungssystems auch erst einmal richtig. Es gibt in Bremen nur in der gymnasialen Oberstufe Philosophieunterricht und dementsprechend nur geringe Bedarfe in diesem Fach. Die Senatorin für Kinder und Bildung hat also erst mal in der Sache richtig gehandelt. Gleichzeitig ist der Bedarf an Lehrkräften natürlich sehr hoch, und man will keine zukünftige Lehrkraft, die in Bremen arbeiten möchte, verlieren. Deshalb haben wir die Kapazitäten im Referendariat bereits erhöht, und wir haben auch signalisiert – und das auch umgesetzt –, dass es möglich ist, auch über die erhöhten Kapazitäten von 200 Referendar:innen pro Halbjahr hinaus in Bremen das Referendariat zu machen. Da hat zwar manchmal das Landesinstitut für Schule (LiS) wirklich ächzen müssen unter so vielen Referendar:innen, aber wir haben versucht, wirklich allen, die in Bremen ein Referendariat machen wollen, auch einen Platz zu geben. Dann hat die Senatorin für Kinder und Bildung in diesem ganz konkreten Fall gemeinsam mit dem Schulamt Bremerhaven eine Lösung gefunden. Abweichend vom üblichen Verfahren wurde dieser Gruppe von Absolvent:innen angeboten, sich ab dem 1. Februar 2025 Ausbildungsplätze im Fach Philosophie zu teilen und so als Gruppe das Referendariat zu absolvieren. Das konkrete Problem wurde also gelöst. Die Fachkräfte konnten für das Land Bremen gesichert werden. (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Insbesondere hat Bremerhaven profitiert, wo der Fachkräftemangel besonders sichtbar ist. Wir sehen, hier wurde auf Pragmatismus gesetzt, und ich bin allen Beteiligten sehr dankbar dafür. Damit hat sich der Antrag der FDP aber bereits erledigt, denn in der Praxis hat sich eine Lösung gefunden, und schon alleine deswegen muss man hier im Landtag nicht aktiv werden. Ich möchte aber auch noch mal inhaltlich sagen, warum der FDP-Antrag aus unserer Sicht in die falsche Richtung führt. Die FDP fordert aufgrund einer einmaligen Sondersituation einer sehr spezifischen Gruppe von Absolvent:innen, das Gesetz zu ändern und einen zusätzlichen regulären Weg in den Schuldienst zu schaffen. Sie will die Ausbildung in nur einem Fach ins Ausbildungsgesetz für Lehrämter aufnehmen, auch wenn zwei Lehramtsfächer studiert werden. Das finde ich einen ungewöhnlichen und auch irritierenden Vorschlag. Denn im Kern schlägt die FDP hier vor, Menschen mit einem Studium für zwei Schulfächer die Ausbildung und Einsatzmöglichkeiten im Schuldienst zu beschneiden. Diese Personen sind eigentlich für mehr qualifiziert. Sie hatten auch immer die Absicht, in mehreren Bereichen zu unterrichten. Sie sollen dann aber dieses Potenzial nicht realisieren. So will es die FDP. Dieser Vorschlag wird den Studienabsolvent:innen absolut nicht gerecht. Statt diesen ein Angebot passend zum Studium zu machen, gibt es ein Downgrade in der schulischen Praxis. Das halte ich für keinen attraktiven Start ins Berufsleben. Angesichts der bundesweiten Konkurrenz um Referendar:innen glaube ich auch nicht, dass dieses Modell Studienabsolvent:innen ernsthaft ansprechen würde. Die benötigten Fachkräfte werden doch dann lieber in ein anderes Bundesland gehen und dort für beide Fächer ausgebildet werden. Mit dem Vorschlag, zwei Fächer zu studieren, aber nur eins zu unterrichten, konterkariert die FDP auch alle Debatten, die eigentlich unter die Überschrift „Lehramt mit einem Fach“ geführt werden. Denn bei diesen geht es ja gerade um den gegenteiligen Weg, also um die Frage, wie ein Upgrade möglich ist. Wie kann man Lehrkraft werden, auch wenn man nur in einem Fach studiert hat? In diese Richtung haben wir als Regierungskoalition bisher diskutiert und auch Senat und Magistrat in Bremerhaven haben sich engagiert. Wir haben mit dem „Back to School“-Programm in Bremen und vergleichbaren Angeboten in Bremerhaven viele Menschen mit Abschluss in nur einem Fach in den Schuldienst geholt und sie zum Unterrichten befähigt. An der Universität entwickeln wir nun Weiterbildungsstudiengänge, um diese Personen auch in einem zweiten Fach und damit zur vollen Lehrkraft zu qualifizieren, beispielsweise in der Informatik oder in inklusiver Pädagogik. Auch bei einem möglichen dualen Studienangebot ist die Zielgruppe mit nur einem studierten Lehramtsfach im Fokus. All diese Ideen haben deutlich mehr Potenzial, zusätzliche Fachkräfte ins Land Bremen zu holen als der FDP-Vorschlag. (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ein letzter Punkt: Diese Programme, die gerade erprobt werden, sind auch KMK-kompatibel und werden damit auch bundesweit anerkannt im Gegensatz zu der Idee der FDP, die hier in Bremen einen absoluten Sonderweg darstellen würde. Wir lehnen den Antrag der FDP also nicht nur ab, weil er sich in der Praxis schon erledigt hat, sondern auch, weil er inhaltlich nicht zur Weiterentwicklung des Referendariats taugt. – Herzlichen Dank! (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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