Heike Kretschmann
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Abgeordnete! In unsere Kitas gehört ausgebildetes Fachpersonal. Das sehe ich genauso. Nun sind wir allerdings nicht in der Lage, dieses Personal in ausreichender Zahl einzusetzen, weil es schlichtweg nicht vorhanden ist. Von daher finde ich es in einem ersten Schritt legitim und auch richtig, nach anderen Lösungen zu schauen und alternative, zeitlich befristete Möglichkeiten zu diskutieren. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Tatsache ist doch – und das können wir nicht negieren –, dass wir drastisch steigende Kinderzahlen haben und die Nachfrage nach Kindertagesbetreuung anhaltend hoch ist. Es wurden in den letzten Jahren nicht nur Kitas gebaut und wir haben gerade in der Deputation vorgestellt bekommen, dass bis 2028 noch gut weitere 3 000 Plätze dazukommen. Es werden auch seit Jahren Attraktivierungsprogramme aufgesetzt, um gerade verstärkt Personen für diesen Berufszweig zu gewinnen. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Momentan befinden sich 670 Personen in der Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistenz (SPA) oder Kinderpfleger:in und gut 1 000 Personen lassen sich aktuell zu Erzieher:innen weiterbilden, aber wir sehen, dass es nicht ausreicht um die Bedarfe heute und jetzt zu decken und das ist doch entscheidend. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Nun stehen neue Ideen zur Diskussion, auch ungelerntes Personal, sogenannte geeignete Personen, als Ergänzung und Entlastung in Kita einzusetzen. Das entlockt auch mir keine Jubelschreie. Ich bin da absolut zwiegespalten und kann alle Gründe, die hier angeführt wurden bislang, auch teilen, aber was haben wir momentan für Alternativen? Wie können wir frei stehende Räumlichkeiten für unversorgte Kinder nutzen? Ich muss gestehen, dass ich hier keinen Lösungsansatz vernommen habe, die auf die heutige Situation Bezug genommen haben und auf die heutige Situation einzahlt. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE) Schauen wir doch aber mal, was könnte denn mit geeigneten Personen gemeint sein. Ist der Übungsleitende im Sportverein, der ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen muss und in 120 Stunden eine Trainingslizenz erworben hat, geeignet? Ich hoffe doch, sonst kriege ich in meinem Verein nämlich Probleme. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Da darf er Gruppen im Kinderturnen anleiten. Wir sehen, hier bedarf es der Klärung der Definition und der genauen Spezifizierung. Da gebe ich Ihnen recht. Natürlich können wir nicht einfach Tür und Tor öffnen, sondern müssen interessierte Menschen auch vor oder tätigkeitsbegleitend qualifizieren. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Wenn die Öffnung für ungelerntes Personal als – –. (Zuruf Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]) Wenn wir die als Chance begreifen wollen, ist zwingend eine Mindestanforderung zu definieren. Es müssen klare Rahmenbedingungen gesetzt werden und Kindeswohl und Kinderschutz müssen dabei den zentralen Punkt einnehmen und Grundvoraussetzung aller Überlegungen sein. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Ich erinnere mich an die Idee, Kindertagespflegepersonen – und auch an die Debatte – in der Kita einzusetzen. Das ist auch mit viel Skepsis betrachtet worden. Jetzt sind sie eine wichtige und verlässliche Ergänzung in der Betreuung und das schildern mir die pädagogischen Fachkräfte bei all meinen Besuchen in den Einrichtungen, übrigens auch Mitarbeitende des kommunalen Trägers, (Beifall SPD – Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Die arbeiten aber nicht komplett allein!) schildern mir, dass sie sich über Unterstützung freuen würden. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Das ist ja auch ein völlig anderes Konzept, als das, was jetzt Frau Aulepp vorschlägt!) Die Fachkräfte stehen unter einem großen Druck. Das soll auch nur zeigen, dass es durchaus Ideen gibt, über die nachzudenken wichtig ist. So. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Da sind wir auch durchaus bei Ihnen an einigen Stellen!) Die Fachkräfte stehen unter einem großen Druck komplexer Herausforderungen, denn die Anforderungen haben sich natürlich gewandelt und sind gestiegen. Da will ich auf Kinder mit Förderbedarf gar nicht eingehen. Das ist für uns schon – –. Wir wissen da Bescheid. Professionelle pädagogische Arbeiten können aber ungelernte Hilfskräfte nicht leisten und das sollen sie auch nicht, aber sie können ein Stück weit Entlastung bringen. Bei aller Kritik wir müssen auch und nicht zuletzt auf berufstätige Eltern schauen, die immer mehr dem Druck ausgesetzt sind, auf der Arbeit zu funktionieren und dabei auch ihre Kinderbetreuung ständig im Blick haben zu müssen. Berufstätige Eltern geraten immer mehr in Not und bekommen zunehmend Probleme mit ihren Arbeitgebenden. Für Alleinerziehende, überwiegend Frauen, ist eine verlässliche Betreuung sogar noch existenzieller. (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Da wünschen sich berufstätige Eltern einfach mehr Pragmatismus und mehr Wirklichkeitsnähe und fragen sich zurecht, warum die Kinder beispielsweise in Früh- und Spätdiensten nicht beim Spielen von geeigneten Personen betreut werden dürfen. Meine Kinder waren in Elternvereinen untergebracht und da bestand immer die Möglichkeit, an zwei Tagen die pädagogische Fachkraft zu ersetzen, ist sie krank oder auf Fortbildung. Das habe ich auch getan, tun müssen und ich muss sagen, die Betreuung durch die Eltern war anders, ja sicher. Die haben ja nicht das pädagogische Fachwissen, aber hat es den Kindern geschadet? (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Es hat auf jeden Fall den arbeitenden Eltern die Möglichkeit gegeben, ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Ich will damit nur sagen, dass wir sowohl die eine und auch die andere Seite sehen müssen, um eine vollständige Bewertung der Situation immer wieder vornehmen zu können. Die zeitlich befristeten Änderungen, die nun zur Diskussion im Raum stehen, müssen selbstverständlich gut begleitet werden, von Kita, von Politik, von Behörde. Eine Orientierung am niedersächsischen Gesetzestext, in dem zum Bespiel eine Dokumentationspflicht der Eignungsfeststellung einen zentralen Punkt einnimmt, wäre sinnvoll und wichtig. Letztlich aber würden die Träger entscheiden, inwieweit sie von einer möglichen Gesetzesanpassung Gebrauch machen wollen und wie viel Flexibilität sie beim Einsatz ihres Personals, wie viel vorübergehende Qualitätsabsenkung – und ja, es ist eine Qualitätsabsenkung – sie zulassen wollen. Wir haben in der SPD-Fraktion kritisch und kontrovers darüber debattiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir die Augen nicht verschließen dürfen, denn auch für die unversorgten Kinder tragen wir Verantwortung. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Als nächste Rednerin hat das Wort
