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Sahhanim Görgü-Philipp

21.08.2024 Sitzungen 21/15

Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Dr. Franziska Tell. Abgeordnete Dr. Franziska Tell (Bündnis 90/Die Grünen): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Ich finde es gut, dass wir heute hier darüber sprechen, wie die Lehrkräftearbeitszeit sich eigentlich darstellt und was die Situation von Lehrkräften aktuell bedeutet. Denn wir wissen alle, dass es momentan extrem schwierig ist, ausreichend Lehrkräfte zu finden, und wir wissen auch alle, dass der Job einer Lehrkraft extrem herausfordernd ist und dass sie extrem große Probleme zu bewältigen haben in ihrem Alltag. Das ist gekoppelt an die Situation, dass die Arbeitszeiten nicht, wie das in vielen Jobs der Fall ist, an feste Stunden gebunden sind, sondern an die Mischung aus einem festen Stundenkontingent an Unterrichtszeiten und der Zeit drum herum. Diese Zeit drum herum ist aktuell noch nicht so genau erfasst und sie ist sicherlich auch sehr unterschiedlich. Da kommen wir auch zu dem Problem der ganzen Situation, denn eine Erfassung von Lehrkräftearbeitszeit ist nicht so leicht wie bei einem Bürojob, der von nine to five läuft, sondern es ist sehr viel schwieriger. (Abgeordneter Thore Schäck [FDP]: Warum?) Ich denke, als Parlamentarier:innen können wir das ein bisschen nachempfinden. In Jobs, in denen man viel nebenher unterwegs ist und nebenher tätig ist – –. Ja, Herr Schäck, ich beantworte ihnen die Frage „Warum?“ sehr gerne: Weil es feste Zeiten gibt, in denen man in der Schule tätig ist, wenn man Unterricht macht. Das ist sehr einfach darzustellen. Das ist ja auch das, was im Stundenkontingent dargestellt ist, aber es gibt auch Arbeiten drum herum und die sind von Lehrkraft zu Lehrkraft sehr unterschiedlich. Natürlich kann man auch Zeit erfassen, die man sich im Büro zu Hause befindet, man kann auch Vorbereitungszeit erfassen, aber ich glaube, es ist trotzdem nicht so einfach, das mit einer Stechuhr zu machen und zu sagen, ich checke dann ein, ich checke dann aus, weil es sehr unterschiedlich ist. Ich glaube, die entscheidende Frage ist nicht nur die Frage der Mechanik: Wie misst man eigentlich die Zeit?, sondern vor allem: Was steht den Lehrkräften eigentlich zu? Denn je nach Fach, je nach Schule, je nach Klasse, je nach Bedarfen sind die Bedarfe an Arbeit unterschiedlich. Das macht die Problematik etwas komplexer, als es in der Debatte manchmal dargestellt wird. Trotzdem finde ich es gut, dass wir darüber sprechen, dass es wichtig ist, dass das Ganze überprüft wird, dass erfasst wird, wie Lehrkräfte eigentlich arbeiten, welche Strukturen es gibt und wie die Arbeitszeit trotz dieser Problematik, dass es doch sehr vielfältig ist, am Ende gut erfasst werden kann. Das wird auch in der Antwort des Senats auf die Anfrage deutlich und es wird auch Bezug darauf genommen, dass das Ganze schon Debatte ist. Auch auf Bundesebene ist das Ganze Debatte. Auch die Kultusminister:innenkonferenz beschäftigt sich mit dieser Thematik, denn in allen Ländern ist es am Ende eine große Frage, die beantwortet werden muss, und es ist natürlich wichtig, dass wir in Bremen nicht alleine irgendetwas machen und alle anderen Länder machen etwas anderes. Gleichzeitig finde ich es aber auch wichtig, dass Bremen auch hier vorangeht und das Ganze mitentwickelt und daran arbeitet, dass wir es hinkriegen, einen guten Weg zu finden, die Arbeitszeit von Lehrkräften so zu definieren, dass sie geregelte Zeiten haben und dass sie sich am Ende nicht völlig überarbeiten, sondern in einem gesetzten Rahmen gut arbeiten können und so die Kinder und Jugendlichen gut unterstützen können. (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD) So weit zu dem Thema „Arbeitszeiterfassung von Lehrkräften“. Ich möchte ganz kurz noch auf ein paar Aspekte im Antrag der FDP eingehen, den wir im Gesamten ablehnen werden. Ich muss sagen, in diesem Antrag sind verschiedene Punkte, die ich mit unterschiedlichem Blickwinkel betrachte. Es gibt ein paar Punkte, wo ich beim ersten Lesen dachte, ja, das klingt ja sogar ganz gut. Aber die Feinheiten sind dann doch nicht so präzise, dass ich den Eindruck habe, dass wir damit arbeiten können. Es sind aber auch Punkte dabei, wo ich darüber gestolpert bin und mich gefragt habe, worauf der Antrag eigentlich abzielt. Das ist zum Beispiel das Thema „Praxisbezug“. Ja, Praxisbezug im Studium, in der Ausbildung der Lehrkraft ist extrem wichtig. Einerseits haben wir im Parlament ja vor Kurzem erst das duale Studium als Modellprojekt beschlossen, da gibt es dann mehr Praxisbezug. (Beifall DIE LINKE) Auch im grundständigen Studium gibt es bereits einige Praxismodule. Das heißt, da fehlen mir so ein bisschen die konkreten Vorschläge, was das denn genau bedeutet, „wir wollen mehr Praxisbezug“. Da würde ich mir wünschen, vielleicht haben Sie da gleich noch eine Erklärung zu, falls Sie noch Redezeit haben – –. Auch im Vorbereitungsdienst wird von „mehrfacher Praxisorientierung“ gesprochen. Ich weiß nicht, was Sie für ein Verständnis vom Vorbereitungsdienst haben, aber in meiner Welt und in dem, was ich so mitbekommen habe in meiner Arbeit im letzten Jahr, ist der Vorbereitungsdienst sehr praxisorientiert. Darum bin ich über diesen Punkt beispielsweise gestolpert und weiß nicht, worauf er hinaus möchte, ehrlich gesagt. Ansonsten sind einige Punkte da, die geprüft werden müssten, und einige Punkte, die auch finanziellen Mehraufwand bedeuten, und wir wissen alle, dass die Haushaltssituation gerade nicht so einfach ist. Darum können wir leider, auch wenn wir von der Richtung her einige Punkte vielleicht teilen würden, jetzt dem nicht einfach zustimmen, sondern müssten diese Punkte erst mal prüfen. Darum werden wir den Antrag in der Gesamtheit ablehnen. Ich verspreche hier aber auch, dass wir uns mit dem ganzen Thema „Arbeitsbedingungen von Lehrkräften“ natürlich weiter beschäftigen werden und auch die Frage der Arbeitszeiterfassung, wo das Ressort auch angekündigt hat, dass sie dran sind, weiterverfolgen werden. Ich hoffe, dass es hier entsprechende Maßnahmen gibt, damit bald geklärt werden kann, wie das erfasst werden kann und wir die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften verbessern können. – Vielen Dank! (Beifall Bündnis 90/Die Grünen, SPD, DIE LINKE)

Alle Reden von Sahhanim Görgü-Philipp Protokoll (PDF) ↗