Kirsten Kreuzer
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Für den Senat beantworte ich die Anfrage wie folgt: Zu Frage 1: Kinder und junge Menschen nutzen mehrheitlich soziale Medien wie TikTok, Instagram und Snapchat. Je jünger sie sind, desto höher ist der Anteil weiblicher Nutzer. In der Gruppe der Zwölf- bis Dreizehnjährigen konsumieren doppelt so viele Mädchen wie Jungen regelmäßig bild- und videofokussierte Plattformen. Dieser Geschlechterunterschied zeigt sich auch in der Bearbeitung von Bild- und Videomaterial sowie in der Nutzung von Filtern und KI-gestützten Bearbeitungstools. Jugendliche und ältere Kinder, die sich in der Phase der Identitätsentwicklung befinden, sind besonders anfällig für Botschaften, die in sozialen Medien visuell und von idealisierten Personen vermittelt werden. Dazu trägt die Feedbackkultur durch Likes und Kommentare bei, die vermeintliche Schönheitsideale verstärken und kontinuierlich wiederholen. Sofern junge Nutzerinnen und Nutzer den Unterschied zwischen retuschierten und generierten Darstellungen und der Realität nicht erkennen, kann der psychische Druck entstehen, einer idealisierten äußeren Erscheinung entsprechen zu wollen. Das geht mit dem Risiko eines verzerrten Fremd- und Selbstbildes einher, niedrigem Selbstwertgefühl, Körperunzufriedenheit und Folgeproblemen wie Essstörungen oder dem Wunsch nach kosmetischen Eingriffen. Ein wachsendes Problem im digitalen Raum sind zudem nicht einvernehmlich sexualisierte Deepfakes. Während dieses Phänomen anfangs vor allem Prominente fokussiert hat, betrifft es zunehmend auch Privatpersonen. Opfer sind fast ausschließlich Frauen. Der technologische Fortschritt und die immer niedrigschwelliger werdenden Zugänge zu Werkzeugen der Künstlichen Intelligenz tragen dazu bei, dass das Problem zunehmend in den sozialen Nahraum rückt. Die Anforderungen an Qualität und Quantität des Ausgangsmaterials für das Erstellen visueller Deepfakes sind zudem deutlich gesunken. Damit gewinnt das Thema auch im schulischen Kontext an Bedeutung. Zu Frage 2: Der Senat befindet sich hier noch in der Abstimmung einer gemeinsamen Position. Zu Frage 3: Nutzerinnen und Nutzer sollten so früh wie möglich in die Lage versetzt werden, visuelle Darstellungen zu hinterfragen, um retuschierte und KI-generierte Inhalte bestmöglich zu erkennen und ihren Kontext zu sehen. Dazu ist eine breite Öffentlichkeit nötig. Sinnvoll sind Aufklärungskampagnen für Kinder und Jugendliche sowie deren Sorgeberechtigte, Unterrichtseinheiten in Schulen sowie Hinweise in den sozialen Medien selbst. Die Senatorin für Kinder und Bildung hat die Themenfelder „Fake News“ und „Schönheitsideale“ aufgegriffen und in ihre Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte integriert. Das Feld der Fake News wird in einem neu eingerichteten Fortbildungsangebot aufgegriffen. Kontext sind die politische Meinungsbildung, Populismus und Demokratie in Zeiten von Künstlicher Intelligenz. – So weit die Antwort des Senats!
