Christine Schnittker
Meine Damen und Herren, weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Die Beratung ist geschlossen. Bevor ich das nächste Thema der Aktuellen Stunde aufrufe, gebe ich noch einmal die restlichen Redezeiten bekannt. SPD-Fraktion: 12 Minuten, 45 Sekunden; CDU-Fraktion: 9 Minuten, 38 Sekunden; Bündnis 90/Die Grünen: 10 Minuten, 12 Sekunden; DIE LINKE: 9 Minuten, 9 Sekunden; Bündnis Deutschland: 7 Minuten, 26 Sekunden; FDP: 9 Minuten, 16 Sekunden; Senat: 7 Minuten, 11 Sekunden. Wir kommen nun zum dritten Thema der Aktuellen Stunde: Misslungenes Personalmanagement: Wen lässt die Bildungsbehörde zukünftig auf unsere Kitakinder los? Dazu als Vertreterin des Senats Senatorin Sascha Karolin Aulepp. Die Beratung ist eröffnet. Als erster Redner hat das Wort der Abgeordnete Holger Fricke. Abgeordneter Holger Fricke (Bündnis Deutschland): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Unsere Bildungsbehörde sorgt mal wieder für den „Talk of the Town“. Wöchentlich ploppt eine neue Katastrophenmeldung aus dem Ressort auf. Aktuelles Diskussionsthema ist das Fehlen von Erzieherinnen und Erziehern in Bremer Kindertagesstätten. Mit angeworben Quereinsteigern ohne qualifizierte Ausbildung wollen Sie, liebe Bildungssenatorin Aulepp, die Personalknappheit und die hohen Krankenstände in den Kitas bekämpfen. Das Ressort fantasiert dabei von Musikern und Gärtnern, die die Arbeit der qualifizierten Erzieher und Erzieherinnen übernehmen sollen. Für die CDU ist dieses Vorhaben ein Stück aus dem Tollhaus. Kollegin Sandra Ahrens befürchtet, dass so die Sicherheit der Kinder aufs Spiel gesetzt wird. Auch die FDP positioniert sich klar gegen diesen Vorstoß. Sogar die Kollegin Strunge von den Linken lehnt den Vorschlag entschieden ab. Sie ist laut „Radio Bremen“, Zitat: „entsetzt darüber, dass die Senatorin meint, man bräuchte keinerlei Qualifikation, um eine Gruppe von zwanzig Kindern angemessen zu betreuen.“ Ich würde es toll finden, wenn es unserer Bildungsbehörde tatsächlich gelingt, Musiker und Gärtner anzuwerben. Sie wären bestimmt eine große Hilfe für Bremens Kindergärten. Das kann aber für uns von der Fraktion Bündnis Deutschland nur ein Teil der Lösung sein. Die Hauptverantwortung für die Erziehung unserer Kleinsten muss in den Händen von pädagogisch ausgebildeten Fachkräften bleiben. (Beifall Bündnis Deutschland) Die Übertragung von Kinderbetreuung und Förderung an ungeschultes Personal ist aus unserer Sicht schlicht unverantwortlich. (Beifall Bündnis Deutschland) Berechtigte Kritik dazu gibt es auch von der Gewerkschaft ver.di. Gewerkschaftsvertreter lehnen die Aulepp-Pläne als realitätsfern ab. Die Gewerkschafter fordern stattdessen eine ausreichende finanzielle Ausstattung, ein angemessenes Zahlenverhältnis zwischen Kindern und Fachkräften, außerdem genug Zeit für Qualifizierung. Die Elterninitiative „Kitastrophe“ – schönes Wort – sieht durch die jüngsten Pläne von Senatorin Aulepp sogar das Kindeswohl in Bremen in Gefahr. Nur was tut die Behörde, um für die Zukunft ausreichend viele Erzieherinnen und Erzieher auszubilden? Rums, da saust schon der nächste Hammer auf unser Bildungsressort nieder. Angehende Erzieherinnen und Erzieher der gerade eröffneten Inge Katz Schule zogen letzte Woche zur Bildungsbehörde. Danach wendeten sich die Betroffenen an die Presse. Die Schüler müssen laut „Weser-Kurier“ ohne Smartboards oder Tafeln, ohne Pinnwände, ohne Flipcharts auskommen. Weil keine Drucker vorhanden sind, werden wichtige Klausuren diktiert oder komplett gestrichen. Pro Klassenraum soll es nur zwei Steckdosen geben. Eine Sprecherin sagte gegenüber der Presse: „Wie sollen wir so unsere iPads laden?“ Digitaler Unterricht ist unter diesen Umständen ebenfalls unmöglich. Doch das ist nicht alles. Die Heizung im ersten Stockwerk ist ausgefallen, die Toilettenspülung versagt ihren Dienst, es gibt kein Toilettenpapier, keine Seife, keine Handtücher. Ausgelieferte Möbel müssen laut „Weser-Kurier“ von Schülern und Lehrern in der Unterrichtszeit ausgepackt und aufgestellt werden. Die Lehrer und rund hundert Schüler sind total überfordert. Sie arbeiten an der äußersten Belastungsgrenze. Frau Senatorin, ich frage Sie: Sieht so der Einstieg in einen Traumjob aus? (Beifall Bündnis Deutschland, CDU) Wohl eher nicht. Für den Kitafachkräfteverband Niedersachsen-Bremen e. V. ist der Fachkräftemangel ganz klar ein Versäumnis der Politik. Sprecherin Melanie Krause geht sogar so weit, dass sie fordert, den Ausbau von Kitaplätzen zu minimieren, um das System zu stabilisieren. In dieser Ausweglosigkeit, sehr geehrte Frau Aulepp, empfinde ich eigentlich nur noch Mitleid für Sie. (Beifall Bündnis Deutschland) Auch die Ihnen anvertrauten Pädagoginnen und Schüler tun mir leid. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Ein Licht am Ende des bildungspolitischen Tunnels sehe ich zurzeit leider überhaupt nicht. – Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall Bündnis Deutschland)
