Antje Grotheer
Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Cord Degenhard. Abgeordneter Cord Degenhard (Bündnis Deutschland): Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Feinstaub: Laut Weltgesundheitsorganisation schädigt Feinstaub weltweit mehr Menschen als irgendein anderer Luftschadstoff. Der Anteil vom Reifenabrieb am gesundheitsgefährdenden Feinstaub, wir haben es schon gehört, ist mittlerweile größer als der Anteil von Dieselruß. Die biologische Wirkung von Feinstaub hängt nicht alleine von der Partikelgröße ab. Ein wichtiger Faktor ist seine chemische Zusammensetzung und damit seine Toxizität. Etwa 20 Prozent gelten als hochtoxisch. Hierbei handelt es sich in erster Linie um die Produkte unvollständiger Verbrennung aus Motoren, Industrie und Hausbrand. Bei 80 Prozent des Feinstaubes ist das Gesundheitsrisiko allerdings niedriger. Dies gilt auch für den Feinstaub aus Reifenabrieb. Dennoch sind, wir haben es gehört, 110 000 Tonnen jährlich ganz zweifellos zu viel. Das Gefährliche daran ist insbesondere, dass diese Partikel durch Regenwasser in Gewässer und Umwelt gelangen. Das alles ist natürlich längst erkannt, und es wird an Lösungen gearbeitet und geforscht. Ich nenne nur zwei Beispiele. Ein Ansatz ist „ZEDU-1“, ein Prototyp vom Zentrum für Deutsche Luftfahrt- und Raumfahrttechnik in Kooperation mit dem Autohersteller HWA AG. Hier wurde ein komplett emissionsfreies Elektroauto entwickelt, auch Reifenabriebe werden hier komplett vermieden. Ein zweiter Ansatz ist das Projekt „URBANFILTER“. Die Audi-Stiftung für Umwelt hat zusammen mit der Technischen Universität Berlin Filter für den Straßenablauf entwickelt. Sie verhindern, dass Reifenabrieb und andere umweltschädliche Partikel zusammen mit dem Regenwasser in Kanalisation und Gewässer gespült werden. Erste Praxis- und Labortests zeigen laut Audi bereits die Effizienz des Systems. Beide Systeme scheinen sich auf einem erfolgversprechenden Weg zu befinden. Der hier vorliegende Antrag der Koalition verfolgt gewissermaßen eine Doppelstrategie. Sie fordert, dass der Senat sich einerseits für Initiativen zur Regulierung des Reifenabriebes und sich andererseits bei der Autobahn GmbH für eine Prüfung geeigneter Standorte von sogenannten Regenwasserbehandlungsanlagen einsetzt. Es gibt zu diesem Thema natürlich auch andere Meinungen. (Beifall Bündnis Deutschland) Ich schließe mit einem Augenzwinkern und einem Zitat aus der „WeserKurier“-Glosse von Oliver Matiszick vom 24. und 25. August. Ich zitiere: „Was ist mit den unterschiedlichen Abriebswerten von Sommer-, Winterund Ganzjahresreifen, von Pkw in unterschiedlichen Temperaturfenstern, und überhaupt, wie verteilt sich der Reifenabriebsanteil auf Individualverkehr, öffentliches Transportwesen, Logistik, Fahrräder oder EScooter?“ Wie gesagt, eine Glosse. Er amüsiert sich und hält das Thema offensichtlich für nicht ganz so wichtig. Wir allerdings schon. Wir wollen reine Atemluft und vor allem auch sauberes Regenwasser. Deshalb stimmen wir dem Antrag zu. – Ich danke Ihnen! (Beifall Bündnis Deutschland)
