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Christine Schnittker

18.09.2024 Sitzungen 21/16

Als Nächstes hat das Wort der Abgeordnete Andre Folkert Minne. Abgeordneter Andre Folkert Minne (Bündnis Deutschland): Frau Präsidentin, sehr geehrte Kollegen, werte Gäste und Zuschauer auf den sozialen Kanälen! Die Antwort des Senats auf die Große Anfrage zur Gesundheitsvorsorge bei Kindern deutet, wie in vielen Bereichen der Bremer Politik, auf eine katastrophale Bilanz hin. Die Situation in Bremen ist, einfach gesagt, mangelhaft. Dies gilt besonders für kinderärztliche Versorgungssituationen in Bremerhaven. Die Zustände dort sind alarmierend. Laut Senatsantwort gibt es dort tatsächlich weniger niedergelassene Kinderärzte als nach der Bedarfsplanung erforderlich wären. Dies führt dazu, dass das Gesundheitsamt Bremerhaven aktuell gar keine Früherkennungsuntersuchungen mehr anbieten kann. Wie erst kürzlich durch einen Brandbrief von Kinder- und Hausärzten aus Blumenthal bekannt wurde, verschärft sich die Situation der kinderärztlichen Versorgung auch im Bremer Norden zunehmend. Laut den Berichten der betroffene Mediziner im „Weser-Kurier“ gibt es dort inzwischen nur noch zwölf Kinderärzte und ein Minus von drei weiteren Ärzten innerhalb weniger Monate. Um das enorme Patientenaufkommen zu bewältigen, müssen die Praxen inzwischen rigide Aufnahmestopps verhängen und können nur noch Kinder aus dem näheren Umfeld behandeln. In den nächsten sechs Jahren werden voraussichtlich weitere vier Kinderärzte aus Altersgründen aufhören, was die Lage noch einmal drastisch verschärfen wird. Dort könnte die Situation im Bremer Norden ähnlich prekär werden, wie bereits jetzt schon in Bremerhaven, wo Eltern inzwischen eine Petition für mehr Kinderärzte gestartet haben. Wir fordern den Senat auf, dieser besorgniserregenden Entwicklung endlich mit aller Kraft entgegenzusteuern. (Beifall Bündnis Deutschland) Es müssen dringend Anreize für eine Niederlassung von Kinderärzten im Land Bremen geschaffen werden. Die beiden Blumenthaler Ärzte Joachim Schlage und Andreas MühligHofmann fordern hierfür die Schaffung eines Versorgungszentrums mit multiprofessionellen Teams aus Ärzten, Sozialarbeitern und internationalen Fachkräften, die die Qualität der Versorgung erhöhen und den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden. Eine Forderung, verehrte Damen und Herren, die wir hier klar unterstützen können. Ein solches Ärztezentrum unter städtischer Trägerschaft könnte Medizinern attraktive Arbeitsbedingungen als Angestellte bieten, gerne auch in Teilzeit, und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Ich glaube, Herr Saxe, Sie hatten da gerade etwas Ähnliches gesagt. Zudem würde ein solches Versorgungszentrum die Qualität der Versorgung erhöhen und den Bedürfnissen der Bevölkerung besser gerecht werden. In anderen Bundesländern, wie Bayern oder Baden-Württemberg, sieht die Situation deutlich besser aus. Dort werden flächendeckend ausreichend Kinderärzte ausgebildet und die Versorgung ist gesichert. Wir fordern den Senat auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um die Niederlassung von Kinderärzten in Bremen und Bremerhaven attraktiver zu machen. Genauso besorgniserregend ist die mangelnde Inanspruchnahme der wichtigen Früherkennungsuntersuchungen U4 bis U9. Laut den Zahlen des Senats wurde bei einem Viertel der Kinder kein Termin vereinbart oder es fehlte die Rückmeldung. Gerade bei den späteren Untersuchungen ab U7 ist die Nichtteilnahme besonders hoch. Das ist absolut unbefriedigend. (Beifall Bündnis Deutschland) In anderen Ländern wie Sachsen oder Thüringen werden die Eltern hier deutlich besser informiert und motiviert, diese Untersuchungen wahrzunehmen. Wir fordern, dass der Senat eine breit angelegte Informationskampagne startet und die Krankenkassen stärker in die Pflicht nimmt, diese Inanspruchnahme auch zu erhöhen. Nicht zuletzt zeigt die Senatsantwort, dass es sowohl bei den einladenden Stellen als auch bei den Gesundheitsämtern erhebliche Personalengpässe gibt. Dies führt zu Einschränkungen bei der Früherkennungsuntersuchung und dem Tracking der Nichtteilnehmer. Eine solche mangelhafte Personalausstattung ist untragbar, wenn es um die Gesundheit unserer Kinder geht. Wer einen vollständigen Eindruck vom Zustand des Gesundheitswesens erlangen möchte, kommt nicht um den Faktor Migration herum, ein Punkt, den die Große Anfrage der FDP irgendwie missen lässt. Durchgehend hohe Migrationszahlen gehen mit einem Versorgungsbedarf, der natürlich erhöht wird, einher. Dem kann unser Gesundheitssystem jetzt unmöglich gerecht werden. Auch kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren dürfen nicht unterschätzt werden. Die Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patienten wird erschwert, was zu Missverständnissen und Mehrbelastung führt. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Senatsantwort die dramatische Situation bei der Gesundheitsvorsorge für Kinder völlig unzureichend widerspiegelt. Wir erwarten konkrete und zügige Maßnahmen zur Verbesserung der kinderärztlichen Versorgung, zur Steigerung der Inanspruchnahme von U-Untersuchungen und zum Aufbau ausreichender Personalkapazitäten. Ansonsten drohen gravierende Folgen für die Gesundheit unserer Kinder und die Zukunft unseres Landes. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall Bündnis Deutschland)

Alle Reden von Christine Schnittker Protokoll (PDF) ↗