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Muhlis Kocaağa

Die Linke 18.09.2024 Sitzungen 21/16

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Diesen Antrag als populistischen Schritt zu benennen, ist unrealistisch, denn das Problem ist bekannt, und Sie haben auch selbst versucht, zu erklären, was das Problem ist. Mittlerweile ist es mehrfach belegt, dass der Abrieb von Autoreifen eine große Mikroplastikquelle ist. Gut, dass wir heute in der Bürgerschaft diese Gelegenheit nutzen und uns diesem nicht weiter zu akzeptierenden Zustand annehmen. Fahrzeugreifen bestehen etwa zur Hälfte aus vulkanisiertem Naturkautschuk oder synthetischem Gummi und enthalten darüber hinaus eine Vielzahl von anderen chemischen Zusatzstoffen. Durch die Nutzung der verschiedenen Reifen auf den Straßen kommen jährlich etwa 100 000 Tonnen Reifenabrieb zusammen, die sowohl im Boden als auch in den Gewässern landen. Das heißt, dass die gerade erwähnten Zusatzstoffe, die den Reifen beigemischt werden, eine große Gefahr für Flora, Fauna und Menschen darstellen. (Beifall DIE LINKE) Dies erklärt sich über die Einlagerung der giftigen Stoffe in unsere Umwelt, die durch den Reifenabrieb freigesetzt werden und unter anderem mit dem Regenwasser direkt in die offenen Gewässer gelangen. Bei Wasser, das in die Kläranlage gelangt ist, entwickelt sich ebenfalls ein Problem. Hier wird zwar mit sogenannten Mischwassersystemen der Reifenabrieb zurückgehalten und befindet sich nicht im Wasserkreislauf, aber Rückstände im Klärschlamm finden sich schon. Das bereitet ebenfalls Probleme, weil wir die Klärschlämme jahrelang als Düngemittel verwendet haben. Es ist durch entwickelte Extraktionsverfahren von Mikroplastik aus dem Klärschlamm belegt, dass Polyethylen, Polypropylen, Polyethylenterephthalat, Polystyrol immer in großen Mengen festzustellen ist. (Beifall DIE LINKE) Wir bringen das giftige Mikroplastik so direkt in unsere Nahrungskette ein. Das darf nicht sein. Bestens, dass die EU für die Kosmetikbranche Schritt für Schritt ein Verbot für Mikroplastik durchgeführt hat. Das ist doch gut. Unakzeptabel aber, dass Autoreifen mehr Abfall in der Natur hinterlassen als Kosmetik verursacht, aber kein einheitlicher Kontrollmechanismus vorhanden ist. Das fordern wir mit unserem Antrag. (Beifall DIE LINKE, Bündnis 90/Die Grünen) Diesen Zustand müssen wir dringend ändern. Jährliche Eintragsmengen pro Person in Gramm: Haushaltswäsche 110 Gramm, künstliche Sportplätze 42 Gramm, Reifen 1 000 Gramm. An dieser Stelle möchte ich noch mal ganz deutlich machen, dass wir alles tun müssen, um die Umweltbelastung mit ihren weitergehenden Folgen zu verhindern. Wir müssen jetzt mit der Nachhaltigkeit anfangen, und dafür brauchen wir schnelle, effektive Maßnahmen, die zu einem erkennbaren Schutz unserer Lebensumwelt führen. Wir müssen Maßnahmen betreiben, die unsere Gewässer und Böden vor dem giftigen Eintrag schützen. Noch ist unser Verhalten dramatisch. Wir zerstören damit für immer die Zirkulation zwischen Boden, Wasser und Lebewesen. Wir sollten unser Verhalten dringend ändern! – Danke schön! (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)

Alle Reden von Muhlis Kocaağa Protokoll (PDF) ↗