Irene Strebl
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Abgeordnete und Gäste! Jetzt noch ich zwischen Ihnen und dem Feierabend. Ich habe gerade kurz überlegt, ob ich am Ende meiner Rede verraten soll, wer der Mörder beim Tatort war. (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Jetzt schenken sie sich erst mal einen ein! – Heiterkeit) Ich überlege das noch mal, aber vielleicht hält Sie das wach. Vor ungefähr einem Monat wurde der diesjährige Physiknobelpreis an die Physiker John Hopfield und Geoffrey Hinton verliehen. Sie wurden für ihre bahnbrechenden Erfindungen zur Ermöglichung maschinellen Lernens mit künstlichen neuronalen Netzen ausgezeichnet. Bei der Nobelpreisvergabe bezeichnete der Präsident der Deutschen physikalischen Gesellschaft, Klaus Richter, die durch diese Forschung angestoßene und heute fortwirkende Entwicklung von Künstlicher Intelligenz als industrielle Revolution der geistigen Arbeit. Wie bei jeder großen gesellschaftlichen Transformation ist es wichtig, diese nicht nur mitzugehen, sondern auch aktiv mitzugestalten. Genau das tut Bremen. Auch wenn wir hier in Bremen noch keine Nobelpreisträger mit Bezug zur KI-Forschung haben, haben wir doch relevante KI-Spitzenforschung mit hochinteressanten anwendungsnahen Fragestellungen und mit vielen begeisterten Studierenden hier vor Ort. Bremen als relativ kleine Großstadt kann sich vielleicht nicht mit München oder Berlin vergleichen, was die KIStart-up-Szene angeht, aber auch hier bei uns in Bremen findet auf sehr konzentriertem Raum eine hochdynamische Entwicklung mit international ausgewiesener, sehr anwendungsnaher und gesellschaftlich hochrelevanter Forschung im Bereich KI statt. Gerade, was den Bereich kognitionsbasierter Robotik betrifft, aber auch die Schnittstelle zwischen KI und Gesundheit, wurde ja auch schon erwähnt. Bremen hat sich hier bedeutende Einstellungsmerkmale in der KI-Forschung erarbeitet. Vor dem Hintergrund, dass wir ein kleines Bundesland mit dieser angespannten Haushaltssituation sind, gilt es jetzt umso mehr, diese Stärken und Alleinstellungsmerkmale weiterzuentwickeln und ganz gezielt zu unterstützen. Wir haben heute hier im Plenarsaal schon einiges gehört, und auch die umfassende Beantwortung der Großen Anfrage macht deutlich, welche Relevanz der Standort Bremen im KI-Bereich hat. Ich möchte daher für das Wissenschaftsressort noch einmal ein paar ausgewählte Aspekte rausnehmen. Erstens, Bremens Stärke im Bereich KI ist kein Zufall. Seit 20 Jahren wird durch eine vorausschauende Berufungspolitik, durch Investitionen in Infrastruktur und die Ausrichtung der Wissenschaftsplanung des Landes der Bereich der KI-Forschung strategisch aufgebaut und ausgebaut. Die KIStrategie hat entscheidend zur dynamischen Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Bremen und seiner Forschungsstärke beigetragen und tut das weiterhin. Als Staatsrätin für Wissenschaft freut es mich natürlich besonders, dass wir eine solch international sichtbare Forschung und Entwicklung vor Ort haben, zum Beispiel im Rahmen des interdisziplinären Wissenschafts- und Transferschwerpunktes „Minds, Media, Machines“ an der Uni Bremen. Hier kooperieren mehr als 450 Wissenschaftler:innen miteinander, um das Verständnis von Intelligenz und Kognition autonomer Systeme zu verbessern. Auch in der Entwicklung und Anwendung praxistauglicher KI-Methoden ist Bremen mit dem Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen wirklich ganz hervorragend aufgestellt. Ganz zentral das DFKI, Deutsches Forschungszentrum für KI, das hier schon erwähnt wurde. Im Rahmen der KI-Strategie wurden die Mittel für das DFKI erhöht und weitere Ausbaumittel zur Verfügung gestellt, der zweite Bauabschnitt wurde fertiggestellt und bezogen. Ebenfalls international ausgewiesen und besonders forschungsstark ist die kognitionsbasierte Robotik an der Uni Bremen. Auch dieser Bereich wurde mit weiteren Landesmitteln und Kofinanzierungen durch Bundesministerien und die EU substanziell gestärkt. Besonders hervorheben möchte ich noch mal die Forschung an der Schnittstelle KI/Gesundheit. Das ist ein ganz zentraler gesellschaftlich hochrelevanter Bereich, und hier konnten wir in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung beobachten, die unser Haus auch mit Landesmitteln unterstützt. Zweitens: Drittmittelstärke ist ja ein ganz besonders hervorzuhebendes Merkmal, das haben Sie alle schon, oder viele von Ihnen, gesagt, das muss ich nicht wiederholen. Vielleicht aber eine Zahl, die noch beeindruckender ist als die Rechnung, die Herr Dr. Schröder aufgemacht hat: Beim DFKI ist es sogar so, dass auf jeden Euro, den wir aus bremischen Landesmitteln reingeben, noch 6 Euro aus anderen Quellen dazukommen. Das ist also wirklich gut investiertes Geld. Drittens: Die genannten Institute haben es geschafft, besonders deswegen erfolgreich zu sein, weil sie Nischen besetzen und sich über diese stark profilieren. Damit kann unser KI-Standort mit seiner Expertise ein wertvoller Partner in Verbundprojekten und international wettbewerbsfähig sein. Um diesen Standortvorteil weiter zu schärfen, müssen natürlich auch KIFachkräfte ausgebildet und gewonnen werden. Sie haben den neuen Masterstudiengang „Artificial Intelligence and Intelligent Systems“ erwähnt, der an der Uni gestartet ist. Viertens: Ein großes Potenzial der aktuellen Situation rund um die Entwicklung von KI liegt auch in der Innovationskraft, die Wirtschaft und Wissenschaft miteinander verbindet und in den Dialog bringt. Die KIStrategie zielt genau darauf ab, bestehende KI-Forschung am Standort weiter auszubauen und mit der Industrie zusammenzubringen. Verbindungen im Transfer werden intensiviert und damit auch die Sichtbarkeit gegenüber Bund und Europa erhöht. Dies ist auch in den letzten Jahren sehr gut gelungen und das werden wir auch weitertreiben. Liebe Abgeordnete, wenn man die Nachrichten zum Bereich KI verfolgt, dann hat man manchmal das Gefühl, die Zukunftsbilder schwanken zwischen Fluch oder Segen. Vieles ist auch einfach noch offen. Das sollte uns dazu anspornen, diesen Weg möglichst aktiv mitzugestalten. Genau das tun wir und da gilt es, den KI-Standort Bremen aus wissenschaftlicher Perspektive weiter zu stärken und weiter davon als Gesamtbremen zu profitieren, denn hier wird gesellschaftlich hochrelevante Forschung mit dem Anspruch betrieben, die Gesundheitsversorgung, die Pflege, aber auch die Unterstützung der Menschen im Alltag zu verbessern und damit auch wirtschaftlich große Potenziale zu heben. Auch das können wir in Bremen mehr als gut gebrauchen. Dass es gelungen ist, die Ausrichtung der weltweit größten KIForschungskonferenz IJCAI nach Bremen zu holen, (Glocke) zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Im Jahr 2026, wenn diese Konferenz bei uns stattfinden wird, können wir unser Bremer KI-Know-how gemeinsam präsentieren und uns weiter vernetzen. Das wird sicherlich die Strahlkraft des Bremer Wissenschaftsstandortes weiter erhöhen. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)
