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Kerstin Eckhardt

CDU 13.11.2024 Sitzungen 21/17

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Darf ich Sie fragen: Wer von Ihnen war heute Mittag mit Kollegen zum Mittagessen verabredet? Haben Sie sich dabei vielleicht über die Reden des Vormittags, die Tagesordnung am Nachmittag und auch über die privaten Planungen für das Wochenende ausgetauscht? Ich denke, auch herzliches Lachen gehörte heute in Ihre Mittagszeit, um dann anschließend den Nachmittag mit Kraft und Energie zu beginnen und gesund zu durchleben. So soll es ja auch sein. Heute möchte ich mit Ihnen über Menschen debattieren, die leider ständig ohne Gesellschaft die Hauptmahlzeiten einnehmen. Nicht weil sie das so wollen, sondern weil es keine andere Gelegenheit dazu gibt. Für uns als Politik ergeben sich doch Möglichkeiten, mehrere wichtige gesundheitliche, physische und auch psychische Risiken für Bürger im reifen Lebensalter zu mindern, denn angebotene Mahlzeiten ergeben gleich mehrere Synergien: Erhalt der Gesundheit, Überwinden von Einsamkeit und Bekämpfung von Armut. Vielleicht haben Sie bereits mitgerechnet und die in unserem Auftrag aufgelisteten Mahlzeiten zusammenaddiert. Bremen und Bremerhaven bieten zusammen 570 Mahlzeiten an und das bei einer Anzahl von 140 000 älteren Menschen. Diese Angebote werden durch viele Ehrenamtliche betrieben. Da sollten wir gemeinsam einmal ganz, ganz herzlichen Dank sagen! (Beifall CDU, Bündnis 90/Die Grünen) Das heißt aber, dass nur jeder 246. Bremer überhaupt dieses Angebot wahrnehmen kann. Das Regierungsprogramm der rot-rot-grünen Koalition titelt „Sicher, sozial, ökologisch, zukunftsfest“. Was bitte ist daran sozial, wenn die Bürger, die ein Leben lang in Bremen geschuftet haben, das Land mit Steuern versorgt haben, aber nun in ein Missverhältnis geraten sind, einfach im Regen stehen gelassen werden? So geht das nicht! (Beifall CDU) Ich möchte aber zunächst die einzelnen Punkte betrachten. Da ist zunächst der Erhalt der Gesundheit. Eine gesunde, ausgewogene, schmackhafte und abwechslungsreiche Kost spielt für den physischen Erhalt der Gesundheit eine wichtige Rolle. Sie, liebe Damen und Herren, wissen es sowieso: Ein gutes Essen ist wie Balsam für die Seele! Ich habe beim Schreiben dieses Redebeitrages viel an die Mutter eines lieben Bekannten gedacht, die mit ihren 93 Jahren selbstständig in einer kleinen Wohnung lebt. Mit einem Laib Brot kommt sie alleinlebend zwei Wochen aus. Als Ehefrau eines ehemaligen Angestellten in der Abfallwirtschaft mit vier Kindern in der Familie ist sie es als Hausfrau und Verwalterin des geringen Haushaltsgeldes gewohnt, Lebensmittel komplett zu verspeisen, egal wie diese dann beschaffen sind. Da hilft auch keine Ansage der Kinder und kein heimliches Aufräumen und Entsorgen. Gesundheitliche Probleme sind schon aufgetreten und die Familie hofft sehr, dass mit einem Essensangebot die Einsicht zu einem anderen Kaufverhalten erreicht werden kann. Diese Dame wünscht sich auch persönlich ein Angebot in ihrer Wohnortnähe wahrzunehmen und die Möglichkeit zu erhalten, in angenehmer Gemeinschaft die eine oder andere Mahlzeit zu sich zu nehmen. Als zweites wichtiges Thema möchte ich über Einsamkeit sprechen und Sie fragen: Was meinen Sie, wie viele Menschen im höheren Alter leben alleinstehend in Wohnungen, weil sie ihre geliebten Partner verloren haben? Wie viele Menschen im höheren Alter sind womöglich gesundheitlich gehandicapt und auch finanziell so eingeschränkt, dass Essengehen mit Bekannten oder sogar Freunden einfach nicht möglich ist. Genaue Zahlen dazu haben wir nicht, aber Sie alle wissen, dass Alleinsein ganz schnell zu Einsamkeit führt und damit viele Krankheiten auslösen kann, auch psychologische Störungen wie Depressionen können folgen. Was helfen kann, ist ein Konzept für angebotene Mahlzeiten, denn Mittagstische, Frühstücksrunden oder auch Abendbrotangebote bringen Menschen zusammen. Das wird hier niemand bestreiten können. Der dritte Punkt, der Kampf gegen die Armut, ist noch viel wichtiger. Welche Dame und auch welcher Herr im Seniorenalter möchte sich die Blöße geben und Bürgergeld beantragen, wenn sie oder er ein Leben lang gearbeitet hat, aber die Rente bei den hohen Lebenshaltungskosten heutzutage schon seit einiger Zeit nicht mehr reicht? Natürlich, da ist es einfach zu sagen, dann kann man ihnen auch nicht helfen, aber Sie wissen das selbst, verständlich ist dieses Handeln schon und die vielen Flaschensammler überall in den Bezirken kennen wir alle. Dabei geht es um die gefühlte Erniedrigung staatliche Stütze zu beantragen und auch einen eigenen Antrieb, etwas an der Situation zu ändern. Einen Beitrag kann Politik hier leisten, indem Mahlzeiten kostengünstig angeboten werden. Das erleichtert schon einmal vieles. In ihrem gemeinsamen Vertrag zur Regierungskoalition erwähnen Sie unter dem Punkt Senior:innen, dass Sie die Mittagstische über das Programm Ältere im Quartier weiter ausbauen wollen. Wir erwarten dazu nun nach mehr als einem Jahr Regierungszeit, dass Sie endlich, wie in unserem Antrag gefordert, ein Konzept dazu entwickeln und nicht nur Buchstaben auf Ihr Papier bringen. „Gemeinsam Essen, füreinander Dasein“ titelt die Aktion Mensch zum Thema Mittagstische. Das ist ein Satz, der zum Schluss meines ersten Teiles noch einmal die Bedeutung von gemeinsamen Mahlzeiten kurz und knapp erklärt. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall CDU)

Alle Reden von Kerstin Eckhardt Protokoll (PDF) ↗