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Claudia Bernhard

18.09.2024 Sitzungen 21/16

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wir sind uns alle hier im Klaren, wie wichtig und zentral die „U“-Untersuchungen sind, wobei es letztendlich auch nur ein Teil von dem bedeutet, was ein Baustein innerhalb der Tatsache ist, wenn es um Gesundheit von Kindern geht. Sie geben Eltern erst mal Sicherheit und die frühe Feststellung von Entwicklungsverzögerungen ist natürlich auch von elementarer Bedeutung. Das brauche ich hier, glaube ich, gar nicht näher auszuführen, weil ich denke, da haben sich alle entsprechend mit der Großen Anfrage beziehungsweise mit der Antwort auseinandergesetzt. Wir begleiten diese Auswertung und die kinderärztlichen Untersuchungen im Speziellen auch sehr engmaschig und schon sehr lange. Das etablierte System gibt es schon seit 2008, einladende Stelle zur Früherkennung und zur Frühberatung, insbesondere natürlich, was U4 bis U9 anbelangt. Eigentlich ist dieses System relativ verlässlich, zahlenmäßig gibt es jedenfalls nur geringere Ausfälle. Wir haben von den Schwachstellen – und die gibt es, das möchte ich gar nicht bestreiten – schon gesprochen, wo Meldungen zu spät eingehen respektive gar nicht eingehen. Wir haben dieses Trackingverfahren, das funktioniert auch sehr gut, aber es hat natürlich auch mit notwendigen Ressourcen zu tun. Die gelieferten Zahlen zeigen aber auch ganz deutlich, dass wir Versorgungsprobleme haben. Das will ich hier in keinster Weise beschönigen, und das wäre auch nicht realistisch, denn nur da, wo ausreichend personelle Ressourcen im System sind, können diese Untersuchungen im vorgegebenen Zeitfenster stattfinden. Während wir es in der Stadtgemeinde Bremen sehr verlässlich nach der Pandemie geschafft haben, die entsprechenden Bugwellen wieder zu verarbeiten, ist das in Bremerhaven durch das Wegbrechen von Personal nicht ganz gelungen, das räume ich an der Stelle durchaus ein. Hier sind gegenwärtig keine Angebote für die „U“-Untersuchung durch das Gesundheitsamt Bremerhaven möglich, ohne andere reguläre Angebote auszuhöhlen. Wir haben letztendlich auch das natürlich klar im Visier gehabt, haben auch Amtshilfe angeboten. Das ist momentan erst mal gar nicht angenommen worden, weil es aufgefangen werden kann, und es ist auch so, dass wir da in einem ständigen Austausch mit dem Gesundheitsdezernat sind und auch mit dem Magistrat in Bremerhaven, weil es uns sehr am Herzen liegt, dass es auch die aufsuchende Arbeit gibt. Wir müssen letztendlich auch zu den Familien hingehen. Gegenwärtig zeichnet sich übrigens eine positive Entwicklung ab. Es soll eine Kinderärztin kurz vor der Einstellung in eine bestehende Praxis wieder übernommen werden, beziehungsweise aufgehen. Das heißt, das wird zumindest halbiert, wenn man nach der Bedarfsplanung der KV geht, was die Versorgungsaufträge anbelangt. Unser Amtshilfeangebot wird natürlich auch entsprechend aufrechterhalten. Generell ist die kinderärztliche Versorgungssituation seit einiger Zeit schon sehr schwierig. Ich bin deswegen ganz dankbar, dass der Landesausschuss für Ärzte und auch der Krankenkassen jetzt zu einem spezifischen Paket gekommen ist, um das entsprechend zu fördern. Er hat Prämien ausgeschrieben, es gibt auch entsprechende Garantien beziehungsweise Aufstockungen für den Jahresumsatz. Das ist zumindest ein Maßnahmenpaket, das ich richtig finde. Es ist trotzdem nicht ganz einfach, auch wenn wir Start- und Halteprämien haben. Ich muss eines sagen: Wir brauchen ein gesamtes Netz. Es geht nicht nur um U-Untersuchungen. Das ist mir an der Stelle auch ganz wichtig zu sagen, wir brauchen ein Netz mit Kitas, mit Schulen, mit den Gesundheitsfachkräften, wir haben die Hebammenzentren eingerichtet. Es geht nicht nur um monetäre Ansätze, sondern es geht um einen kompletten Kontext, gerade Kindern in prekären Situationen eine Unterstützung zu bieten, damit sie nicht durch das Raster fallen. Das ist etwas, was wir von staatlicher Seite massiv vorangetrieben haben. Ich möchte nur daran erinnern, dass Bremerhaven demnächst auch ein Hebammenzentrum erhält, also wir haben die schon sehr massiv im Blick. Daneben setze ich mich sehr intensiv mit meinem Ressort dafür ein, dass wir endlich eine Aufstellung einer kleinräumigeren Bedarfsplanung kriegen. Das ist ja auch kein Zustand, dass man sagt, wir nehmen Bremen als Komplettbezirk, beziehungsweise Bremerhaven, und haben diese Unterschiedlichkeit unserer Quartiere nicht im Blick. Das geht nicht. In dem Zusammenhang müssen die Bedarfe entsprechend angepasst werden. Das ist etwas, was nicht so ganz in meiner Macht respektive meines Ressorts liegt, aber das ist etwas, was wir wichtig finden. Die Zusammenarbeit mit dem Ressort für Soziales wie auch mit Bildung ist stärker verzahnt worden, weil es nicht nur eine Aufgabe von Gesundheit ist. Das ist mir in diesem Zusammenhang extrem wichtig, dass wir diese Zusammenarbeit entsprechend stärken. Gut, ich kann es nicht aus den Ärmeln schütteln, dass unsere Bildungssituation eine andere ist, plötzlich die Wohnungen in Massen vorhanden, meistens auch noch bezahlbar und insbesondere auch an die Auseinandersetzung, ich nenne das mal so, um ausreichend Kitaplätze insbesondere für Ärzte und Ärztinnen – ist nicht so einfach als Berufsgruppe –, einen Haken dranzumachen. Wir haben hier in den Reihen schon mal darüber gesprochen. Insgesamt, glaube ich aber, muss das auf mehrere Schultern verteilt werden. Wir haben jetzt auch mit der KV und durch den Kindergipfel, den wir vorletztes Jahr angestoßen haben, eine Arbeitsgruppe, um uns da abzusprechen und abzustimmen, wie wir die Angebote, die staatlicher- und kommunalerseits vorhanden sind, mit dem niedergelassenen System ineinandergreifen lassen. Das, glaube ich, ist ein wichtiger Punkt, weil immer noch viel zu viel nebeneinander existiert. Das ist eine sehr ganzheitliche Aufgabe, wo wir durchaus einen Schritt vorankommen. Lassen Sie mich abschließend die Bemerkung machen: Das Medizinstudium ist wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich habe eine ganze Reihe von Möglichkeiten beziehungsweise Optionen begleitet von verschiedenen privaten Universitäten. Wir waren da nicht untätig. Wir müssen das auch zusammen mit Wissenschaft machen, das steht außer Frage, und wir sind auch jetzt wieder in Kontakt getreten mit diesen Varianten, die beispielsweise auch Stichwort AMEOS und Sachsen-Anhalt vorantreiben. Das haben wir schon im Blick, aber trotzdem ist es so, dass wir ein breiteres Netz sofort brauchen, weil die Kinder uns genauso wie Ihnen allen wichtig sind. – Vielen Dank! (Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)

Alle Reden von Claudia Bernhard Protokoll (PDF) ↗